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Koker, David

H.A.M. 0

David Koker
Historiker und Autor


Geb. 1921 in Amsterdam/ NL
Gest. Anfang 1945 (bei der Deportation vom KZ Groß-Rosen ins KZ Dachau)


David Koker wird in eine wohlhabende jüdische Familie geboren. Der nicht-gläubige Sohn befolgt allerdings die religiösen Riten seiner Eltern und geht am Sabbat nicht zur Schule. Am Amsterdamer Vossius-Gymnasium schreibt er für die Schülerzeitung Vulpes. Noch während seiner Schulzeit schließt sich Koker den Zionisten an, lernt Hebräisch und veröffentlicht zu Beginn des Ersten Weltkrieges einen Band mit hebräischen Erzählungen.


1939 immatrikuliert er sich zuerst für Soziologie, wechselt aber im darauffolgenden Jahr zur Geschichtswissenschaft, die er auch mit dem Examen abschließt. Im Frühjahr 1940 besetzen deutsche Truppen die Niederlande, im Herbst des darauffolgenden Jahres taucht David Koker angesichts der sich verschärfenden Situation mit Hilfe zionistischer Freunde unter. Seine Familie bleibt vorerst von der Deportation verschont, wird jedoch in der Nacht vom 11. auf den 12. Februar 1943 verhaftet und in das so genannte Polizeiliche Durchgangslager Herzogenbusch (später: Vught) gebracht. Auch der aus seinem Versteck zurückgekehrte Sohn David ist mit dabei und schreibt bis zum 8. Februar 1944 heimlich ein Tagebuch, das von Freunden aus dem Lager nach Amsterdam geschmuggelt und heute im dortigen Reichsinstitut für Kriegsdokumentation aufbewahrt wird. Kokers letzte Aufzeichnungen bis Juni 1944 kommen bei seinen Freunden in Amsterdam nicht mehr an. Ihr Verfasser und seine gesamte Familie werden nach Auschwitz deportiert. Als sogenannte Philipsjuden (die in Vught für den Elektrokonzern Philips haben arbeiten müssen ), werden David Koker, sein Bruder Max und der Vater vom Arbeitsamt in Berlin im August 1944 zur Zwangsarbeit nach Schlesien in das zu Groß-Rosen gehörende Lager Langenbielau bei Reichenau deportiert. Die in Auschwitz verbliebene Mutter von David Koker bleibt im KZ Auschwitz, wo sie 1945 von sowjetischen Truppen befreit wird.


Ende Februar 1945 stellen die Deutschen im Konzentrationslager Groß-Rosen und seinen Nebenlagern einen sogenannten Krankentransport zusammen. Zu denjenigen, die bei bitterer Kälte im Güterwaggon den Weg ins KZ nach Dachau nicht überleben, gehört auch der hochfiebrige David Koker. Er stirbt im Alter von noch nicht einmal 25 Jahren.


Quelle:

Renata Laqueur: Schreiben im KZ. Tagebücher 1940-1945 Bearbeitet von Martina Dreisbach und mit einem Geleitwort von Rolf Wernstedt, Donat-Verlag, Bremen 1992, Zugl.: New York, Univ., Diss., ISBN 3-924444-09-9, S. 116ff.

Hier können Sie ein Interview herunterladen, das Ulrike Müller am 7. Juli 1994 in New York mit Dr. Renata Laqueur über das Thema Schreiben im KZ geführt hat.


Literatur:

Floris B. Bakels: Verbeelding als Wapen, Tjeenk Willink, Haarlem, 1947
Karl Adolf Gross: Zweitausend Tage Dachau. Erlebnisse eines Christenmenschen unter Herrenmenschen und Herdenmenschen. Berichte und Tagebücher des Häftlings Nr. 16921. Neubau-Verlag, München, 1946
Abel Herzberg: Tweestromenland. Dagboek uit Bergen-Belsen, Arnhem, 1950
Heinrich Eduard vom Holt: Weltfahrt ins Herz. Tagebuch eines Arztes, Balduin-Pick-Verlag, Köln, 1947
David Koker: Judendurchgangslager Vught. 13. Februar 1943 bis 8. Februar 1944. Reichsinstitut für Kriegsdokumentation, Amsterdam, unveröffentlicht
Edgar Kupfer-Koberwitz: Die Mächtigen und die Hilflosen. Als Häftling in Dachau. Band 1: Wie es begann. Band 2: Wie es endete. Friedrich-Vorwerk-Verlag, Stuttgart, 1957
Jacques Lamy: Buchenwald, 18. Januar 1944 bis 25. Juni 1945, unveröffentlicht, im Besitz des Autors
Hanna Lévy-Hass: Vielleicht war das alles erst der Anfang. Tagebuch aus dem KZ Bergen-Belsen 1944-1945, Rotbuch-Verlag, 12. bis 13. Tausend, Berlin 1982
Philip Mechanicus: In Dépôt. Dagboek uit Westerbork. Polak & Van Gennep, Amsterdam, 1964
Simone Saint-Clair: Ravensbrück: L’Enfer des Femmes. Fayard, Paris, 1967
Gerty Spies: Tagebuchfragment aus Theresienstadt. In: Drei Jahre in Theresienstadt, München, Verlag Christian Kaiser, 1984, S. 98-113
Loden Vogel: Dagboek uit een Kamp, G.A. Van Oorschot, Amsterdam, 1965

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