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Marcu, Valeriu

H.A.M. 0

Valeriu Marcu
Schriftsteller und Journalist

Geb.  08.03. 1899 in Bukarest/ Kgr. Rumänien
Gest. 04.12. 1942 in New York/ USA


Der Sohn einer assimilierten jüdischen Familie aus der Bukowina (der Vater ist Diplom-Ingenieur, die Mutter hat ein Biologiestudium absolviert) kommt direkt nach dem Abschluss der Grundschule in ein Wiener Internat, wofür wohl nicht zuletzt auch die ständigen Auseinandersetzungen des temperamentvollen Jungen mit seinem auf bürgerliche Sicherheit bedachten Vater ein Anlass gewesen sein mögen. 1915 schickt ihn die Polizei prompt wieder zurück nach Rumänien – unter dem Vorwurf, Mauern mit dem Motto “Vive la France!“ beschriftet zu haben. Diese Jahre aber sind es, die ihn politisch prägen werden: Er knüpft erste Kontakte zu linken Kreisen, lernt u.a. den Schriftsteller Joseph Roth kennen und trifft 1913 Leo Trotzki, der damals als Korrespondent einer Kiewer Zeitung von Bukarest aus über den Balkankrieg berichtet.


Marcu schließt sich der rumänischen sozialistischen Jugendbewegung an und zählt u.a. Gheorghe Cristescu, den späteren ersten Generalsekretär der Kommunistischen Partei Rumäniens, zu seinem Bekanntenkreis. Die Familie schickt Marcu schließlich nach Zürich, um dort das Abitur zu machen. Er setzt hier aber umgehend seine politischen Aktivitäten fort, indem er Kontakt zu den Kreisen junger Sozialisten und Pazifisten aufnimmt und sich als Autor der von Willi Münzenberg geleiteten Zeitschrift ‚Jugend-Internationale‘ (zu deren Mitarbeitern u.a. auch Lenin, Trotzki, Sinowjew und Alexandra Kollontai zählen) sehr bald einen Namen macht. Auch und vor allem die Begegnung mit dem im Exil lebenden Lenin zählt zu den ihn prägenden Eindrücken jener Jahre, in denen er sich auch intensiv dem Studium der marxistischen Literatur widmet.   


Während des Ersten Weltkrieges bewegt sich Valeriu Marcu immer wieder in geheimen Aktionen zwischen den Grenzen, schmuggelt Botschaften, wird verhaftet und von den rumänischen Behörden inhaftiert. Wieder in Bukarest, arbeitet er für die  Zeitschrift ‚Scena‘, zu deren Mitarbeitern auch und vor allem junge links-orientierte Schriftsteller und Journalisten gehören. Marcu bringt Aufsätze über Arthur Schnitzler, Heinrich Mann und Frank Wedekind genauso ins Blatt wie über Vertreter der klassischen deutschen Literatur. Neben seiner journalistischen behält er aber auch in diesen Jahren seine Antikriegsarbeit bei. Im März 1918 werden in einer Bukarester Druckerei Tausende von Exemplaren eines von Marcu verfassten Manifestes gefunden, in dem zum Widerstand gegen die deutschen Besatzer aufgerufen wird. Es folgt eine Verhaftungswelle, und nur den öffentlichen Protesten und wahrscheinlich noch sehr guten Beziehungen seines Vaters zur AEG-Zentrale in Berlin können das Schlimmste vor dem Militärgericht verhindern. Marcu wird nach Deutschland gebracht und in einem Lager bei Rastatt interniert.


Nach dem Waffenstillstand 1918 reist er in die Schweiz, um sich noch einmal mit seinen Eltern zu treffen. Zum Abschluss seiner Studien können sie ihn jedoch nicht mehr bewegen. Er schließt sich statt dessen der KPD an und vertritt die rumänische sozialistische Jugend bei der Kommunistischen Jugend-Internationale. Bereits Anfang der 20er Jahre kommt es allerdings zu ersten ernsten Auseinandersetzungen zwischen Komintern und KPD, er gehört zu denjenigen, die sich für die Gründung einer neuen Partei einsetzen und die Komintern zunehmend kritisieren. Das führt schließlich zu seinem Ausschluss. Die ehemaligen Genossen ziehen sich von ihm zurück.


Marcu steht plötzlich ohne Ausbildung und Brotberuf auf der Straße. Und entscheidet sich, von nun an mit dem Schreiben sein Geld zu verdienen. Allmählich kann er sich als Journalist und Autor etablieren, arbeitet für diverse namhafte Zeitungen und Periodika, darunter Carl von Ossietkys ‚Weltbühne‘. Mitte der 20er Jahre, Marcu lebt und arbeitet längst in Berlin, rückt er mehr und mehr von seiner linken Gesinnung ab. Willi Münzenberg, der Freund aus alten Tagen, für dessen Presse- und Verlagskonzern er auch arbeitet, nennt ihn schließlich einen “bürgerlichen Schriftsteller“. Sein schwindendes Vertrauen in die Fähigkeiten der Arbeiterparteien zum Widerstand gegen den aufkommenden Nationalsozialismus führt letztlich sogar zur Annäherung an konservative Kreise um Ernst Jünger und Ernst Niekisch, Heinrich Brüning und Gottfried Treviranus.   


Mit der Machtübernahme Hitlers flüchten Valeriu Marcu und seine jüdische Ehefrau Eva Gerson ins benachbarte Ausland, über Österreich nach Frankreich. Während seine gesamte Bibliothek von den Nazis beschlagnahmt wird, findet er im Mittelmeerstädtchen Sanary-Sur-Mer, wie auch Klaus Mann (an dessen Exil-Zeitschrift ‚Die Sammlung‘ er u.a. mitwirkt), Lion Feuchtwanger , Bert Brecht , Franz Hessel , Hermann Kesten und zahlreiche andere Schriftsteller, die aus Nazi-Deutschland geflohen sind, Unterschlupf, bevor ihm, seiner Frau und der Tochter Monica schließlich – mit Hilfe von Varian Fry und dessen ‚Emergency Rescue Committee‘ – am 29. März 1941 über den portugiesischen Hafen Lissabon die Flucht in die Vereinigten Staaten gelingt.


Der Neubeginn in New York gestaltet sich mehr als schwierig, trotz aller Hilfe von Freunden und Wegbegleitern wie Heinrich Mann, Hermann Kesten und Egon Erwin Kisch , der ihn aus dem mexikanischen Exil für die Mitarbeit an einer geplanten Emigrantenzeitschrift gewinnen möchte. Stück für Stück gelingt es Marcu dann jedoch schließlich, sich eine neue Existenz als Journalist und Autor  für Presse und Rundfunk aufzubauen.


Im Alter von nur 43 Jahren erliegt er während einer Lesung in der New Yorker Wohnung von Gottfried Treviranus einem Herzinfarkt. Anlässlich seines 60. Todestages erscheinen 2002 die gesammelten Essays von Valeriu Marcu unter dem Titel “Ein Kopf ist mehr als vierhundert Kehlköpfe“ (hrsgg. von Erhard R. Wiehn) im Konstanzer Verlag Hartung-Gorre.


Quellen:

Andrei Corbea-Hoisie, «Valeriu Marcu», Germanica [En ligne], 38| 2006, mis en ligne le 19 février 2010, Consulté le 22 mai 2011(http://germanica.revues.org/380 )  

http://de.wikipedia.org/wiki/Valeriu_Marcu


Links (deutsch):

http://www.freitag.de/2004/22/04222002.php

https://portal.d-nb.de/opac.htm?query=Woe%3D116762357&method=simpleSearch


International:

http://www.archive.org/details/menandforcesofou027065mbp

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