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Jonas, Regina

H.A.M. 0

Regina Jonas
Rabbinerin


Geb. 3.8. 1902 in Berlin
Gest. 1944 im KZ Auschwitz


Regina Jonas„Fähigkeiten und Berufungen hat Gott in unsere Brust gesenkt und nicht nach dem Geschlecht gefragt. So hat ein jeder die Pflicht, ob Mann oder Frau, nach den Gaben, die Gott ihm schenkte, zu wirken.“

(Regina Jonas)


Die Tochter des Kaufmanns Wolf Jonas und dessen Ehefrau Sara, geb. Hess; wächst mit ihrem Bruder Abraham in einem streng religiösen Elternhaus und äußerst bescheidenen Verhältnissen auf. Nach erfolgreichem Besuch des Öffentlichen Oberlyzeums in Berlin-Weißensee erwirbt sie dort im März 1924 die Lehrbefähigung für Lyzeen und immatrikuliert sich anschließend an der liberalen Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, denn ihr Berufswunsch steht seit langem fest: Regina Jonas will Rabbinerin werden! 

 

 


Ihr Studium finanziert die zielstrebige junge Frau durch Unterricht an höheren Mädchenschulen. Am 22. Juli 1930 absolviert Regine Jonas ihre mündliche Abschlußprüfung bei dem damals führenden rabbinischen Repräsentanten des deutschen Judentums, Dr. Leo Baeck (Religionsgeschichte und Pädagogik), den Professoren Julius Guttmann (Religionsphilosophie), Ismer Elbogen (Jüdische Geschichte und Literatur) und Eduard Baneth (Talmudische Wissenschaft), bei dem sie übrigens auch ihre schriftliche Arbeit Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden? eingereicht hat. Aufgrund von Baneths plötzlichem Tod kann Regina Jonas ihr Studium jedoch 1930 nur als akademisch geprüfte Religionslehrerin beenden. Obgleich das Rabbinatsdiplom ihr vorerst verwehrt bleibt, hält Regina Jonas unbeirrt an ihrem Berufswunsch fest, qualifiziert sich weiter, hält Übrungspredigten und wird nicht zuletzt durch den Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbands, Leo Baeck, ausdrücklich unterstützt.


Nach zähem Ringen um Anerkennung erhält Regina Jonas am 27. Dezember 1935 – fünfeinhalb Jahre nach Abschluss ihres zwölfsemestrigen rabbinischen Studiums und dreieinhalb Monate nach Verabschiedung der Nürnberger Rassengesetze durch den Reichstag – endlich vom liberalen Offenbacher Rabbiner Dr. Max Dienemann die Ordinationsurkunde. Trotz ihrer ausgewiesenen Qualifikation wird sie ab Sommer 1937 bei der Jüdischen Gemeinde zu Berlin jedoch weiterhin nur als Religionslehrerin eingesetzt. Unbeirrt engagiert sie sich seelsorgerlich in Sozialeinrichtungen der jüdischen Gemeinde, hält zahlreiche Vorträge zu unterschiedlichen biblischen und theologischen Themenstellungen – e etwa die Stellung der Frau in der jüdischen Tradition – und gestaltet religiöse Feste und Feiern in den Synagogen der Stadt.

Dabei hat Regina Jonas immer wieder mit erheblichem Gegenwind von konservativer Seite zu kämpfen: auf die Kanzel der Neuen Synagoge an der Oranienburger Straße in Berlin darf sie nicht, obwohl zahlreiche Beter in Eingaben dafür votieren – die Rabbinerin Jonas muß mit dem der Synagoge vorgelagerten Trausaal vorlieb nehmen.


Im Zuge der zunehmenden Verfolgung der Juden durch die Nationalsozialisten steigt die Zahl der Gemeinden, die ohne Leitung und Betreuung sind, weil deren Rabbiner ins Ausland vertrieben oder deportiert worden sind. Im Auftrag der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland reist Regina Jonas ab 1938 zu Kleingemeinden im Preußischen Landesverband, um zu predigen und Menschen seelsorgerlich zu begleiten. Obgleich die von ihr gehaltenen Gottesdienste großen Zuspruch finden, und ihr durchweg eine hohe und strenge Pflichtauffassung bestätigt wird, ersucht sie die Kultusvereinigung zu Berlin erst am 26. Januar 1942 um die Übersendung der Zeugnisse ihrer rabbinischen Ausbildung.

Regina Jonas wirkt – als weltweit erste Frau in diesem Amt – bis zu ihrer eigenen Deportation nach Theresienstadt am 6. November 1942. Auch hier setzt sie ihre seelsorgerische Arbeit fort, auch hier erneut gegen den Widerstand des Oberrabiners, der ihre Ordination anzweifelt.

Am 12. Oktober 1944 wird Regina Jonas ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.


Literatur:

Klapheck, Regina (Hrsg.):
Fräulein Rabbiner Jonas
Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?
Eine Streitschrift von Regina Jonas.
Mit einem Vorwort von Hermann Simon.
Hentrich & Hentrich, Teetz 1999
ISBN 3-933471-12-5


Links (deutsch):

http://www.berlin-judentum.de/rabbiner/jonas.htm

http://www.hagalil.com/bet-debora/journal/klapheck.htm

http://www.hagalil.com/buch/campus/jonas.htm

http://www.lomdim.de/md2001/042001md05.html

http://www.talmud.de/rabjon.htm

http://www.scheinschlagonline.de/archiv/2001/03_2001/texte/14.html

http://www.luise-berlin.de/Lesezei/Blz01_02/text65.htm

http://www.aviva-berlin.de/aviva/content_Juedisches%20Leben.php?id=5038

http://www.jcrelations.net/de/?id=881

http://www.talmud.de/shmakol.htm


International:

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