Josep (José) Renau (eigtl. Josep Renau Berenguer)
Maler, Grafiker und Fotomontagekünstler
Geb. 17.05. 1907 in Valencia/ Spanien
Gest. 11.10. 1982 in Berlin/ DDR
“Ich male nicht für das Zentralkomitee, ich male nicht für die Partei, ich male nicht für die Kunstkritiker, sondern ich male für die Leute, die sich nicht für Malerei interessieren. (…) Damit die Leute heute Kunst zu sehen bekommen, müssen sie in ein Museum, eine Galerie oder eine Ausstellung gehen, aber das ist nach meiner Ansicht falsch, denn die Kunst muss zum Menschen kommen, in jedes Haus, ohne zu fragen!“*)
Bei seinem Vater, einem Maler und Restaurator, erhält er den ersten Unterricht, studiert von 1919 bis 1925 an der Kunsthochschule San Carlos in Valencia und arbeitet anschließend zunächst als Grafikdesigner. In den Jahren 1932 bis 1939 ist der überzeugte Kommunist Professor an der Kunsthochschule seiner Geburtsstadt, fertigt Wandbilder und Fotomontagen und gibt daneben die Zeitschrift “Nueva Cultura“ heraus, deren Titelbilder er auch selbst gestaltet. Während des Spanischen Bürgerkrieges in den 30er Jahren steht der Maler und Grafiker auf Seiten der Republikanischen Truppen, für die er auch im Geiste des Agitprop Propagandamaterial entwirft. 1937 organisiert er den Pavillon der Republik auf der Weltausstellung in Paris und ist derjenige, der Pablo Picasso mit der Anfertigung des Bildes “Guernica“ beauftragt, das zum Inbegriff der Leiden Spaniens in der Zeit des Bürgerkrieges werden und an die Zerstörung der baskischen Stadt Guernica durch die nationalsozialistische Legion Condor am 26. April 1937 erinnern soll (Picassos weltberühmtes Gemälde verbringt nach seiner Fertigstellung ebenfalls viele Jahrzehnte im Exil und kommt erst 1981 nach Spanien, wo es seitdem im “Museo Reina Sofía“ in Madrid zu besichtigen ist).
Renau, der durch seine Funktion als politischer Kommissar im spanischen Bürgerkrieg nach dem Sieg der Franco-Truppen äußerst gefährdet ist, flieht ins benachbarte Frankreich, wird hier, wie zahlreiche andere Spanienkämpfer, im südfranzösischen Lager Argelès-sur-Mer interniert und entkommt 1939 einem gegen ihn verhängten Todesurteil durch die Flucht nach Mexiko. Hier verdient er seinen Lebensunterhalt zunächst als Gestalter von Filmplakaten, bevor er sich auf die Produktion von weiterhin politisch eingefärbten Wandgemälden und Fotomontagen verlegt, eine Tätigkeit, bei der er mit zahlreichen Exilanten und mexikanischen Künstlern kooperiert. 1949 beginnt er die Arbeit an seinem Fotomontagewerk “The American Way of Life“, einer kritischen Auseinandersetzung mit der US-amerikanischen Lebensweise und, nach eigener Aussage, auch und vor allem beeinflusst von {ln:Heartfield, John ‚John Heartfield}. Anlässlich der 37. Kunst-Biennale in Venedig wird Renaus Zyklus 1976 im spanischen Pavillon gezeigt.
Auf Einladung der Regierung übersiedelt Josep Renau am 1. März 1958 in die DDR. Neben seiner Arbeit an dem Fotomontagewerk “Über Deutschland“ ist er für Zeitschriften wie das Satiremagazin “Eulenspiegel“ und “Poesiealbum“ tätig, gestaltet Wandgemälde für Wohnblocks und Trickfilme fürs Fernsehen. Als Leiter eines Mal- und Zeichenzirkels in seinem Berliner Haus wird Renau auch und vor allem in den 70er Jahren zum Inspirator von Künstlern der jüngeren Generation. Als eine der wenigen öffentlichen Auftragsarbeiten entsteht aus seiner Hand in den Jahren 1979-1983 das großformatige Wandmosaik “Beziehung des Menschen zu Natur und Technik“ des Kulturzentrums in Erfurt. 2008 unter Denkmalschutz gestellt, muss es im Folgejahr wegen Abbruch des Gebäudes demontiert und bis zur Neuinstallation 2016 zwischengelagert werden. Im Frühjahr 2017 erinnert eine Ausstellung im Grafikkabinett des Angermuseums Erfurt an die Entstehungsgeschichte, Abnahme und Neuanbringung von Josep Renaus Wandmosaik.
Nach Francos Tod 1975 findet seine Kunst endlich auch in Spanien Anerkennung. 1976 zieht es ihn in seine Geburtsheimat zurück, wo er in der Folgezeit Ausstellungen seiner Werke organisiert und Bücher herausgibt. Im Alter von 75 Jahren verstirbt er während einer Reise in einem Ost-Berliner Krankenhaus.
Quellen:
*) Das Eingangszitat von Josep Renau aus dem Jahr 1980 wurde der folgenden website entnommen: {ln:nw:http://www.wuestenrot-stiftung.de/mosaik-aussenwandbild-der-mensch-in-beziehung-zu-natur-und-technik-von-josep-renau-in-erfurt/ }
{ln:nw:https://de.wikipedia.org/wiki/Josep_Renau }
{ln:nw:https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/wer-war-wer-in-der-ddr-%2363%3b-1424.html?ID=2807 }
{ln:nw:http://www.spanien-kultur.de/Ausstellung-Josep-Renau-und-sein-Erfurter-Wandbild-06-04-28-05-17 }
Links (deutsch):
{ln:nw:https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=119433753 }
{ln:nw:http://www.focus.de/regional/erfurt/kunst-wandmosaik-von-josep-renau-soll-ende-2016-wieder-zu-sehen-sein_id_4347435.html }
{ln:nw:http://m.otz.de/startseite/detail/-/specific/Ausstellung-im-Angermuseum-Josep-Renau-und-sein-Erfurter-Wandbild-142415290 }
International:
{ln:nw:http://www.uv.es/cultura/c/docs/expitijoseprenaucast.htm }
{ln:nw:http://agroicultura.com/general/un-mural-de-renau-en-erfurt-reconstruido-por-la-fundacion-wustenrot/ }
{ln:nw:http://www.museoreinasofia.es/coleccion/autor/renau-josep }
{ln:nw:https://www.creativereview.co.uk/the-american-way-of-life-by-josep-renau/ }
{ln:nw:http://cultura.elpais.com/cultura/2017/04/11/actualidad/1491933940_365005.html }
{ln:nw:https://apps.carleton.edu/politicalgraphics/artists/renau/ }
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