Jean Renoir (“Le patron“)
Filmregisseur, Drehbuchautor, Schauspieler und Autor
Geb. 15.09. 1894 in Paris/ Frankreich
Gest. 12.02. 1979 in Beverly Hills (Cal.)/ USA
“Genau das ist für mich ein guter Film: das Streicheln des Laubs, wenn ich mit einem Freund eine Bootsfahrt mache.“ *)
“Der Keramiker stellt sich eine Vase vor, macht sie, glasiert sie, brennt sie. Und nimmt nach ein paar Stunden etwas aus dem Ofen, was ganz anders aussieht als seine Vorstellung … wie der Film.“ **)
Montmartre, die höchste natürliche Erhebung der französischen Hauptstadt, gelegen im Norden von Paris und ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert künstlerische wie literarische Hochburg der Seine-Metropole, ist Geburtsheimat von Jean Renoir, zweiter Sohn des berühmten Malers Pierre-Auguste Renoir. Seine Kindheit verbringt er allerdings überwiegend in Südfrankreich, wo Jeans Familie immer wieder zum Modell des malenden Vaters wird. Auguste Renoir ist zu diesem Zeitpunkt bereits ein anerkannter und auch finanziell erfolgreicher Künstler, so dass er dem Sohn eine ausgezeichnete Schulbildung zukommen lassen kann. Der Erste Weltkrieg wird für so viele junge Männer im damaligen Europa zum jähen Lebens-Wendepunkt. Jean Renoir meldet sich zur französischen Armee und lässt sich zum Flieger ausbilden. Seine Bein-Verwundung wird ihn ein Leben lang behindern.
Nach Kriegsende arbeitet er zunächst als Keramikkünstler, fühlt sich aber zunehmend von der Entwicklung des (damals noch Stumm)-Films angezogen, insbesondere von den Arbeiten eines D. W. Griffith und eines {ln:Chaplin, Charles ‚Charlie Chaplin}. 1924 führt der Autodidakt Jean Renoir dann zum ersten Mal selber Regie, und mit “La Grande Illusion“ (“Die große Illusion“) aus dem Jahr 1937 entsteht eine seiner bedeutendsten cineastischen Arbeiten, die in Nazi-Deutschland von Joseph Goebbels umgehend als französische Propaganda verboten wird, desgleichen von Benito Mussolini im faschistischen Italien (wo der Film kurz zuvor noch auf dem Filmfestival von Venedig ausgezeichnet worden ist). Mit “La Bête Humaine“ (“Bestie Mensch“), nach dem naturalistisch-sozialkritischen Roman von Émile Zola, folgt 1938 ein weiterer Erfolgsfilm, mit Jean Gabin in der Hauptrolle.
Mit Filmen wie „La Vie est à nous“ und „La Marseillaise“ dokumentiert Renoir sein Engagement für die französische Volksfront. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges tritt der Mittvierziger dem Filmservice der französischen Armee bei. Wenige Monate später marschiert im Frühjahr 1940 die Hitler-Wehrmacht in Frankreich ein. Jean Renoir emigriert in die Vereinigten Staaten, wo er von nun an in Hollywood sein neues berufliches Betätigungsfeld findet. 1943 ist er Produzent und Regisseur des antifaschistischen Propagandafilms “This Land Is Mine“, mit Maureen O’Hara und Charles Laughton in den Hauptrollen. Zwei Jahre liefert er mit “The Southerner“, einen Film, der von vielen als seine beste US-amerikanische Arbeit angesehen wird, gefolgt mit einer Nominierung für den Regie-Oscar. Gleichsam bedeutend, doch weniger bekannt sind “In den Sümpfen“ (1941) und “Tagebuch einer Kammerzofe“ (1946). Sein letzter in den Vereinigten Staaten gedrehter Film “Die Frau am Strand“ (1947) wird ein kommerzieller Misserfolg und bleibt auch bei der Kritik umstritten. Zur vielleicht bemerkenswertesten Produktion in Renoirs Spätzeit zählt der auf dem letzten Anwesen seines Vaters in Südfrankreich gedrehte Film “Le Déjeuner sur l’Herbe“ (“Das Frühstück im Grünen“) aus dem Jahr 1959. Im selben Jahr entsteht “Le Testament du Docteur Cordelier“ (“Das Testament des Dr. Cordelier“), gefolgt 1962 von “Le Caporal épinglé“ (“Der Korporal in der Schlinge“) und 1970 “Le Petit théâtre de Jean Renoir“
1964 wird mit Renoir einer der bedeutendsten Vertreter des Poetischen Realismus in die “American Academy of Arts and Sciences“ aufgenommen. 1975 erhält er einen Oscar für sein Lebenswerk, und im selben Jahr noch wird eine Jean Renoir-Retrospektive im National Film Theatre in London gezeigt. 1977 zeichnet die französische Regierung den Regisseur mit dem Kreuz der Ehrenlegion aus. Im Alter von 84 Jahren stirbt Jean Renoir im kalifornischen Berverly Hills infolge eines Herzanfalls. Sein Leichnam wird nach Frankreich überführt und im Familiengrab der Renoirs auf dem Friedhof von Essoyes beigesetzt.
Quellen:
*) **) Die beiden Eingangs-Zitate von Jean Renoir wurden der folgenden Website entnommen:
{ln:nw:http://www.zeit.de/1979/09/das-gleichgewicht-der-welt/seite-2 }
{ln:nw:https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Renoir }
{ln:nw:http://www.imdb.com/name/nm0719756/bio?ref_=nm_ov_bio_sm }
{ln:nw:http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40351271.html }
Links (deutsch):
{ln:nw:https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=118599747 }
{ln:nw:http://kultur-online.net/node/7543 }
International:
{ln:nw:http://www.filmref.com/directors/dirpages/renoir.html }
{ln:nw:https://en.wikipedia.org/wiki/Jean_Renoir }
{ln:nw:http://articles.latimes.com/1994-07-15/entertainment/ca-15822_1_jean-renoir }
{ln:nw:https://books.google.fr/books?id=vmMH_muqTycC&printsec=frontcover&dq=jean+renoir+interviews&hl=en&sa=X&ei=VryRUf3XKuLm4QSh-ICwBw&redir_esc=y#v=onepage&q=jean%20renoir%20interviews&f=false }
{ln:nw:http://www.lib.berkeley.edu/MRC/renoir.html }
{ln:nw:http://www.classicartfilms.com/directors-film-list/jean-renoir-films-and-movies }
{ln:nw:http://www.newyorker.com/culture/richard-brody/jean-renoir-in-america }
{ln:nw:http://www.wellesnet.com/jean-renoir-and-orson-welles-bad-previews-at-rko/ }
{ln:nw:http://www.wellesnet.com/thanksgiving-treat-orson-welles-on-jean-renoir/ }
{ln:nw:http://pastdaily.com/wp-content/uploads/2014/10/BBC-Jean-Renoir-Interview.mp3 }
{ln:nw:https://fr.wikipedia.org/wiki/Jean_Renoir }
{ln:nw:https://www.youtube.com/watch?v=69woK9y8oTQ }
{ln:nw:http://en.unifrance.org/directories/person/128285/jean-renoir}
{ln:nw:https://www.youtube.com/watch?v=f8dvzG1AswY }
{ln:nw:https://www.youtube.com/watch?v=hctrYzVYmfM }
{ln:nw:https://www.youtube.com/watch?v=c8t1_JLfHWo }
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