Henri Akoka
Klarinettist
Geb. 23.06. 1912 in Palikao/ Algerien
Gest. 22.11. 1976 in Frankreich
Er ist das zweite von sechs Kindern einer algerisch-jüdischen Familie mit Liebe zur Musik. Henris Vater, Abraham Akoka, hat sich als Autodidakt das Trompete-Spielen beigebracht und übersiedelt mit seiner Familie 1926 ins französische Ponthierry, um Henri und seinen Geschwistern eine bessere musikalische Ausbildung zu ermöglichen als im damals noch unter französischer Kolonialherrschaft stehenden nordafrikanischen Algerien. In Frankreich beginnt der 14jährige Henri in einer Band zu spielen, die in der Tapeten-Fabrik, in der sein Vater arbeitet auftritt, und komponiert Soundtracks für den (damals noch stummen) Film.
1935 schließt der gerade einmal 23jährige Musiker das Pariser Konservatorium mit einem ersten Preis im Fach Klarinette ab. Zu seinem Berufsbeginn wird das Radiosymphonie-Orchester des Straßburger Rundfunks, anschließend wechselt er zum Radio-Nationalorchester in Paris. Beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 wird Akoka zu einem Militär-Orchester in Verdun entsandt, wo er Étienne Pasquier und Olivier Messiaen begegnet. Nach dem Überfall Hitler-Deutschlands auf Frankreich im Juni 1940 werden alle drei Musiker von den Nazi-Besatzern verhaftet. In der Zeit, die sie darauf warten, in eine deutsches Gefangenenlager transportiert zu werden, spielt Akoka Messiaens Komposition “Abîme des Oiseaux“.
“Juni 1940, auf einem Feld bei Toul, westlich von Nancy: Nach der Niederlage Frankreichs hatten die Deutschen dort ‚Tausende von erschöpften, verratenen Soldaten wie in einem Fischernetz zusammen gepfercht‘, wie sich der Dichter Guy Bernard später erinnerte. Die Franzosen hausten unter freiem Himmel und warteten auf den Abtransport in die schlesischen Lager. Mitten in dem Trubel brachte der Klarinettist Henri Akoka unter freiem Himmel vor Tausenden von Mitgefangenen ein Solostück zur Uraufführung, das Olivier Messiaen im Lager für ihn geschrieben hatte. Der Cellist Régis Pasquier diente ihm als Notenständer. Ab und zu geriet der Solist ins Stocken und Fluchen: „Das werde ich niemals können!“ Doch der Komponist beruhigte ihn: „Keine Bange, du wirst schon sehen.“ (Hier zitiert aus:
{ln:nw:https://www.kammermusikfuehrer.de/werke/1201})
Die Musiker kommen ins “Stalag VIII-A“ und treffen dort auf den Geiger Jean Le Boulaire. Und dieses Ensemble ist es, für das Olivier Messiaen sein berühmtes “ Quatuor pour la fin du temps“ komponiert, das im Januar 1941 im Lager erstaufgeführt wird. (Nach Ende des Krieges konstatiert Akoka, dass es dieses Quartett sei, das er als einzige Erinnerung an den Krieg zu behalten wünsche. Dennoch wird er diese Komposition niemals mehr aufführen) Seine Befreiung aus dem Lager wird von einem Wächter arrangiert, der auch falsche Papiere für Messiaen organisiert hat. Doch für Akoka misslingt die Flucht vorerst, weil er aufgrund seines “jüdischen Aussehens“ wieder vom Lastwagen heruntergeholt wird. Erst im zweiten Anlauf kann der Musiker, die Klarinette unter dem Arm, im April 1941 auf einen fahrenden Zug aufspringen. Er kehrt zum Rundfunk-National-Orchester zurück, das mittlerweile im nicht-besetzten Teil Frankreichs spielt. Im Alter von 64 Jahren erliegt Henri Akoka den Folgen einer schweren Erkrankung.
Quellen:
{ln:nw:https://en.wikipedia.org/wiki/Henri_Akoka }
{ln:nw:https://www.kammermusikfuehrer.de/werke/1201 }
{ln:nw:https://books.google.de/books?id=5zBeGrMJJf4C&pg=PA11&lpg=PA11&dq=Henri+Akoka&source=bl&ots=Hbuxg3Ryxr&sig=ROWSINGxDbT9NrvWV1yiccAugq0&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjJyJTXrPTRAhUF5xoKHb2VB2wQ6AEINTAI#v=onepage&q=Henri%20Akoka&f=false }
Links (deutsch):
{ln:nw:http://www.meetingpoint-music-messiaen.net/quartett-auf-das-ende-der-zeit/}
{ln:nw:http://www.wolfgang-fulda.de/texte/messiaen2/Quatour.html }
{ln:nw:http://www.goerlitzer-anzeiger.de/Tags/Henri+Akoka }
{ln:nw:https://www.nmz.de/online/messiaens-quartett-und-das-ende-der-zeit-im-zelt }
International:
{ln:nw:http://www.philharmonia.co.uk/sites/messiaen/music/quatuor.html }
{ln:nw:http://davidkrakauer.com/akoka/ }
{ln:nw:https://www.youtube.com/watch?v=whvdGq2CYxs }
{ln:nw:http://mondavi.ucdavis.edu/event/2013/akoka-end-time}
{ln:nw:https://sarahwallinhuff.com/wp-content/uploads/2005/09/messiaen.pdf }
For the End of Time: The Story of the Messiaen Quartet:
{ln:nw:https://books.google.de/books?id=5zBeGrMJJf4C&pg=PA11&lpg=PA11&dq=Henri+Akoka&source=bl&ots=Hbuyi2OCwo&sig=8nhd6lnCnnThp4FvBluFa86v7TQ&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwi17b2F9JbSAhVnCsAKHdF7CJ0Q6AEINjAI#v=onepage&q=Henri%20Akoka&f=false }
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