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Rosenthal, Hans Günter

H.A.M. 0

Hans Günter Rosenthal

Entertainer, Moderator, Regisseur und Abteilungsleiter Unterhaltung beim RIAS

Geb. 02.04. 1925 in Berlin

Gest. 10.02. 1987 ebenda

 

Geboren im Wedding, wächst der Sohn einer jüdischen Familie in Berlin-Prenzlauer Berg auf und besucht hier die Volksschule sowie anschließend die jüdische Mittelschule. Bereits das Kind erlebt die antisemitischen Ausschreitungen nach der “Machtübergabe“ an die Nationalsozialisten 1933. Sein Vater stirbt, als Hans Rosenthal gerade einmal zwölf Jahre alt ist, die Mutter erliegt 1941 einem Krebsleiden. Zusammen mit seinem sieben Jahre jüngeren Bruder Gert kommt er in ein Waisenhaus und erhält dort auch  von den Nazis den Zusatz-Namen “Israel“, den von nun an alle männlichen Juden zu tragen haben. Am 19. Oktober 1942 wird Rosenthals Bruder mit einem Osttransport ins Ghetto Riga deportiert und findet später im KZ Majdanek den Tod. Auch weitere Familienangehörige werden Opfer des Holocaust – Hans Rosenthal überlebt.

 

Ab 1940 zur Zwangsarbeit herangezogen, schuftet der Jugendliche zuerst als Totengräber in Neuendorf im Sande (bei Fürstenwalde an der Spree) sowie als Akkordarbeiter in einer Blechemballagen-Fabrik in Berlin-Weißensee und Torgelow. Am 27. März 1943 taucht Hans Rosenthal in der Kleingartenanlage “Dreieinigkeit“ in Berlin-Lichtenberg unter, versteckt, versorgt und unterstützt von (nichtjüdischen) Frauen. Ein kleiner Radioempfänger in seinem hühnerstallgroßen Versteck in der Laubenkolonie wird für ihn in dieser Zeit zur Verbindung mit der Außenwelt – und womöglich ist es eben auch diese Erfahrung, die Hans Rosenthals späteren Berufsweg vorzeichnet.

 

“Gegen Ende des Krieges, als fast jede Nacht die Bomber ihre tödliche Fracht über Berlin abwerfen, wagt sich Hans Rosenthal aus seinem Versteck. In der Dunkelheit rennt der Junge nun durch die menschenleere Kolonie, legt sich auf den Rasen, blickt in den Himmel, den die Flakscheinwerfer erhellen und über den die Bomber dröhnen, und sehnt sich das Kriegsende herbei. „Wenn die Sirenen erklangen mit ihrem auf- und abschwellenden Heulton der Luftwarnung, schlug mein Herz höher“, erinnert sich Rosenthal, „ich lag im Gras, verschränkte die Arme hinter meinem Kopf und sah hinauf in den Berliner Himmel. Da war das Leben fast schön.“ – Hier zitiert aus: {ln:nw:http://www.berliner-zeitung.de} /24997092 ©2017).

 

Nach der Befreiung 1945 absolviert er eine Ausbildung beim Berliner Rundfunk, wo er danach als Regieassistent arbeiten und das erste Hörspiel, Lessings “Nathan der Weise“, betreuen wird. Aufgrund von Dissonanzen mit den Aufsichtsgremien des Senders im sowjetischen Sektor Berlins übersiedelt Rosenthal drei Jahre später in den Westen und geht zum RIAS (“Rundfunk im amerikanischen Sektor“), wo er zunächst als Aufnahmeleiter und Unterhaltungsredakteur tätig ist. Hier beginnt schließlich auch Hans Rosenthals Karriere als Quizmaster von Unterhaltungssendungen im Hörfunk. Beim RIAS Berlin zeichnet er in den 1950er bis 1980er Jahren für diverse Rate- und Unterhaltungssendungen im Radio verantwortlich (deren Konzept auch meist aus seiner Feder stammt), darunter “Allein gegen alle“, “Wer fragt, gewinnt“, “Kleine Leute – große Klasse“, “Das klingende Sonntagsrätsel“, “Spaß muß sein“, “Opas Schlagerfestival“ (in Doppel-Conference mit Günter Neumann), “Da ist man sprachlos“, “Frag mich was“, “Die Rückblende“ und “Günter Neumann und seine Insulaner“ (anfangs als Aufnahmeleiter, später als Regisseur), “Spiel über Grenzen“ und im Fernsehen: “Gut gefragt ist halb gewonnen“, “Dalli Dalli sowie “Rate mal mit Rosenthal“, “KO OK“, “Alles mit Musik“, “Eins plus eins gegen zwei“, “Erinnern Sie sich noch?“, “Gefragt – Gewusst – Gewonnen“, “Mal seh’n, was uns blüht“, “Quizparade“, “Hans Rosenthal stellt vor“, “Zug um Zug“, “Bitte zur Kasse“ und “Das Schlagerfestival der 20er Jahre“ (in Doppelconference abwechselnd mit Axel von Ambesser und Theo Lingen) im ZDF. Nach einem Jahr als  Unterhaltungschef bei der Bavaria Film (1960) wird Hans Rosenthal 1962  Abteilungsleiter Unterhaltung beim RIAS. Im Jahr 1983 wagt er das scheinbar Unmögliche und verarbeitet in der ARD-Show “Das gibt’s nur einmal – Noten, die verboten wurden“, die Zeit des Nationalsozialismus in einer Unterhaltungssendung. Rosenthals Schluss-Conference von damals lautet: “Vor 50 Jahren fing alles an, und wir alle können nur hoffen, dass diese Vergangenheit keine Zukunft hat!“

 

Im Gegensatz zu den Kritikerstimmen kommt er beim Fernseh- und Radiopublikum nach wie vor gut an und wird nicht zuletzt mit seinem – dank Fernsehtricktechnik kurz eingefrorenen – Luftsprung berühmt, der danach zu Rosenthals ZDF-Markenzeichen wird. Obgleich überwiegend im deutschsprachigen Raum aktiv, produziert er auch einige seiner Quiz-Sendungen im europäischen Ausland. Eine von ihm geplante Sendung in Israel kommt allerdings nicht mehr zustande: Im Alter von nur 61 Jahren verstirbt Hans Rosenthal (seit den 1960er Jahren engagiert im Zentralrat der Juden, in der jüdischen Gemeinde zu Berlin sowie in diversen sozialen Projekten), einer der erfolgreichsten Showmaster der deutschen Nachkriegszeit, in seiner Geburtsstadt an der Spree und findet in einem Ehrengrab des Landes Berlin auf dem Jüdischen Friedhof Heerstraße seine letzte Ruhe.

 

Anlässlich seines Todes wird nach einer Idee des Quizmasters die “Hans-Rosenthal-Stiftung“ gegründet. “In Würdigung seiner Person und zur Erinnerung an sein Werk und Schicksal hat es die Stiftung sich seit 1987 zur Aufgabe gesetzt, Menschen zu unterstützen, die infolge ihres körperlichen, geistigen oder seelischen Zustandes auf die Hilfe anderer angewiesen sind oder bei denen eine wirtschaftliche Notlage besteht.“ (Hier zitiert aus: {ln:nw:http://hans-rosenthal-stiftung.de/die-stiftung/})

 

Zwei der von ihm begründeten Hörfunksendungen werden Hans Rosenthal noch um Jahrzehnte überleben und laufen regelmäßig bei DeutschlandRadio Kultur: “Sonntagsrätsel“ (früher: “Das klingende Sonntagsrätsel“) sowie das Städtequiz “Allein gegen Alle“, das im Rahmen der Reihe “Aus den Archiven“ einmal im Monat ausgestrahlt wird.

 

Quellen:

{ln:nw:https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Rosenthal }

{ln:nw:http://steffi-line.de/archiv_text/nost_buehne2/01tv_rosenthal.htm }

{ln:nw:http://www.berliner-zeitung.de/berlin/ns-zeit-wie-hans-rosenthal-als-kind-in-einem-berliner-schrebergarten-ueberlebte-24997092-seite2 }

{ln:nw:http://www.deutschlandfunk.de/juedische-medienmacher-im-nachkriegsdeutschland-holocaust.1148.de.html?dram:article_id=380836 }

{ln:nw:http://www.whoswho.de/bio/hans-rosenthal.html }

{ln:nw:http://hans-rosenthal-stiftung.de/die-stiftung/ }

 

Links (deutsch):

{ln:nw:https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=118602764 }

{ln:nw:http://www.tagesspiegel.de/medien/showmaster-aus-berlin-vor-30-jahren-starb-hans-rosenthal/19371978.html }

film{ln:nw:https://www.youtube.com/watch?v=y8sKHHGRXqw }

{ln:nw:http://www.sueddeutsche.de/medien/vor-jahren-starb-entertainer-hans-rosenthal-sie-finden-das-war-spitze-1.1278747 }

 

International:

{ln:nw:http://www.imdb.com/name/nm0742759/bio?ref_=nm_ov_bio_sm }

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