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Brenner, Hedwig

H.A.M. 0

Hedwig Brenner

Schriftstellerin und Lexikografin

Geb. 27.09. 1918 in Czernowitz/ Österreich-Ungarn

 

Ihre Mutter ist Lehrerin, der Vater Rechtsanwalt. Als Hedwig geboren wird, gehört Czernowitz noch zur k.u.k.-Monarchie, ihre Kindheitstage verlebt sie dann bereits in einer Bukowina, die nach Ende des Ersten Weltkrieges dem damaligen Königreich Rumänien angegliedert wird. Als Zehnjährige verliert sie den Vater und wird fortan von Mutter und Großmutter erzogen. Sie macht das Abitur und immatrikuliert sich an der Universität Wien für das Studium der Kunstgeschichte.

 

Im März 1938 wird Österreich an Hitler-Deutschland “angeschlossen“. Infolgedessen muss auch die jüdische Studentin Hedwig Langhaus die Wiener Hochschule wieder verlassen und kehrt in ihre Geburtsstadt Czernowitz zurück. Hier wird die junge Frau in der Folgezeit Augenzeugin der politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen jener Tage, nicht zuletzt zwischen Nazi-Deutschland und der Sowjetunion. Die politischen Umwälzungen berühren die seit 1939 mit dem Ingenieur Gottfried Brenner verheiratete Hedwig aber auch ganz privat: Verwandte des mittlerweile im Petrolgebiet, unweit von Bukarest, wohnenden Ehepaares werden nach Sibirien deportiert, andere verlassen das Land Richtung Westen, flüchten nach Großbritannien oder in die USA. Hedwig Brenner und ihr Mann kommen ins Czernowitzer Ghetto, aber beide überleben die Gräuel der Nazis und wandern 1945 nach Rumänien aus, wiederum ins Petrolgebiet nach Ploiești, wo Gottfried Brenner bis zu seiner Pensionierung arbeitet.

 

Nach Kriegsende besucht die zweifache Mutter eine Krankenpflege-Schule des Rumänischen Roten Kreuzes, belegt Kurse an einem anatomisch-pathologischen Institut in Bukarest und arbeitet über Jahre hinweg als Physiotherapeutin. Die Sehnsucht der Eheleute gilt aber auch seit langem schon dem Woanders, doch ihre zahlreichen Ausreiseanträge werden immer wieder abschlägig beschieden. Erst 1982 erteilen die Behörden die Erlaubnis zur Ausreise. Hedwig Brenner und ihre Familie übersiedeln nach Israel. Und hier erst nimmt auch die Karriere der fast Mitte 60erIn als Schriftstellerin und Lexikografin ihren Anfang.

 

In Israel beginnt Hedwig Brenner, die Lebensdaten und Lebensgeschichten zahlreicher jüdischer bildender Künstlerinnen weltweit zu recherchieren, zu sammeln und zu dokumentieren. Sie will damit „vielen vergessenen Künstlerinnen ihren Namen und ihre Biografie zurückgeben“. Neben der unaufhaltsamen Recherche an ihrem lexikografischen Werk wird auch die Liebe zu ihrer Geburtsstadt in der Bukowina zur Antriebskraft für ein Buch, das 2010 unter dem Titel “Mein altes Czernowitz – Erinnerungen aus mehr als neun Jahrzehnten. 1918-2010“ erscheint und die vielfältige Geschichte jener Stadt über fast ein Jahrhundert hinweg spiegelt, die Heimat und Sehnsuchtsort von so vielen Intellektuellen, Künstlern und Schriftstellern ist, unter ihnen {ln:Celan, Paul ‚Paul Celan}, {ln:Meerbaum-Eisinger, Selma ‚Selma Meerbaum-Eisinger}, {ln:Burg, Josef ‚Josef Burg}, {ln:Ausländer, Rose ‚Rose Ausländer}, {ln:Shmueli, Ilana ‚Ilana Shmueli}, {ln:Blum, Klara ‚Klara Blum} und {ln:Chargaff, Erwin ‚Erwin Chargaff}, seines Zeichens Schriftsteller und Biochemiker von Weltruf.

 

Zu Hedwig Brenners vielseitigem Schaffen bis ins hohe Alter gehören neben ihrem lexikalischen Hauptwerk und der Czernowitz-Dokumentation u.a. auch  Feuilletons, Essays und Lyrik in deutscher und rumänischer Sprache. Seit Juni 2015 arbeitet sie an ihrem neuen biographischen Projekt, einem Lexikon über Tänzerinnen, Schauspielerinnen (Film, Theater), Komponistinnen und Musikerinnen jüdischer Herkunft.

 

Bücher von Hedwig Brenner:

“Mein altes Czernowitz. Erinnerungen aus mehr als neun Jahrzehnten. 1918-2010“. Hartung-Gorre Verlag Konstanz 2010, ISBN 978-3-86628-320-6

“Leas Fluch – Eine Familiengeschichte – ein Zeitdokument 1840 – 2003“ und “Mein 20. Jahrhundert“, munda verlag  Brugg/Schweiz, 2005 und 2006.

“Jüdische Frauen in der bildenden Kunst – Ein biographisches Verzeichnis“, (Fünf Bände), Hartung-Gorre Verlag, Konstanz

 

Sonstiges:

Christel Wollmann-Fiedler: “Czernowitz ist meine Heimat“ – Gespräche mit der Zeitzeugin Hedwig Brenner, munda-Verlag, Brugg/ Schweiz, 2009

 

Quellen:

{ln:nw:https://de.wikipedia.org/wiki/Hedwig_Brenner }

{ln:nw:http://www.czernowitz.de/106/Mein%20altes%20Czernowitz-0.html }

 

Links (deutsch):

{ln:nw:https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=115856315 }

{ln:nw:http://www.hartung-gorre.de/Hedwig_Brenner.htm }

{ln:nw:http://www.bjt2006.org/CWF_Rezension_4813.pdf }

{ln:nw:http://www.wollmann-fiedler.de/docs/czernowitz-Buch.pdf }

film{ln:nw:https://www.youtube.com/watch?v=R2DpngSr5H4 }

{ln:nw:http://oe1.orf.at/artikel/212206 }

{ln:nw:http://david.juden.at/buchbesprechungen/71-75/71-adunka2.htm }

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