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Gross, Babette

H.A.M. 0

Babette Gross

Publizistin

 

Geb. 16.7.1898 in Potsdam

Gest. 8.2.1990 in Berlin


„Die Psyche des Mörders“ heißt ein Buch von Isaac Don Levine. Übersetzt aus dem Englischen ins Deutsche wurde es von der ehemaligen Kommunistin Babette Gross, Schwester von Margarete Buber-Neumann. Levine war in Russland geboren und ein glühender Antikommunist in Amerika. Dass die Schwestern Kommunistinnen werden würden, war ihnen an der Wiege nicht gesungen worden. Sie kamen aus bürgerlichem Haus. Ihr Vater war Brauereidirektor in Potsdam. Das Buch, das Babette Gross übersetzt hatte, war auch kein Kriminalroman. der Untertitel sagt alles: „Der Mann, der Trotzki tötete“. Leo Trotzki war auf Befehl des sowjetischen Diktators Josef Stalin im mexikanischen Exil ermordet worden.


Bis 1939 war Babette Geschäftsführerin des Neuen Deutschen Verlags und nach dem Krieg Mitbegründerin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Als zeitweise Lebensgefährtin des einflussreichen kommunistischen Verlegers und Filmproduzenten Willi Münzenberg hat sie u.a. dessen Biographie verfasst.


Doch die spätere Kommunistin hatte ab 1915,  nach dem Abi auf dem Oberlyzeum in Potsdam, einer Mädchenschule, zunächst auf einem Schloss in Schlesien gearbeitet. Als „Gouvernante“ bei einem Enkel des deutschen Kaisers. Nach ihrem Examen als Lehrerin ging sie 1919 nach Berlin. Wo sie bald schon Mitglied der KPD wurde, der Kommunistischen Partei Deutschlands.

Kurz und heftig war ihre Ehe mit dem Schriftsteller Fritz Gross, als sie Wilhelm Münzenberg kennen und lieben lernte. Ab 1922 arbeitete sie im Büro der Internationalen Arbeiterhilfe bevor sie 1925 Geschäftsführerin in Münzenbergs „Neuen Deutschen Verlag“ wurde. Mit Wilhelm Münzenberg floh Babette Gross 1933 nach Paris. Die Nazis verurteilten die Flüchtlinge in Abwesenheit zum Tode. Im französischen Exil gründete Münzenberg seinen neuen Verlag „Éditions du Carrefour“ mit Babette Gross als Leiterin. Zugleich versuchte sie durch Gründung der „Genossenschaft Universum-Bücherei“ in der Schweiz für ein Fortbestehen der „Universum Bücherei für Alle“ zu sorgen.


Mit der Kommunistischen Partei erging es Babette Gross ähnlich wie ihrer Schwester Margarete Buber-Neumann: 1937 trat Babette aus der KPD aus. Grund waren die zunehmenden ideologischen Differenzen Münzenbergs mit der Komintern. Zu jener Zeit zeichnete sich die Annäherung zwischen Teufel Hitler und Beelzebub Stalin ab, während die Kommunisten im westlichen und sowjetischen Exil unterschiedliche Auffassungen über den weiteren Weg waren.


Nach der Befreiung veröffentlichte sie in Westdeutschland Bücher wie das über den Mord an Trotzki oder den Weg der Kommunistischen Partei Frankreichs. Wie ihre Schwester war auch sie längst vom Wert der Demokratie überzeugt.


Veröffentlichungen:

  • Babette Gross: Willi Münzenberg. Eine politische Biographie. 352 S. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1967.
  • Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Nummer 14/15. Mit einem Vorwort von Arthur Koestler; Babette Gross: Frankreichs Weg zum Kommunismus. 112 S. Neptun-Verlag, Kreuzlingen 1971;
  • Übersetzung: Isaac Don Levine: Die Psyche des Mördes. Der Mann, der Trotzki tötete. Europa Verlag, Wien 1970.

Autor:

Hajo Jahn

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