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Glaser, Georg K.

H.A.M. 0

Georg K. Glaser
deutschsprachiger Schriftsteller

Geboren am 30.Mai 1910 in Guntersblum (Rheinland-Pfalz)
Gestorben am 18. Januar 1995 in Paris/Frankreich


Als die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft 1994 ihr zweites, ehrenamtlich organisiertes Forum durchführte, geschah das unter dem Titel „Exil ohne Ende“ aus Anlass des 60jährigen Bestehens des so genannten „Exil-PEN“. Der war 1934 in Paris gegründet worden und hat seinen Sitz später nach London verlegt. Von dort war sein damaliger Präsident Fritz Beer angereist. Aus Paris kam Georg K. Glaser. Beide leben heute nicht mehr und mit ihnen eine Reihe weiterer Teilnehmer, darunter Peter Fürst, USA. Sie alle unterstützten uns in dem Bemühen, ein Zentrum der verfolgten Dichter und Künstler einzurichten, wohl wissend, dass sie als Zeitzeugen eine solche Einrichtung vielleicht nie erleben würden. Menschen wie ihnen ist auch dieses virtuelle Zentrum gewidmet, denn mit ihnen hat die Vertreibung der Besten der Besten aus Deutschland und dem von den Nazis und Faschisten beherrschten Europa begonnen. Sie wurden Mitglieder der ELS-Gesellschaft, die mehr als zehn Jahre brauchte, um das gemeinsame Ziel in ersten Schritten zu erreichen.


Georg K. Glaser war der Sohn eines Handwerkers und späteren Postbeamten: Ein autoritärer, prügelnder Knochen, um in der rauen Sprache des Schriftstellers Glaser zu bleiben. Der Junge wuchs im rheinhessischen Dolgesheim auf, besuchte die Volksschule in Worms, rebellierte gegen seinen unbarmherzigen Vater, landete in Erziehungsheimen, später bei anarchistischen und kommunistischen Jugendorganisationen. Wegen „Landfriedensbruch“ wurde der Aufmüpfige 1929 fast zwangsläufig verhaftet.


Möglicherweise war das der letzte Auslöser für seine ersten Veröffentlichungen, etwa als Gerichtsreporter für die Kommunistische Partei, später für die „Frankfurter Zeitung“. Doch das deckte kaum das Existenzminimum, so dass er als Fabrikarbeiter Geld verdienen musste.


Nach dem Machtantritt der Nazis war Glaser vom französisch verwalteten Saarland aus – Folge des Ersten Weltkriegs – im Widerstand, bis er 1935 erneut inhaftiert wurde. Nach seiner Flucht über die Grenze arbeitete er in der Normandie bei den französischen Staatsbahnen. Durch Heirat war er Staatsbürger der „Grand Nation“ geworden. Als solcher muß er als Soldat gegen sein einstiges „Vaterland“ kämpfen, gerät in deutsche Gefangenschaft, kann sich befreien, um erneut gefasst und in Lagerhaft genommen zu werden – Stoff für ganze Romane gibt dieses Leben her. Auch danach: Der arbeitet in verschiedenen französischen Industriebetrieben, gründet eine Silberschmiede und fügte seinem Namen das K. für „Kreuz“ und im Andenken an seine Mutter Katharina hinzu.


Dieses Schicksal hat ihn geprägt. Es war sein Kreuz und Erfolg zugleich als großer, aber fast vergessener Chronist des 20. Jahrhunderts. Seine Sprache – gemildert durch die Schönheit des Französischen, in dem er nunmehr publiziert –  ist nicht die glatte, gefällige Schreibweise der großen deutschen Romanciers dieser Zeit, sondern ist so wie sein Leben.


Beispiel gefällig?: „Die Schweine werden ihm jetzt sicher ein Jahr aufbrummen. Pah, das wird er auf einer Arschbacke absitzen.“ Seine Protagonisten sind keine Helden, tragen sperrige Namen wie Gurke, Henker, Otter. Die große Schriftstellerin Anna Seghers schätzte Glaser, aber eine literarische Karriere blieb ihm verwehrt. Sein „Geheimnisn und Gewalt“ ist ein autobiografischer Bericht, sein Buch „Schluckebier und andere Arbeiten aus dem Jahren1931-1936″ fulminanter Auftakt für die geplante Gesamtausgabe im Stroemfeld Verlag, Frankfurt.


Frankfreich ist ihm Heimat geworden, französische Schriftsteller wurden sein Freunde, schätzten seine Arbeiten, das erste Buch erschien in einem Schweizer Verlag. Georg K. Glaser war einer der wenigen Exilschriftsteller, die im Gastland  wirklich „zu Hause“ waren. Und ein eindrucksvoller Mensch.


Autor:

Hajo Jahn


Zu seinem Andenken vergeben der SWR und das rheinland-pfälzische Kulturministerium jährlich den Georg-K.-Glaser-Preis für Literatur.
Der Berliner Filmemacher Harun Farocki portraitierte Glaser 1988 in dem TV-Film Georg K. Glaser – Schriftsteller und Schmied.
In seinem Geburtsort Guntersblum ist mittlerweile eine Straße nach ihm benannt worden.


Werke:

Schluckebier, Berlin [u. a.] 1932, Neuauflage, hrsg. von Walter Fähnders und Helga Karrenbrock. Klaus Guhl, Berlin 1979 [Mit einer Vorbemerkung von Georg Glaser: Vorwort. An den möglichen Leser]
Schluckebier, Berlin [u. a.] 1932, Neuauflage (zugleich Band 1 der neuen von Michael Rohrwasser hrsg. Werk-Ausgabe), Frankfurt am Main und Basel 2007)
Geheimnis und Gewalt, Frankfurt am Main und Basel, 1989
Bd. 1 (1951), Bd. 2 (1951)
Die Geschichte des Weh, Hamburg [u. a.] 1968
Aus der Chronik der Rosengasse und andere kleine Arbeiten, Berlin [u. a.] 1985
Jenseits der Grenzen, Düsseldorf 1985
Marinus van der Lubbe , Drama (unveröffentlicht)


Literatur

Michael Rohrwasser (Hrsg.): Symposion, Georg K. Glaser – Einar Schleef. Frankfurt/Main 1989; Michael Rohrwasser: Georg Katharina Glaser: Die Partei und das Schreiben. In: Exil, Jg. 8 (1989), S. 65-84; Reinhard Fanslau: Georg Glaser. Leben und Werk. Magisterarbeit Universität Osnabrück 1989;Michael Rohrwasser: Der Stalinismus und die Renegaten. Die Literatur der Exkommunisten. Stuttgart 1991 (darin ein Kapitel über Glaser); Georg K. Glaser, Zeuge seiner Zeit, Schmied und Schriftsteller, Guntersblum 1910 – 1995 Paris. Basel 1997; Matthias Mader: Die Rhetorik der Entscheidung als strukturbildendes Element in „Geheimnis und Gewalt“ von Georg K. Glaser, Magisterarbeit Universität Mainz 2004; Michael Rohrwasser: Georg K. Glasers „Schluckebier“. In: Petra Josting und Walter Fähnders (Hrsg.): „Laboratorium Vielseitigkeit“. Zur Literatur der Weimarer Republik. Bielefeld 2005, ISBN 3-89528-546-3


Weblinks:

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