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Platek, Felka

H.A.M. 0

Felka Platek
Malerin

Geboren am 3. Januar 1899 in Warschau
Gestorben am 2. August 1944 in Auschwitz-Birkenau


felka_platek.png„Viel Furchtbares ist, doch nichts ist furchtbarer als der Mensch.“ Dieser Satz aus Sophokles Antigone könnte auch über dem tragischen Leben der Felka Platek stehen: Geboren in einem Ghetto, also einer Art Isolierzone, eingerichtet von Christen für Juden.  Ermordet in einem Konzentrationslager durch Menschen, die sich als „Herrenrasse“ wähnten. Zuvor, auf der Höhe ihrer Schaffenskraft, muss sie mit ihrem Mann fliehen, sich verstecken, und steht dabei im Schatten dieses übermächtigen Gatten, dem Maler Felix Nussbaum. Dem will, muss sie im Exil unter erbärmlichen Umständen auch noch Hausfrau sein. Ihre Kunst, von ihm ohnehin verhöhnt und persifliert, wird zur Nebensache.


Leben und Werk von Felix Nussbaum sind weitgehend erforscht. Felka Plateks gehört zur verschollenen Generation und verbrannten Künstlern. Ihre Biografie weißt bis jetzt viele leere Flecken auf. Noch im Tod steht sie im Schatten ihres Mannes, dem in seinem Geburtsort Osnabrück ein eigenes Museum gewidmet ist, das auch „etwa 30 Werke der Malerin aus den Jahren 1927 bis 1943“ besitzt, die einen „bescheidenen Überblick“ geben, „der allerdings eine endgültige Bewertung noch nicht erlaubt“, so ihre Biografin Inge Jaehner in der „Vernissage“-Ausgabe zur Felix Nussbaum-Sammlung. 


Geboren und gestorben ist sie in Polen. Dazwischen liegen als Lebensstationen Belgien und – zuvor –  das Land, das ihr, ihrem Mann und Millionen Menschen zum Verhängnis werden sollte, obwohl Felka Platek für ihre Karriere als Künstlerin große Hoffnungen in dieses Deutschland gesetzt hatte.  Die Tochter von Leon und Salome Platek, geb. Strumfeld, wollte raus aus dem Ghetto im Warschauer Getto. Geht nach Berlin, die Stadt, die für geistige und künstlerische Freiheit in der jungen Weimarer Republik steht, in der sich auch Frauen verwirklichen können.

Aber selbst im toleranten Berlin sind in den 1920er Jahren Kunstakademieplätze für Frauen rar. So studiert sie in den Priatateliers der Lewin-Funcke-Schule für Malerei und Plastik. Hier lernt sie Felix Nussbaum kennen. Einer ihrer Lehrer ist zeitweise der Maler Ludwig Meidner, der später ebenfalls ins Exil fliehen muss. Nussbaum kommt aus der niedersächsischen Provinz, braucht „in der Großstadt emotionalen Halt“ (Inge Jaehner). Seine großbürgerliche Familie sieht die Verbindung mit der  „Ostjüdin“, die auch noch fünf Jahre älter ist,  mit Missfallen. Die Liaison steht von Anfang an unter einem ungünstigen Stern: Beim Brand der gemeinsamen Atelierwohnung in der Xantener Straße 23 werden Bilder beider Künstler zerstört.


Auch ein Stipendium für Felix Nussbaum an der (deutschen)  Villa Massimo in Rom erweist sich nicht als Glücksfall: Er geht ungern, will nicht „südländische verkitschen“. Sie begleitet ihn ins von den meisten Künstlern geliebte Italien, lässt sich auch nicht beirren als ihr das gemeinsame Wohnen in der Villa verweigert wird. Aus dieser Zeit sind Gouachen erhalten, Landschafts- und Meeresbilder, Zeugnisse gemeinsamen Erlebens und Malens. Als Nussbaum nach einer möglicherweise antisemitisch verursachten Schlägerei aus Rom flüchten  muss, begleitet sie ihn über Frankreich nach Belgien und wird ihn bis zum gemeinsamen Tod nicht mehr verlassen. In Oostende, wo sich zahlreiche prominente Exilanten aus Deutschland treffen, lebt das Paar kümmerlich in Pensionen, kämpft mit Behörden um Aufenthaltsbewilligungen, vermisst die Reflexion auf seine künstlerische Arbeit. Sie malt Stillleben, die ihr kärgliches Umfeld spiegeln, Dinge des Exilalltags. Um die schmale Haushaltskasse aufzubessern, verkauft sie von ihr bemalte Tassen, Teller und Vasen – eine Notwendigkeit, „der sich auch Felix Nussbaum später nicht entziehen kann“ (Inge Jaehner).


Die Eheschließung 1937 ist vermutlich den schwierigen aufenthaltsrechtlichen Bedingungen im Exilland Belgien geschuldet. Was er von der bürgerlichen Institution hielt, hatte er mit einem Amor mit vor der Brust  verschränkten Armen schon 1930 mit den „Illustrationen eines Hochzeitsgedichts“ verdeutlicht. Als er – wie andere deutsche Künstler auch – im südfranzösischen St. Cyprien interniert wird, sorgt sie für den Lebensunterhalt durch Porträtbilder zahlungsfähiger Interessenten – im Nussbaum-Museum ist ihr „Porträt der Frau Etienne“ von 1940 zu sehen, aber auch eine karikierende Zeichnung von ihm, der inzwischen ins Brüsseler Versteck in die Rue Archimède zurückgekehrt ist. Aus der dortigen Mansarde führte die gemeinsame Verhaftung sie zusammen in die Gasöfen Auschwitz-Birkenau.


Autor:

Hajo Jahn


Das Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück, erbaut von dem amerikanischen Architekten Daniel Libeskind. besitzt mit zwei Ölgemälden und 28 Gouachen die größte Felka Platek-Sammlung, darunter Selbstporträts, Bildnis einer jungen Frau (1927), Stillleben mit Schnecken und Makrelen (um 1935), Porträt Frau Etienne (1940) und Bildnis des Nicolaas Cornelis Hogenes im Alter von zwei Jahren (1942).

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