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Boyle, Kay

H.A.M. 0

Kay Boyle
Schriftstellerin


Geb. 19.2. 1902 in St. Paul (Minnnes.)/ USA
Gest. 27. 12. 1992 in Mill Valley (Cal.)/ USA


Kay Bolye„Unsere tägliche Revolte richtete sich gegen den literarischen Dünkel, gegen eine langweilige, müde Rhetorik, gegen überholte literarische Konventionen. Wir nannten unseren Protest ‚die Revolution des Wortes‘, und es war zweifellos höchste Zeit für diese Revolution.“

(Kay Boyle)*


Kay Boyle verbringt ihre Kinderjahre an der Ostküste der Vereinigten Staaten: in Philadelphia, Atlantic City, Washington D.C. und den Pocono-Bergen von Pennsylvania und lernt auf Reisen mit ihrer Familie bereits in jungen Jahren Europa kennen. Später lassen sich die Boyles in Cincinnati/ Ohio nieder, wo Kay Architektur an der New Yorker Parson’s School of Fine and Applied Arts, Violine am Cincinnati Conservatory of Music studiert und sich nebenher ihren Lebensunterhalt als Telefonistin und Kassiererin verdient.


1922 heiratete sie den aus Frankreich stammenden Ingenieur Richard Brault und zieht ein Jahr später mit ihrem Mann nach Frankreich. Sehr bald gehört sie dem Freundeskreis um Samuel Beckett, William Carlos Williams, James Joyce, Archibald MacLeish, Hart Crane und Robert McAlmon – Gründer der Contact Press und Herausgeber der ersten Arbeiten von Ernest Hemingway und Gertrude Stein -, an.


Kay Boyles frühe Gedichte und Kurzgeschichten erscheinen neben Arbeiten von Ezra Pound, James Joyce, Gertrude Stein, Carl Sandburg und Ernest Hemmingway in Avantgarde-Literaturzeitschriften wie Poetry, Broom und This Quarter sowie in transition, jener 1927 von Eugene Jolas gegründeten internationalen Vierteljahreszeitschrift für kreative Experimente, die von 1927 bis 1938 in New York, London und Paris erscheint und zu deren regelmässigen Autoren u.a. Gottfried Benn, Hugo Ball, Kurt Schwitters, Lazlo Moholy-Nagy, Marcel Duchamp und Paul Klee gehören.


Vor dem Hintergrund von Faschismus und Nationalsozialismus in den dreissiger Jahren macht die Schriftstellerin Kay Boyle, die mittlerweile mit (ihrem zweiten) Mann und Kindern abwechselnd in Frankreich, England und Öasterreich lebt, die Gegenwartsgeschichte zu ihrem Thema und geht zu einem einfacheren, dem Leserpublikum besser verständlichen, Schreibstil über..


In Österreich wird Kay Boyle in den Jahren 1933 bis 1936 Augenzeugin der Ereignisse im benachbarten Deutschland und thematisiert den Nationalsozialismus, unter anderem in einer ihrer bekanntesten Kurzgeschichten The White Horses of Vienna. 1941 verläßt Kay Boyle mit ihrer Familie, mit der sie seit 1937 im französischen Mégève lebt, das kriegsgeschüttelte Europa und kehrt in die Vereinigten Staaten zurück. Nach der Scheidung von ihrem zweiten Mann, dem Schriftsteller und Maler Laurence Vail, heiratet Boyle 1943 den französischen Altphilologen Baron Joseph von Franckenstein, der Österreich kurz nach dem Anschluß 1938 verlassen hat und seitdem als Skilehrer und Hauslehrer der Boyle-Kinder arbeitet. In dieser Zeit veröffentlicht sie mit Primer for Combat (1942), Avalanche (1944) und A Frenchman Must Die (1946) eine Reihe von Romanen über die deutsche Besetzung Frankreichs und die Résistance und schreibt für diverse us-amerikanische Zeitungen.


1946 kehrt die Schriftstellerin und Journalistin als Auslandskorrespondentin für den New Yorker nach Europa zurück. Ihr Auftrag lautet, Erzählungen aus Deutschland zu schreiben. Kay Boyle weigert sich allerdings zunächst, in Deutschland zu leben und geht mit ihrer Familie nach Paris, von wo aus sie zu Recherchereisen nach Deutschland fährt. Erst im Mai 1948 übersiedelt sie mit ihren drei jüngsten Kindern ins hessische Marburg, wo ihr Mann für die Militärregierung arbeitet. Ende 1948 folgt ein weiterer Umzug, diesmal nach Frankfurt/ M., wo Joseph von Franckenstein mit Die neue Zeitung eine deutschsprachige Zeitung der Amerikaner herausgibt.


1953, mitten im Kalten Krieg, macht die Kommunistenhatz des US-Senators McCarthy auch vor hochdekorierten Kriegshelden keinen Halt und Joseph von Franckenstein wird von einem Konsulatsausschuß zu Fragen der Loyalität und Sicherheit verhört; Die Anklagen gegen Boyles Ehemann bleiben vage, allerdings werden die Menschenrechtsaktivitäten seiner Ehefrau und ihr schriftstellerisches Engagement wahrscheinlich mit zu seiner Vorladung beigetragen haben. Von Franckenstein wird von allen Anklagepunkten freigesprochen – kurz darauf jedoch entlassen und Kay Boyle die Akkreditierung durch den New Yorker entzogen.


Nach ihrer Rückkehr in die USA läßt sich die Familie in Connecticut nieder, Joseph von Franckenstein unterrichtet an einer Mädchenschule – die Schriftstellerin Kay Boyle, die sich politisch in diversen liberalen Bewegungen engagiert, findet ihren Namen auf einer Schwarzen Liste wieder und kann vorübergehend nicht weiter publizieren. Wie viele mißliebige amerikanische Intellektuelle jener Zeit – darunter Nazi-Gegner und Exilanten wie Bert Brecht und Albert Einstein, aber auch US-Amerikaner wie der Schauspieler, Sänger und Bürgerrechtler Paul Robeson, wird die Schriftstellerin Kay Boyle im Amerika der 50er Jahre der unamerikanischen Aktivitäten verdächtigt, überwacht und boykottiert.


 

Nach einem vorübergehenden Aufenthalt in Teheran, wo der mittlerweile rehabilitierte Joseph von Franckenstein als Kulturattaché tätig ist, kehrt das Paar wieder in die USA zurück, wo Kay Boyles Ehemann 1963 den Folgen einer schweren Krankheit erliegt. Sie selber lebt und arbeitet wieder als Schriftstellerin in den USA, unternimmt Reisen – u.a. nach Kambodscha und immer wieder: Irland, in ihre „geistige Heimat“ – und lehrt von 1963 bis 1979 kreatives Schreiben an der San Francisco State University.


Kay Boyles, deren literarischer Werdegang sieben Jahrzehnte umspannt, gehört zu den bemerkenswertesten und profiliertesten SchriftstellerInnen der Vereinnigten Staaten. Ihr Werk umfasst vierzehn Romane, acht Sammlungen von Kurzgeschichten, sieben Gedicht- und drei Essaybände sowie vier Kinderbücher.


Quelle:

*) Kay Boyle Der rauchende Berg. Geschichten aus Nachkriegsdeutschland. Aus dem Amerikanischen von Hannah Harders. Verlag Neue Kritik, Frankfurt/ M. 1991, ISBN 3-8015-0248-1, S. 249


Links (deutsch):

http://www.perlentaucher.de/autoren/4268.html

http://www.perlentaucher.de/buch/3822.html

http://www.antiquario.de/a_autoren/b/Boyle_Kay.html


International:

http://www.nndb.com/people/046/000047902

http://en.wikipedia.org/wiki/Kay_Boyle

http://www.nybooks.com/authors/2779

http://www.english.uiuc.edu/maps/poets/a_f/boyle/boyle.htm

http://odeo.com/show/download/73993/4/users.adelphia.net.scoot99.KayBoyleBlackBoy.mp3

http://www.bedfordstmartins.com/litlinks/fiction/boyle.htm

http://www.literaryhistory.com/20thC/Boyle.htm

http://www.marinwomen.org/boyle_bio.htm

http://www.catarchive.com/detailPages/650530.html

http://www.trussel.com/lyman/boyle.htm

http://www.lib.utexas.edu/taro/tturb/00152/00152-P.html

http://www.nndb.com/people/046/000047902

http://www.english.uiuc.edu/maps/poets/a_f/boyle/bio.htm

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