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Alsberg, Max

H.A.M. 0

Max Alsberg
Jurist und Autor


Geb. 1877 in Bonn
Gest. 11.9. 1933 In Samaden/ Schweiz


„Alles, woran ich hing, ist zusammengebrochen (…) Ich lebe nun einmal in der deutschen Jurisprudenz. Nichts hat mich so ausgefüllt, wie die Beschäftigung in ihr.“

(Max Alsberg)


Der Sohn eines Kaufmanns aus assimiliertem jüdischen Großstadtbürgertum tritt bereits in jungen Jahren aus der jüdischen Gemeinde aus. 1899 absolviert er sein erstes juristisches Staatsexamen nach Studien in München, Berlin, Leipzig und Bonn, wo Max Alsberg an der dortigen Friedrich-Wilhelms-Universität anschließend Assistent des renommierten Juristen Ernst Zitelmann wird. Obgleich ihm die Universität Bonn sogar direkt einen Lehrstuhl anbietet, zieht es der junge Jurist Alsberg vor, als Anwalt nach Berlin zu gehen.


Hier eröffnet der erst 29Jährige im November 1906 eine eigene Kanzlei, die in den 20er und 30er Jahren zum Anziehungspunkt für berühmte Strafverteidiger wie Hans Litten, Rudolf Olden, Paul Levy, Kurt Rosenfeld und Max Hirschberg wird. Max Alsberg selber ist der wahrscheinlich erfolgreichste unter ihnen: neben einem Lehrauftrag an der Berliner Universität, ist er seit 1931 Honorarprofessor, Mitglied im Kurtaorium für anwaltliche Fort- und Fachbildung und der Strafrechtlichen Vereinigung der Berliner Rechtsanwälte und daneben Autor zahlreicher Fachveröffentlichungen. Im Haus Alsberg trifft sich die damalige Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kunst


Der Jurist, für den die Verteidigung ein ethischer Auftrag ist, vertritt reaktionäre Gegner der Weimarer Republik ebenso wie Wirtschaftsmagnaten und – gemeinsam mit seinen Kollegen Olden, Rosenfeld und Apfel – im November 1931 den Herausgaber der Weltbühne, Carl von Ossietzky gegen den Vorwurf des Landesverrats. Anlaß ist ein Artikel aus dem März 1929 unter der Überschrift Windiges aus der deutschen Luftfahrt, in dem die als zivile Forschung getarnte militärische Wiederaufrüstung kritisiert wird. Für Max Alberg ist es der erste Prozeß gegen einen exponierten Vertreter der Linken und sowohl Prozeßverlauf als auch Höhe des Strafmaßes gegen den prominenten Pazifisten entsetzen den engagierten Juristen zutiefst.


Seine Erfahrungen als Anwalt verarbeitet Alsberg immer wieder auch künstlerisch und bringt am 9. März 1933 mit Konflikt sein zweites Theaterstück (nach Voruntersuchung, 1930) in Berlin auf die Bühne (1931 von Robert Siodmak unter dem selben Titel mit Albert Bassermann und Gustav Fröhlich verfilmt).

Kurz darauf kommt es zu ersten gravierenden Einschnitten für jüdische Juristen durch das nationalsozialistische Regime: zwar kann er als sogenannter Altanwalt, der seine Zulassung vor Beginn des Ersten Weltkrieges erhalten hat, zunächst Anwalt bleiben und fällt damit nicht unter das Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft vom 7. April 1933. Auch die Bemühungen der mittlerweile von den Nazis gleichgeschalteten Berliner Anwaltskammer, ihn wegen seiner Verteidigung im Weltbühne-Prozeß als Kommunisten zu denunzieren, scheitern vorerst.


Am 11. Mai 1933 jedoch lastet die Rechtsanwaltskammer Berlin auf einer Liste von noch zu entlassenen Anwälten Max Alsberg (diesmal unter Hinweis auf seine jüdische Abstammung mit dem Vermerk nicht-arisch) wiederum seine Verteidigung im Landesverratsprozeß Ossietzky an („Material: Zeitungsnachrichten“). Diesmal erfolgreich.


Kurz darauf, Ende März 1933, emigriert der renommierte Jurist über Baden-Baden in die Schweiz. Im Juli desselben Jahres geht er seines Notariats verlustig, da er nicht am Ersten Weltkrieg teilgenommen hat.

Zwei Monate später nimmt sich Max Alsberg in einem Sanatorium in der Nähe von St. Moritz das Leben.


Literatur:

Simone Ladwig-Winters: Anwalt ohne Recht. Das Schicksal jüdischer Rechtsanwälte in Berlin nach 1933. Berlin 1998

Curt Ries: Der Mann in der schwarzen Robe. Das Leben des Strafverteidigers Max Alsberg. Hamburg 1965


Quelle:

Max Alsberg. Starverteidiger der Weimarer Republik und homme de lettres, in: Zwischen Recht und Unrecht. Lebensläufe deutscher Juristen. Hrsg.: Justizministerium des Landes NRW, Düsseldorf 2004, S. 34ff.


Links (deutsch):

http://www.alsberg.de/MaxAlsberg/Biographisches/Jungfer_Mission.html

http://www.anwaltsgeschichte.de/MaxAlsberg.htm

http://www.forum-recht-online.de/2004/304/304scholle.htm

http://www.brak.de/anwalt-ohne-recht/ausstel3.htm


International:

http://www.brak.de/anwalt-ohne-recht/Panels_neu_1_12.pdf

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