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Hirsch, Helmut

H.A.M. 0

Helmut Hirsch (Pseud.: H. Bichette)
Historiker und Autor


Geb. 1907 in Barmen (heute: Wuppertal)
Gest. 21. Januar 2009 in Düsseldorf

„(…) bei der Demokratie kommt es nicht allein auf das Was an. Das Wie hat seine Bedeutung, weil man schlechte Männer oder Maßnahmen beseitigen kann, während schlechte Methoden einzureißen drohen.“

(Helmut Hirsch)*


Geboren als Sohn der Elberfelder Damenputzmacherin Hedwig Hirsch geb. Fleischhacker und des gebürtigen Berliner Kaufmanns Emil Hirsch, Solzialdemokrat, gehört Helmut Hirsch eine Zeit lang dem wichtigen jüdischen Wanderbund Blau-Weiss in Elberfeld (1) an. Ab 1928 studiert er in München Theaterwissenschaft, , 1929 in Berlin Zeitungskunde, 1930 in Bonn Philosophie, 1930-1932 in Leipzig Kunstgeschichte und Zeitungskunde. Die Diss. Karl Friedrich Köppen, der intimste Berliner Freund Marxen, kann 1933 aus politischen Gründen nicht eingereicht werden. Sie wird 1936 großenteils in Heft 1 der International Review for (sic) Social History, Leyden publiziert. Nach der NS-Machtergreifung flieht Hirsch ins noch freie Saargebiet. Das Ergebnis der Saar-Abstimmung vom 13. Januar 1935 veranlaßt seinen illegalen Grenzübertritt nach Straßburg. Seine Ehefrau Eva Buntenbroich-Hirsch ist ihrem Mann inzwischen nachgefolgt.


In Paris ist Helmut Hirsch als Beautragter der stärksten saarländischen Anti-Hitler-Zeitung, Westland, (Dr. Siegfried Thalheimer ist ihr Initiator und Chefredakteur) beim Quai d’Orsay akkreditiert und schreibt in dessen offizieller Zeitschrift L’Europe Nouvelle 1936 unter seinem Pseudonym H. Bichette den größeren Beitrag Les grèves en Allemagne (Die Streiks in Deutschland) nach einem kommunistischen Kommuniquée vom 3. Oktober 1936. Mitarbeit u.a. bei Recherchen fürs Braunbuch, an der Pariser Filiale des Int. Instituts für Sozialgeschichte, ab 1938 einziges Redaktionsmitglied der durch Thalheimer gegründeten und geleiteten Anti-Hitler-Halbmonatszeitschrift ORDO u. Sekretär des damit verbundenen Comité Juif d’Etudes Politiques.


Bei Kriegsausbruch 1939 wird Helmut Hirsch, wie alle deutschen Flüchtlinge, interniert – zuerst in Paris, danach im Lager Vierzon (Dept. Cher). Eva Hirsch gelangt ins Lager Gurs am Fuße der Pyrenäen, wo 1946 über 6.000 Frauen und Kinder u.a. unter Ungezieferplage leiden. 1940 wird Hirsch aufgrund eines bis dahin unbeachtet gebliebenen Gesetzes zur französischen Armee eingezogen und als Prestataire an die British Expeditionary Forces „ausgeliehen“ – bis zu deren Rückzug aus Dünkirchen.


Das Ehepaar schlägt sich durch bis ins noch unbesetzte Marseille. Intensive Bemühungen um ein Visum für die USA schlagen fehl: Eine Namensverwechslung ließ Hirsch als „auf der einen Seite eng mit den Nazis liiert“…, außerdem auch als „Mitglied der Kommunistischen Partei“ (2) erscheinen. Erst dank eines von Hubertus Prinz zu Löwenstein beschafften Notvisums gelangen die beiden Hitlergegner – wörtlich in letzter Minute – am 21. Juni 1941 nach New York.


Helmut Hirsch beginnt in Chicago als Lagerarbeiter in einem veralteten Warenhaus, Eva Hirsch hat schon von New York aus von Helena Rubinstein eine Anstellung als Fitness-Trainerin in der von Helenas Schwester Stelle geleiteten Chicagoer Filiale bekommen. Hirsch beendet sein in München begonnenes Studium mit dem Ph.D. der University of Chicago und einer Arbeit über The History of the Saar Territory, lehrt danach Europäische Geschichte am vom ihm mitgegründeten Chicagoer Roosevelt College (später: Roosevelt University).


Als 54Jähriger kehrt der Remigrant in seine bergische Heimat zurück. Er erfährt wenig Entgegenkommen. Ein Lehrstuhl an einer deutschen Universität bleibt ihm versagt. Das Land NRW bietet dank der Fürsprache von Johannes Rau dem Remigranten eine Möglichkeit, zu lehren: 1958-1971 an der Düsseldorfer Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie, 1972-1977 als Honorarprofessor für Politikwissenschaft an der neuen, bald Universität werdenden Gesamthochschule Duisburg.


Daneben widmet sich Helmut Hirsch intensiv seiner bereits in den USA begonnenen publizistischen Tätigkeit und macht sich mit Biographien und anderen Arbeiten zur deutschen Sozialgeschichte einen Namen. Seine eingehenden Studien über die Probleme des Saargebiets unter den verschiedenen nationalen bzw. internationalen Verwaltungen sowie zur Geschichte der Weimarer Republik genießen bedeutendes Ansehen. Die Vorkämpferinnen der Frauenemanzipation, Bettine von Arnim und Sophie von Hatzfeld, bekommen von ihm einfühlsame Lebensbeschreibunge. Seine Rosa- Luxemburg-Monographie wird mit bisher (Stand: 2006) 100.500 Exemplaren ein internationaler Bestseller.


Prof. Helmut HirschHirsch fühlt sich dem Bergischen Land und seiner Geschichte weiter eng verbunden. Sein Buch Freiheitsliebende Rheinländer versammelt biographische Studien z.B. über Friedrich Engels, Karl Marx, August Bebel und Ferdinand Lassalle. Im Herbst 1988 verleiht die Karl-Marx-Universität Leipzig Helmut Hirsch in Anerkennung seiner 1933 nicht mehr eingereichten Dissertation den Doktor Philosophiae. Die in den Medien weit beachtete feierliche Veranstaltung fand im Januar 1989 in Leipzig statt. Einem Freund von Heine, Engels/ Marx und Lincoln gilt eine 2002 erschienene Publikation über den Junghegelianer Karl Ludwig Bernays.


*) entnommen aus:

Helmut Hirsch: Onkel Sams Hütte.
Autobiographisches Garn eines
Asylanten in den USA. Mit einem
Geleitwort von Lew Kopelew,
Leipziger Universitätsverlag 1994.
ISBN 3-929031-55-8, S. 301


(1) „Quellenkundliches und Autobiographisches zum Jüdischen Wanderbund Blau-Weiss in Elberfeld. Aus eigenen Erinnerungen und Beziehungen“, in: Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins, 95. Bd., Jahrg. 1991/ 92, S. 145-176 – besonders S. 156, 164 u. 168.

(2) Deutsche Intellektuelle im Exil. Eine Ausstellung des Deutschen Exilarchivs 1933-1945 der Deutschen Bibliothek (1993)

Weitere Lit.:
– Deutschsprachige Exilliteratur seit 1933, Bd. 4 (1994)
– Albert H.V. Kraus: Die Freiheit ist unteilbar! Der Historiker
Helmut Hirsch (ISBN 3-00-012556-6, 2004)


Links (deutsch):

http://www.sopos.org/aufsaetze/3d2f0d7645fe7/1.phtml

http://www.berliner-lesezeichen.de/lesezei/Blz99_02/text01.htm

http://www.berliner-lesezeichen.de/lesezei/Blz01_01/text01.htm

http://www.luise-berlin.de/Lesezei/Blz98_01/text02.htm

http://news.duesselgo.de/index.php?action=show&type=story&id=15

http://www.antiquario.de/a_autoren/h/Hirsch_Helmut.html


International:


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