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Theodorakis, Mikis

H.A.M. 0

Mikis Theodorakis
Musiker und Komponist


Geb. 29.7.1925 auf der Insel Chios/ Griechenland


Mikis Theodorakis„Ich war getragen von der idealistischen Intention, kompositorisch auf die Gesellschaft einzuwirken. Ich habe noch geglaubt, wenn ich einen Eimer mit roter Farbe in einen See werfe, könnte er sich rot verfärben. Es bedarf aber der Anstrengung des Volkes selber. Aus dieser Erkenntnis heraus begann ich, mich politisch zu engagieren, ohne meine Identität als Künstler dabei aufzugeben. “

(Mikis Theodorakis)

 

 


Mikis Theodorakis begeistert sich bereits in seiner Jugend für Musik und schreibt als Dreizehnjähriger seine ersten Kompositionen. Erste Lieder und Werke für Violine und Klavier entstehen schon Ende der dreißiger Jahre. Kammermusik und diverse Chorstücke werden erstmals zwischen 1940 und 1942 in der peloponnesischen Stadt Tripolis aufgeführt.

Seit 1942 lebt die Familie Theodorakis in Athen, wo Mikis am Konservatorium bei Filoktitis Ikonomidis Komposition studiert und nebenher im Chor des Staatlichen Orchesters singt.


Während der Besatzung Griechenlands durch deutsche, italienische und bulgarische Truppen von 1941 bis 1944 schließt sich der junge Theodorakis dem Widerstand an und kommt in dieser Zeit auch zum erstenmal in Kontakt mit Marxisten und Kommunisten, die sein Weltbild entscheidend prägen werden.

Zwischen 1950 und 1953 arbeitet er als Musikkritiker für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften und spielt als Percussionist im Staatlichen Orchester Athens. Von 1950 an werden Theodorakis‘ Werke (Ballette, Kammermusik, Musik für antike Dramen, Sinfonik) regelmäßig vom Staatlichen oder Rundfunk-Orchester aufgeführt und zum Teil vom Griechischen Rundfunk übertragen.

1954 reist Mikis Theodorakis nach Paris, um am dortigen Konservatorium in der Klasse von Olivier Messiaen bis 1960 ein Zusatzstudium (Komposition und Dirigat) zu absolvieren.

Seine Sonatine für Klavier wird 1955 aufgeführt, die Suite Nr.1 für Klavier und Orchester erhält in Moskau 1957 eine Goldmedaille. Theodorakis‘ erste Sinfonie wird zum Ausdruck seines wichtigsten Anliegens: der Versöhnung der Griechen und der Ausheilung der Wunden des Bürgerkrieges. Das Werk ist zwei Freunden, die in gegnerischen Lagern kämpften und beide umkamen, gewidmet. Die Ballettmusiken „Griechischer Karneval“, „Les Amants de Téruel“, „Antigone“, werden erfolgreich in Rom, Paris, London aufgeführt. Einem breiteren Publikum wird er durch seine Filmmusiken (u.a. „Alexis Zorbas“) bekannt.


Am 21. April 1967 kommt es in Griechenland zum Putsch der Obristen. Das Spielen und Hören von Theodorakis’ Musik wird per Armee-Erlaß Nr. 13 verboten. Vier Monate kämpft Mikis Theodorakis als Gründer der „Patriotischen Front“ im Untergrund gegen die Junta. Im August wird er verhaftet, gefoltert, ins Bergdorf Zatouna verbannt und danach ins Konzentrationslager Oropos deportiert. Eine internationale Solidaritätsbewegung, der so namhafte Künstler wie Dmitri Schostakovitsch, Leonard Bernstein, Pablo Neruda, Arthur Miller und Harry Belafonte angehören, setzt sich für seine Freilassung ein.

1970 geht Mikis Theodorakis ins Exil nach Frankreich, wo auch die griechische Sängerin und Schauspielerin Melina Mercouri Zuflucht vor der Junta in Athen gefunden hat.

Von Paris aus nimmt Theodorakis mit seiner Volksmusik den Kampf gegen die Obristen wieder auf. Er geht auf weltweite Konzerttourneen und gibt, begleitet von seinem Orchester und seinen Sängern (u.a. Maria Farantouri und Petros Pandis), in der ganzen Welt an die 1.000 Konzerte. Viele seiner Lieder werden seit Anfang der sechziger Jahre in der ganzen Welt von zahlreichen Interpreten gesungen (u.a. von Agnes Baltsa, Dalida, Lisbeth List, Maria del Mar, Milva, Mouloudji, Georges Moustaki, Nana Mouskouri, Edith Piaf, Hermann van Veen, Arija Sajonmaa, Zülfü Livaneli, Iva Zanicchi) und als Schallplatte veröffentlicht (die Diskographie umfaßt etwa 250 LPs/CDs ausschließlich mit Theodorakis-Liedern und weitere 550, die z.T. Lieder von ihm beinhalten).

Zu Theodorakis‘ bedeutendsten Werken gehört das Oratorium „Canto General“, entstanden nach einem Gedichtzyklus des chilenischen Dichters und Nobelpreisträgers Pablo Neruda.


„Ich begegnete Pablo Neruda erstmals 1966, als er im Exil in Paris war. Er lebte in einem kleinen Hotel im Quartier Latin, und später, 1970, als ich in Paris im Exil war, kam er dorthin als Botschafter. Er schlug mir vor, Chile zu besuchen, und als ich dann in Chile war, nahm ich in Valparaiso an einem Konzert teil, wo der Canto General vorgestellt wurde: Es war damals die Mode kollektiver Kompositionen;. es gab daher mehrere Komponisten, die Canto General in Musik gesetzt hatten; ein Schauspieler las den Text, und ich war sehr, sehr beeindruckt. Ich erinnere mich, als ich nach dem Konzert hinter Bühne (in den Kulissen) war, um die Komponisten zu beglückwünschen, versprach ich, meine Vertonung des Canto General zu verwirklichen. Der Canto General hat, glaube ich, 160 Gedichte…
Einige Tage später war ich bei Allende in seiner Wohnung zu einem Abendessen eingeladen, und ich sprach ihm über meine Absicht einer Vertonung des Canto General, und Allende gab mir die zwei Bände als Geschenk.
Als ich dann nach Paris zurückgekehrt war, setzte ich mich sofort an die Arbeit und begann mit dem ersten Lied. Es war „Amor America“. Es war dies nicht ein einfaches Lied, sondern ein großer Gesang, fast sinfonischen Ausmaßes, also schwierig sofort zu gestalten. Und da sagte ich mir: Wenn ich so der Reihe nach die Gesänge vertone, brauche ich zehn Jahre, um die Komposition abzuschließen. Aber ich machte weiter…“


Nach dem Ende der Militärdiktatur kehrt Mikis Theodorakis in seine griechische Heimat zurück und dirigiert 1974 den Canto General bei drei Konzerten im Athener Karaiskakis-Stadion.


Ab 1980 folgt Theodorakis‘ kompositorische Rückbesinnung auf die Sinfonik. Es entstehen u.a.: die 3. Sinfonie für die Komische Oper Berlin 1982, die Sadduzäer-Passion für die Musik-Biennale Berlin 1983, die 7. Sinfonie für die Musikfestspiele in Dresden 1984. Es folgen zahlreiche Aufführungen seiner Sinfonien und Chorwerke in vielen Ländern (u.a. Frankreich, Westberlin, Luxemburg, Italien, Sowjetunion, Schweden, Tschechoslo-wakei, Bulgarien, Singapur, Australien, Nicaragua). Dazu kommen zahlreiche Auftragskompositionen, wie z.B. das Zorbas Ballett für die Arena di Verona (1988), die Oper Medea für das Arriaga-Theater in Bilbao (1991), den Canto Olympica für die Olympischen Spiele in Barcelona (1992), die Oper Elektra für die Europäische Kulturhauptstadt Luxemburg 1995 sowie die Oper Antigone für Thessaloniki (Europäische Kulturhauptstadt 1997).


Literatur:

Mikis Theodorakis: Die Wege des Erzengels
Autobiographie 1925-1949
Hrsg. und Übetr.: Asteris Koutoulas
Suhrkamp Taschenbuch Nr. 2797
ISBN: 3-518-39297-2

Mikis Theodorakis: Bis er wieder tanzt.
Erinnerungen
[Originaltitel: I dromi tou Archangelou]
Hrsg. und Übers.: Asteris Koutoulas.
Insel Verlag, Frankfurt/M. 2002
ISBN: 3-458-17091-X

Guy Wagner: Mikis Theodorakis.
Ein Leben für Griechenland.
Editions Phi 1995
ISBN: 3-88865-125-5


Werke:

Etwa 900 Lieder und an die 100 größere Werke, darunter Sinfonik, Bühnen- und Filmmusik, darunter „Alexis Zorbas“ und „Z“ (Regie: Constantin Costa-Gavras, Drehbuch: Constantin Costa-Gavras und Jorge Semprun ), Opern, Oratorien, geistliche Liturgien usw. Dazu politische, essayistische und lyrische Texte (einige auch auf Deutsch, Französisch und Englisch): „Anatomie der Musik“; „Die Wege des Erzengels“/ Autobiographie; „Meine Stellung in der Musikszene“/ Essays und Interviews 1952-1984); „Die Metamorphosen des Dionysos“/ ein Libretto und andere Texte.


Links:

http://www.classical-composers.org/cgi-bin/ccd.cgi?comp=_htheowerk.htm

http://www.mikis-theodorakis.net/chron13.html

http://www.mikis-theodorakis.net

http://de.wikipedia.org/wiki/Mikis_Theodorakis

http://www.stepanek.de/theodo.html

http://www.onlinekunst.de/julizwei/Mikis_Theodorakis.htm

http://www.komponisten.at/komponisten/220.html

http://members.aol.com/gwagner379/mikihome/canto-d2.htm

http://www.cantate-online.de/artikel/0404-2.htm

http://www.hellasproducts.com/kuenstler/mikis/theodorakis.htm

http://www.suhrkamp.de/buecher/iv2201/theodorakis.htm

http://romanos.mikistheodorakis.gr/default_g.asp

http://www.abebooks-autoren.de/Author/207538/Theodorakis+Mikis.html

http://www.griechische-botschaft.de/kultur/gr_literatur/prosa.htm

http://www.mikis-theodorakis.net/mikiasti.html

http://www.phi.lu/theodorakis.html

http://www.das-parlament.de/2001/41_42/Thema/2001_41_42_077_6642.html

http://www.wdr.de/tv/kulturweltspiegel/20020630/4.html

http://www.griechische-kultur.de

http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Z_(Film).html

http://www.filmevona-z.de/filmsuche.cfm?sucheNach=personNr&wert=50740

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