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Langgässer, Elisabeth

H.A.M. 0

Elisabeth Langgässer
Schriftstellerin


Geb. 23.2.1899 in Alzey
Gest. 25.7.1950 in Karlsruhe


„Holde Anemone,
bist du wieder da
und erscheinst mit heller Krone
mir Geschundenem zum Lohne
wie Nausikaa?

Windbewegtes Bücken,
Woge, Schaum und Licht!
Ach, welch sphärisches Entzücken
nahm dem staubgebeugten Rücken
endlich sein Gewicht?

Aus dem Reich der Kröte
steige ich empor,
unterm Lid noch Plutons Röte
und des Totenführers Flöte
gräßlich noch im Ohr.

Sah in Gorgos Auge
eisenharten Glanz,
ausgesprühte Lügenlauge
hört‘ ich flüstern, daß sie tauge
mich zu töten ganz.

Anemone! Küssen
laß mich dein Gesicht:
Ungespiegelt von den Flüssen
Styx und Lethe, ohne Wissen
um das Nein und Nicht.

Ohne zu verführen,
lebst und bist du da,
still mein Herz zu rühren,
ohne es zu schüren
Kind Nausikaa!“

(Elisabeth Langgässer: Frühling 1946 aus: Der Laubmann und die Rose, 1947) )


Die Tochter des aus einer Mainzer jüdischen Familie stammenden Architekten und großherzoglichen Baurats Eduard Langgässer und dessen Ehefrau Eugenie wird katholisch getauft und besucht ab 1905 die Höhere Mädchenschule in Alzey.

1909 – nach dem Tod des Vaters – übersiedelt sie mit ihrer Mutter und dem 1901 geborenen Bruder Heinrich ins hessische Darmstadt, wo Elisabeth mit knapp fünfzehn Jahren (1920) ihre ersten Gedichte in der Monatsschrift Das heilige Feuer veröffentlicht.


Von 1921 bis 1924 unterrichtet Elisabeth Langgässer als Lehrerin in Seligenstadt und Griesheim und veröffentlicht 1924 mit Der Wendekreis des Lammes ihren ersten Gedichtband. Im Januar 1929 wird die Tochter Cordelia geboren, die Langgässers Beziehung zu dem Staatsrechtler Hermann Heller entstammt. Noch im selben Jahr zieht sie mit ihrer Tochter zu Mutter und Bruder nach Berlin, wo sie als Dozentin an der Sozialen Frauenschule lehrt, ab 1930 als freie Schriftstellerin tätig ist und enge Kontakte zum Kreis um die Literaturzeitschrift Die Kolonne pflegt.

1931 wird Elisabeth Langgässer mit dem Literaturpreis des Deutschen Staatsbürgerinnen Verbandes ausgezeichnet.


Ab 1933 arbeitet sie für den Berliner Rundfunk, tritt der Reichsschifttumskammer bei und begegnet dem katholischen Philosophen Wilhelm Hoffmann, den sie zwei Jahre später heiratet.

Im Mai 1936 wird Elisabeth Langgässer, nach nationalsozialistischer Rassenlehre eine Halbjüdin, aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und mit Publikationsverbot belegt. Das Lehrstuhlangebot aus den USA an ihren Mann Wilhelm Hoffmann im Jahr 1936 kann nicht angenommen werden, da Elisabeth Langgässer ihre alte Mutter nicht verlassen will. Sie arbeitet weiter an ihrem Hauptwerk, dem Roman Das unauslöschliche Siegel, der ihr Hauptthema, das Ringen zwischen den Mächten des Unheils und der Gnade, widerspiegelt. 1939 liegen bereits 300 Manuskriptseiten vor, eine Veröffentlichung ist jedoch erst nach Ende des Dritten Reiches möglich.


„Aber ich halte es für erwiesen […], daß in der Zeitlichkeit stets das Böse über das Gute den Sieg davonträgt und der Endsieg über das Böse Gott sozusagen persönlich durch einen Eingriff von oben muß vorbehalten bleiben. Daher gibt es keinen geschichtlichen Zeitraum, der nicht mit der Katastrophe, und zwar zwangsläufig, enden wird.“

Quelle: Elisabeth Länggässer: Das unauslöschliche Siegel, Bd. 2, Sammlung Luchterhand, S. 23


Durch Vermittlung von Freunden kann Elisabeth Langgässer die für ihre Familie äußerst schwierige wirtschaftliche Situation zwischen 1938 und 1941 durch das Verfassen von Werbetexten vorübergehend etwas verbessern. Ihr Versuch, zu Freunden in die Schweiz auszuwandern, scheitert allerdings.

In den Jahren 1938 und 1940 kommen die Töchter Annette und Barbara zur Welt. Die erstgeborene Tochter Cordelia wird von den Nazis gezwungen, den Judenstern zu tragen und muß ihr Elternhaus verlassen. 1942 – dem Geburtsjahr ihrer Tochter Franziska – erkrankt Elisabeth Langgässer an Multipler Sklerose.

Obgleich Cordelia 1943 die spanische Staatsangehörigkeit erhalten hat, wird sie im darauffolgenden Jahr zuerst nach Theresienstadt, kurz darauf ins KZ Auschwitz deportiert. Elisabeth Langgässer verpflichten die Nazis – trotz ihrer schweren Erkrankung – ab Ende 1944 – zur Zwangsarbeit.


Nach Kriegsende erscheint Das unauslöschliche Siegel im Jahr 1946. Erst jetzt erfährt Elisabeth Langgässer, dass die Tochter Cordelia mit Hilfe des Internationalen Roten Kreuzes das Konzentrationslager überlebt hat und nach Schweden gelangt ist.

Im April 1948 übersiedelt die Dichterin nach Rheinzabern, nimmt kurz darauf am Zweiten Deutschen sowie am Deutsch-Französischen Schriftstellerkongreß in Rooyaumont teil und wird Mitglied im PEN-Club

Kurz nach ihrer Wahl in die Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur stirbt sie im Frühjahr 1950 in einer Karlsruher Klinik. Ihre Beisetzung findet auf dem Darmstädter Alten Friedhof statt.

Posthum wird Elisabeth Langgässeer am 25. Juli 1950 mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.


Langgässers Geburtsstadt Alzey ehrt die Schriftstellerin mit der Vergabe eines nach ihr benannten – alle drei Jahre verliehenen – Literaturpreises. PreisträgerInnen seit 1988 sind u.a. Luise Rinser, Rolf Hochhuth und Christa Wolf.


Werke: 

Romane/Erzählungen:
Grenze. Besetzes Gebiet, 1932;
Tryptychon des Teufels, 1932;
Proserpina, 1933;
Der Gang durch das Ried, 1936;
Rettung am Rhein, 1938;
Das Unauslöschliche Siegel, 1946;
Der Torso, 1947;
Proserpina (Urfassung), 1949;
Das Labyrinth, 1949;
Märkische Argonautenfahrt, 1950.

Hörspiele:
Frauen als Wegbereiter: Amalie Dietrich, 1933;
Der Sturz durch die Erdzeitalter, 1933;
Flandrischer Herbst, 1933;
Sterne über dem Palatin, 1933;
Ahnung und Gegenwart, 1934.

Lyrik:
Der Wendekreis des Lammes, 1924;
Die Tierkreisgedichte, 1935;
Der Laubmann und die Rose, 1947;
Kölnische Elegie, 1948;
Metamorphosen, 1959 (in: GW IV, 151-171).

Essays/Briefe:
Geist, in den Sinnen behaust, 1951;
… soviel berauschende Vergänglichkeit. – Briefe 1926-1950, 1954; Das Christliche der christl. Dichtung. Vorträge und Briefe, 1961.

Sammel-/Werkausgaben:
Mithras. Lyrik und Prosa, 1959. – Ges. Werke in Einzelausgaben (5 Bde.), 1959-1964. –

Herausgebertätigkeit:
Herz zum Hafen. Frauengedichte der Ggw., 1933.


Quelle:

http://www.bautz.de/bbkl/l/Langgaesser.shtml


Links (deutsch):

http://www.alg.de/mitglied/a-zmitgl/l-mitgli/elisabethlanggas.html

http://www.bautz.de/bbkl/l/Langgaesser.shtml

http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_aut/langg/langg0.html

http://www.litlinks.it/l/langgaesser.htm

http://www.langgaesser.de/lebenslauf.html

http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/ff/verboten/ver/langgaesser.html

http://www.elg-alzey.de/Langgaesser.htm

http://www.allgemeine-zeitung.de/region/objekt.php3?artikel_id=1282211

http://www.phil.uni-sb.de/projekte/imprimatur/1999/imp990408.html

http://www.beltz.de/catalog/einzelbuch.asp?ISBN=3-407-80856-9

 

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