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Heiden, Konrad

H.A.M. 0

Konrad (Ruben) Heiden (Pseud.: Klaus Bredow, David Silbermann)

Journalist und Schriftsteller

Geb. 07.08. 1901 in München

Gest. 18.07. 1966 in New York City/ USA

 

“Er war einer seiner schärfsten Kritiker, und doch soll Hitler sich bei Veranstaltungen manchmal geweigert haben, mit seiner Rede zu beginnen, bevor er nicht eingetroffen war: Konrad Heiden.“ *)

 

Der Vater ist SPD-Arbeitersekretär und Stadtverordneter in Frankfurt am Main, wo der Sohn  Konrad von 1908 bis 1910 die Mittelschule und bis 1919 dann das Gymnasium besucht. In München studiert Heiden ab 1920 Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, engagiert sich in dieser Zeit auch bereits politisch und wird 1922, ein Jahr vor Studienabschluss, zum Vorsitzenden der Republikanischen Studentenunion gewählt.

 

Konrad Heidens berufliches Interesse gilt dem Journalismus. Ab 1923 berichtet er für die kommenden sieben Jahre als Korrespondent der Frankfurter Zeitung aus München, schreibt parallel dazu für die Vossische Zeitung und gründet 1930 in Berlin einen Pressedienst, der sich thematisch der NS-Propaganda widmet. In den Jahren 1930 bis 1932 gehört Heiden zur Redaktion der Frankfurter Zeitung in Berlin, arbeitet danach als freier Journalist und Schriftsteller und veröffentlicht im Rowohlt-Verlag sein erstes Buch zur “Geschichte des Nationalsozialismus – Die Karriere einer Idee“ mit einer Auflage von 5000 Exemplaren.

 

Noch im Jahr der Machtübergabe an die Nationalsozialisten geht der Sohn einer jüdischen Mutter 1933 ins Exil, hält sich vorübergehend illegal im (damals noch französischen) Saarland auf, lebt von Juni bis Dezember 1933 in Zürich und kehrt aus der Schweiz wieder nach Saarbrücken zurück, arbeitet dort als Mitredakteur für die Zeitschrift “Deutsche Freiheit“ und verfasst unter dem Pseudonym Klaus Bredow zwei getarnte Kampfschriften zur Beeinflussung der Volksabstimmung über das Saarland: “Hitler rast – Die Bluttragödie des 30. Juni 1934“ und “Sind die Nazis Sozialisten?“ Nach der zugunsten Hitler-Deutschlands erfolgten Saarabstimmung am 13. Januar 1935 flieht der Journalist ins benachbarte Frankreich.

 

Der Antifaschist und Hitler-Gegner Konrad Heiden gehört von 1933 bis 1936 mit rund zwanzig anderen Emigranten (unter ihnen {ln:Einstein, Albert ‚Albert Einstein}, {ln:Mann, Heinrich ‚Heinrich} und {ln:Mann, Thomas ‚Thomas Mann}, Romain Rolland und Wickham Steed) zum “Freundeskreis {ln:Ossietzky, Carl von ‚Carl von Ossietzky}“. Sie richten Appelle an das NS-Regime, in denen sie die Entlassung Ossietzkys aus der KZ-Haft verlangen und schlagen dem norwegischen Nobelpreiskomitee Ossietzky für den Friedensnobelpreis vor. Unter dem Titel “Geburt des Dritten Reiches“ veröffentlicht 1934 der Zürcher Oprecht-Verlag Heidens zweites Buch (bei dem damals wichtigsten Schweizer Verlag für Exilautoren erscheinen u.a. auch die Werke von {ln:Lasker-Schüler, Else ‚Else Lasker-Schüler}, {ln:Bloch, Ernst ‚Ernst Bloch}, {ln:Habe, Hans ‚Hans Habe}, sowie Heinrich und {ln:Mann Golo ‚Golo Mann}.

 

Ebenfalls im Zürcher Exil kommt 1936/ 37 eine zweibändige Hitlerbiographie heraus, zeitgleich mit englischen, amerikanischen und französischen Ausgaben (Erster Band: “Adolf Hitler – Das Leben eines Diktators – Das Zeitalter der Verantwortungslosigkeit“  mit einer Auflage von 31.000 Exemplaren, zweiter Band: “Adolf Hitler – Eine Biographie – Ein Mann gegen Europa“, mit einer Auflage von 15.500 Exemplaren). Obgleich zahlreiche Hitler-Biografen sich in der Folgezeit auf Heidens Arbeit beziehen (u.a. {ln:Arendt, Hannah ‚Hannah Arendt} in ihrem politischen Hauptwerk “Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“), gerät der Autor selbst über lange Jahre weitgehend in Vergessenheit, bis zum Herbst 2016 und dem Erscheinen der Stefan Aust-Biografie “Hitlers erster Feind. Der Kampf des Konrad Heiden“.  Aust, seines Zeichens ehemaliger SPIEGEL-Chefredakteur, bescheinigt Heiden, seine NS-Quellen nicht nur studiert, sondern auch verstanden zu haben.

 

Von Januar 1935 bis Mai 1940 hält sich Heiden in Paris auf und ist Chefredakteur der von Leopold Schwarzschild herausgegebenen Exilzeitschrift “Das Neue Tage-Buch“. 1937 erscheint sein Buch “Europäisches Schicksal“ im Amsterdamer Querido Verlag (wo u.a. auch die Werke von prominenten Exilanten wie {ln:Baum, Vicky ‚Vicky Baum}, {ln:Döblin, Alfred ‚Alfred Döblin}, {ln:Einstein, Albert ‚Albert Einstein}, {ln:Feuchtwanger, Lion ‚Lion Feuchtwanger}, {ln:Frank, Bruno ‚Bruno Frank}, {ln:Gmeyner, Anna ‚Anna Gmeyner}, {ln:Graf, Oskar Maria ‚Oskar Maria Graf}, {ln:Keilson, Hans ‚Hans Keilson}, {ln:Kesten, Hermann ‚Hermann Kesten}, {ln:Mann, Erika ‚Erika} und {ln:Mann, Klaus ‚Klaus Mann}, {ln:Toller, Ernst ‚Ernst Toller}, {ln:Seghers, Anna ‚Anna Seghers} und {ln:Roth, Joseph ‚Joseph Roth} veröffentlicht werden).

 

Zu diesem Zeitpunkt ist der – mittlerweile aus Hitler-Deutschland ausgebürgerte Journalist – staaten- und besitzlos, da auch sein  Vermögen von den Nationalsozialisten beschlagnahmt worden ist. Aber Heiden arbeitet trotz aller Widrigkeiten weiter. Sein die Novemberpogrome 1938 beschreibendes Buch kommt 1939 bei Starling Press, New York, unter dem Titel “The new Inquisition“ heraus und erscheint zeitgleich in Paris (Les Vêpres Hitlériennes“). 2013 erst wird das Buch “Eine Nacht im November 1938. Ein zeitgenössischer Bericht“ auf Deutsch herausgebracht (ein deutschsprachiges Typoskript mit dem Arbeitstitel “Nächtlicher Eid“ befindet sich in der Zentralbibliothek Zürich).

 

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wird Konrad Heiden in Frankreich als “étranger indésirable“ (unerwünschter Ausländer) interniert. Nach dem Überfall der Hitler-Wehrmacht im Juni 1940 kommt er wieder auf freien Fuß und kann in die Vereinigten Staaten fliehen, was ihm – wie zahlreichen anderen Emigranten – mit Hilfe des US-amerikanischen Journalisten und Hitler-Gegners Varian Fry (für den z.B. auch {ln:Fittko, Lisa ‚Lisa Fittko} den flüchtigen {ln:Benjamin, Walter ‚Walter Benjamin} über die Pyrenäen ins benachbarte Spanien geleitet) gelingt, dessen International Rescue Committee ihm einen falschen tschechoslowakischen Pass auf den Namen David Silbermann verschafft (unter den von Fry geretteten Persönlichkeiten sind u.a. {ln:Chagall, Marc ‚Marc Chagall}, {ln:Frank, Leonhard ‚Leonhard Frank}, {ln:Ernst, Max ‚Max Ernst}, {ln:Mahler, Alma ‚Alma Mahler} und ihr Mann {ln:Werfel, Franz ‚Franz Werfel}, {ln:Mehring, Walter ‚Walter Mehring}, {ln:Polgar, Alfred ‚Alfred Polgar}, {ln:Sahl, Hans ‚Hans Sahl} und {ln:Natonek, Hans ‚Hans Natonek}).

 

In Lissabon erhält Konrad Heiden ein US-amerikanisches Visum und reist in der zweiten Oktoberhälfte 1940 per Schiff in die Vereinigten Staaten, wo er sich bis  1941 in New York City aufhält, von Juni bis Dezember 1941 in San Francisco, dann wieder in New York. 1944 erscheint sein bislang meistbeachtetes Buch “Der Führer – Hitler’s Rise to Power“ bei Houghton Mifflin, das über einen Buchclub sehr rasch große Verbreitung in den Staaten und später auch in Großbritannien findet.

 

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges besucht Heiden vom Dezember 1951 bis zum Mai 1952 zum ersten Mal wieder Deutschland. In den Jahren 1952 bis 1961 steuert er im Auftrag des Süddeutschen Rundfunks in Stuttgart Beiträge für die wöchentliche Viertelstundensendung “Streiflichter aus Amerika“ bei, produziert ähnliche Beiträge für Radio Bremen, verfasst ab 1954 für den Süddeutschen Rundfunk monatliche Hörberichte unter dem Titel “Vier Wochen Amerika“ und schreibt für diverse US-Zeitschriften, darunter das Life Magazine.

 

Infolge einer sich stetig verschlimmernden Parkinson’schen-Erkrankung vermindert sich Heidens Arbeitsfähigkeit zunehmend. Im Alter von fast 65 Jahren verstirbt er im New Yorker “Beth Abraham Hospital“ und findet auf dem Orleans Cemetry in East Orleans/ Mass. seine letzte Ruhe.

 

Literatur-Tipps:

  • Werner Maser: Heiden, Konrad. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 8, Duncker & Humblot, Berlin 1969, ISBN 3-428-00189-3, S. 246 f. (Digitalisat).
  • Konrad Heiden, Internationales Biographisches Archiv 02/1975 vom 30. Dezember 1974, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar) Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 10. Saur, München 2002, S.       297–304.
  • Stefan Aust: Hitlers erster Feind. Der Kampf des Konrad Heiden. Rowohlt, Reinbek 2016, ISBN 978-3-498-00090-5.

 

Quellen:

*) Eingangszitat: {ln:nw:http://www.rowohlt.de/hardcover/stefan-aust-hitlers-erster-feind.html }

{ln:nw:https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Heiden }

{ln:nw:https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=116604859 }

{ln:nw:https://www.munzinger.de/search/portrait/konrad+heiden/0/11412.html }

 

Links (deutsch):

{ln:nw:https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/entity/116604859 }

{ln:nw:https://www.deutsche-biographie.de/sfz28743.html }

{ln:nw:http://literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=18835 }

{ln:nw:http://www.deutschlandradiokultur.de/ein-unbeherrschter-mensch-mit-schlechten-manieren.1270.de.html?dram:article_id=191757 }

{ln:nw:http://www.zeit.de/2016/40/konrad-heiden-adolf-hitler-aufstieg-tagebuecher }

volume_up{ln:nw:http://www1.wdr.de/kultur/buecher/hitlers-erster-feind-104.html }

 

International: 

{ln:nw:https://en.wikipedia.org/wiki/Konrad_Heiden }

{ln:nw:http://verbrannte-und-verbannte.de/person/210 }

{ln:nw:http://spartacus-educational.com/Konrad_Heiden.htm }

{ln:nw:http://www.nizkor.org/ftp.cgi?people/h/hitler.adolf/oss-papers/text/oss-sb-heiden-01 }

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