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Wallisch, Koloman

H.A.M. 0

Koloman Wallisch

Arbeiterführer und Politiker

 

Geb. 28.02. 1889 in Lugosch/ Österreich-Ungarn

Gest.  19.02.  1934 in Leoben/ Österreich


„Über den Februar 1934 wird die Geschichte urteilen“, sagte Koloman Wallisch sinngemäß am Ende seines Standgerichtsprozesses zum Staatsanwalt, der ihn zuvor als „Eiterbeule“, die „an der Wunde des gesunden Volkes schwärt und herausgeschnitten gehört“ bezeichnet und die Todesstrafe gefordert hatte. Noch auf der Hinrichtungsstätte rief der sozialdemokratische Parteisekretär, Abgeordnete zum Nationalrat und charismatische Arbeiterführer „Freiheit!“ bis ihm der Würgegalgen die Stimme für immer abschnitt.


Dieser Auszug aus einem Essay mit dem Untertitel „Das Unrecht im historischen Gedächtnis“ schrieb der Grazer Historiker Werner Anzengruber aus Anlass einer Buchveröffentlichung des Schweizer Autors Werner Wüthrich über Koloman Wallisch.


Der Arbeitersekretär und Abgeordnete zum Nationalrat im österreichischen Parlament, Koloman Wallisch, wurde im Februar 1934 nach den Kämpfen zwischen der Heimwehr und dem Republikanischen Schutzbund von einem Standgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet. Er wurde daraufhin zu einer Symbolfigur für die Verteidigung der Ersten Republik und für einen kompromisslosen Widerstand gegen den aufkommenden Faschismus in Europa.


Bertolt Brecht setzte sich Mitte der 30er-Jahre intensiv mit dem bewaffneten Widerstand der Arbeiterbewegung in Österreich auseinander, insbesondere mit den Februarkämpfen in der Obersteiermark. Es sollte ein antifaschistischer Gedichtzyklus über den Februar 1934 in Form einer Kantate werden, die der Komponist Hanns Eisler vertonen wollte. Die „Koloman Wallisch Kantate“, geschrieben 1935 im dänischen Exil, blieb jedoch Fragment, obschon um 1937 und um 1948 Uraufführungen in Vorbereitung waren.


Nach neuen Funden von Brecht-Manuskripten in Zürich verfasste der Schweizer Theaterautor und Brecht-Forscher Werner Wüthrich, nach dem Handlungsplan von Bertolt Brecht, das Drama „Koloman Wallisch“; dabei ist es ihm gelungen, die Gedichte aus dem Brecht-Fragment in seinen Theatertext einzubauen.


Nach dem frühen Tod des Vaters musste Koloman die Schule verlassen. Er absolvierte eine Maurerlehre und musste am Ersten Weltkrieg teilnehmen, der ihn politisierte und zum engagierten Sozialdemokraten machte, nachdem er bereits als Jugendlicher Mitglieder der Arbeiterjugendbewegung gewesen war.

Als im März 1919 die ungarische Räterepublik ausgerufen wurde, befürwortete K. Wallisch dieses politischen Experiment als Funktionär und unterstützte die Regierung um Béla Kun und Georg Lukács. Als das Räteregimes zusammenbrach, flüchtete er nach Österreich. Dort arbeitete und wirkte Koloman Wallisch als Parteisekretär und Gemeinderat in Bruck an der Mur, als Landesparteisekretär der SPÖ, steirischer Landtagsabgeordneter und von 1930-1934 als Abgeordneter zum österreichischen Nationalrat.


Bei einem Generalstreik der Arbeiter im Zuge der Februarkämpfe 1934 übernahm Wallisch die Führung des Republikanischen Schutzbundes in Bruck: Als das Bundesheer anrückte, musste er sich mit 320 Schutzbundangehörigen in die nahe gelegenen Berge zurückziehen. Da auf ihn ein Kopfgeld in Höhe von 5.000 Schilling ausgesetzt war, wurde er erkannt und am 18. Februar 1934 auf der Flucht mit dem Auto von Leoben nach Admont gefangen genommen.


Bereits am gleichen Tag wurde Wallisch verhört, vor ein Standgericht gestellt und zum Tode durch Erhängen verurteilt; das Urteil wurde am 19. Februar in Leoben durch den Scharfrichter Johann Lang am „Würgegalgen“ vollstreckt. Zum Gedenken an Wallisch wurden nach dem Zweiten Weltkrieg in den obersteirischen Städten Leoben, Bruck an der Mur und Kapfenberg Plätze in „Koloman-Wallisch-Platz“ umbenannt.


Werner Anzenberger schrieb in seinem oben erwähnten Essay: Ob Wallisch in seinen letzten Stunden geahnt hat, dass es immerhin elf Jahre, nämlich bis 1945, dauern werde, in Österreich wieder ernsthaft von Freiheit sprechen zu können? Und voraussichtlich weitere 67 Jahre verstreichen würden, bis im Jahr 2012 das Unrecht, das er und seine Mitstreiter erfahren hatten, durch ein legistisches Zeichen des offiziellen Österreich – und damit auch von den politischen Enkeln seiner Gegner – wenn schon nicht gesühnt, so doch anerkannt werden wird?


Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Koloman_Wallisch

Werner Wüthrich: „Koloman Wallisch. Drama nach einem Handlungsplan von Bertolt Brecht“, Studienverlag, Innsbruck, Wien, Bozen 2012, 228 Seiten,mit zahlreichen s/w-Abbildungen, ISBN-13: 978-3706551229


Bearbeitung:

Hajo Jahn


Links (deutsch):

http://www.luettgerding.net/wissen/koloman-wallisch-kantate.htm

http://www.secarts.org/journal/index.php?show=article&id=829

http://michael-scharang.at/film/kameraden_kr.php

http://www.leoben.spoe.at/b/le/aktuelles/archiv/leoben-gedenkt-koloman-wallisch

http://www.derfunke.at/html/index.php?name=News&file=article&sid=1996

http://www.dasrotewien.at/page.php?P=12245


International:

http://homepage.univie.ac.at/horst.prillinger/blog/archives/2004/02/000462.html

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