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Taut, Bruno

H.A.M. 0
Bruno (Julius Florian)Taut
Architekt und Stadtplaner

Geb. 4.5. 1880 in Königsberg
Gest. 24.12. 1938 in Istanbul/ Türkei

Der Kaufmannssohn und ältere Bruder des später durch seine sachlichen Bürobauten bekannt gewordenen Architekten Max Taut verlebt seine Kinder- und Jugendjahre im ostpreußischen Königsberg. Hier besucht er bis 1897 das Gymnasium und beginnt anschließend eine Ausbildung an der Königsberger Baugewerkschule, die er nach drei Semestern erfolgreich beendet. 1902 arbeitet er bei diversen Architekten in Hamburg und Wiesbaden und wechselt ein Jahr später in das Büro des renommierten Berliner Architekten Bruno Möhring, der ihn mit dem Jugendstil und den modernen Baumethoden in Verbindung von Stahl und Stein vertraut macht. Von 1904 bis 1908 arbeitet Taut bei Theodor Fischer in Stuttgart und eignet sich in dieser Zeit vor allem Kenntnisse im Bereich der Stadtplanung an. Fischer ist es dann auch, der ihm in dieser Zeit mit der Erneuerung einer Dorfkirche bei Ludwigsburg seinen ersten Auftrag verschafft.

1908 kehrt Bruno Taut nach Berlin zurück, um an der Technischen Hochschule Charlottenburg Kunstgeschichte und Städtebau zu studieren. Bereits im darauffolgenden Jahr eröffnet er sein erstes eigenes Architekturbüro. 1911 folgt eine weitere Kirche: gemeinsam mit dem Hamburger Franz Mutzenbecher gestaltet er  die behutsame Renovierung des Sakralbau in Nieden/ Uckermark und schafft mit der farbigen Fassung der Altargitter eines der frühen Schlüsselwerke seiner farbigen Konzeptionen.
Ab 1913 erhält Taut in Berlin und Magdeburg zahlreiche Großaufträge zur Projektierung von Gartensiedlungen, einer neuen Bauform, die aus England ihren Weg ins Deutsche Reich gefunden hat. Mit seinen architektonischen Entwürfen wird Bruno Taut zum Begründer einer neuen Stilrichtung. Seine im Sinne des Neuen Bauens konzipierten Siedlungsbauten, wie die Berliner Gartenstadt Falkenberg,  zeichnen sich durch nord-südliche ausgerichtete Straßenzüge aus, sodass die Wohnungen ausreichend mit Licht und Luft    versorgt sind sowie durch farbintensive Fassaden und Fassadenelemente.

Mit seinem Entwurf des Glashauses für einen Pavillon der Deutschen Glasindustrie auf der Kölner Werkbundausstellung erlangt Taut 1914 erstmals internationale  Anerkennung. Während des Ersten Weltkrieges ist er gezwungen, sich theoretischen Fragestellungen zu widmen, und veröffentlicht 1918 und 1919 zum utopischen Thema der Verschmelzung von Architektur und Natur die beiden großen Bildzyklen “Alpine Architektur“ und “Auflösung der Städte“. Beeindruckt von den revolutionären Strömungen der Nachkriegszeit proklamiert Bruno Taut den  Arbeitsrat für Kunst“, der die Ideen der Novemberrevolution in den Bereich der Kunst transformieren soll, und startet unter dem Titel “Die gläserne Kette“ einen geheimen Briefwechsel mit gleichgesinnten Architekten wie Walter Gropius und Hans Scharoun.

Da neue architektonische  und stadtplanerische Aufträge vorübergehend ausbleiben,  wendet sich Taut in den Jahren der Zwischenkriegszeit nun auch anderen Tätigkeiten zu und arbeitet u.a. als Bühnenbilder, z.B. 1921 für Schillers “Jungfrau von Orleans“ am Deutschen Theater in Berlin.

Der mit seiner Gestaltung der Gartenstadt-Kolonie Reform in Magdeburg hoch angesehene Taut wird 1921 vom dortigen sozialdemokratischen Bürgermeister zum Stadtbaurat berufen und erhält den Auftrag, für Magdeburg einen Generalsiedlungsplan zu erstellen. Neben der Umsetzung dieses Konzeptes ist es auch und vor allem wieder Tauts architektonische Farbgebung, die in Magdeburg konsequent durchgesetzt und das Stadtbild auf Jahre hinaus prägen wird.

1924 kehrt Bruno Taut nach Berlin zurück, wo er bis 1931 mehrere Auftragsarbeiten für die Errichtung von Wohnsiedlungen durchführt, darunter die Siedlung Schillerpark im Berliner Stadtteil Wedding sowie die Hufeisensiedlung in Berlin- Britz, eines der ersten Projekte des sozialen Wohnungsbaus und Teil der Großsiedlung Britz/ Fritz-Reuter -Stadt, deren zweiter Teil von den Architekten Paul Engelmann und Emil Fangmeyer gestaltet wird. Auch die Siedlung Freie  Scholle in Tegel und Onkel Toms Hütte in Zehlendorf tragen die gestalterische Handschrift des Architekten Bruno Taut, der in diesen acht Jahren an die 12 Tausend Wohnungen in Berlin errichtet.

1930 beruft ihn die Technische Hochschule Berlin-Charlottenburg zum Professor für Siedlungs- und Wohnungswesen, er wird Mitglied der Akademie der Künste, und der japanische Internationale Architektenbund nimmt Taut als Ehrenmitglied auf. Immer noch fasziniert von der Umsetzung revolutionärer Ideen in der Sowjetunion, geht Bruno Taut 1932 nach Moskau, wo er für die Stadtverwaltung ein Büro für Neubauten einrichtet. Enttäuscht von der realen Entwicklung der sowjetischen Architektur, verbunden mit wirtschaftlichen und technischen Schwierigkeiten, kehrt er jedoch bereits im Februar 1933 wieder nach Berlin zurück.

Mittweile haben die Nationalsozialisten im Deutschen Reich die Macht übernommen. Dem als “Kulturbolschewisten“ abgestempelten Stadtplaner wird seine Professur sowie die Mitgliedschaft an der Akademie der Künste entzogen. Bruno Taut verläßt Nazi-Deutschland bereits zwei Wochen nach seiner Rückkehr abermals und emigriert über die Schweiz nach Japan. In Ermangelung von Bauaufträgen wendet er sich hier wieder theoretischen Veröffentlichungen über das “Neue Bauen“ zu und hält sich mit dem Verkauf von ihm entworfener kunsthandwerklicher Gegenstände finanziell über Wasser.

Als ihm 1936 die Türkei eine Professur für Architektur an der Akademie der Künste  in Istanbul anbietet, nimmt Taut dieses Angebot an, da er neben seiner Lehrtätigkeit nun auch wieder Gelegenheit erhält, als Architekt zu arbeiten. Unter anderem stammen von ihm die Pläne für den Bau der Universität von Ankara und eine Reihe von Schulen in der Türkei.

Seine bereits im japanischen Exil begonnene “Architekturtheorie“ erscheint 1938 in türkischer Sprache, und noch im selben Jahr veranstaltet die türkische Akademie der Künste eine Ausstellung über Bruno Tauts gesamtes Schaffen. Seinen letzten Bauauftrag erhält er zur Gestaltung des Katafalks für den 1938 verstorbenen Staatsgründer Kemal Atatürk.

Der seit vielen Jahren bereits schwerkranke Bruno Taut erliegt im Alter von 58 Jahren seinem Leiden und wird als bislang einziger Europäer auf dem Istanbuler Friedhof Edirnekapı beigesetzt.

Tauts Nachlaß mit ca. 450 Exponanten, darunter frühe Werke wie Skizzen und Landschaftsstudien und erste eigene Entwürfe, ein Modell vom “Monument des Eisens“, das Taut 1913 für die Internationale Baufachausstellung in Leipzig entworfen hat sowie ein Exemplar des expressionistischen Glasbauspiels von 1920/21,  wird seit 1997 von der Berliner Akademie der Künste verwaltet.

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