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Bernhard, Georg

H.A.M. 0
Georg Bernhard
Journalist und Wirtschaftspolitiker

Geb.  20.10. 1875 in Berlin
Gest. 10.02.1944 in New York/ USA

Nach dem Besuch des Realgymansiums und einer anschliessenden Banklehre arbeitet Bernhard von 1892 bis 1898  u.a. als Buchhalter und Börsenvertreter in diversen Berliner Banken, wechselt um die Jahrhundertwende zum Journalismus, schreibt als Handelsredakteur für die Ullsteinblätter Berliner Zeitung und Berliner Morgenpost und später auch regelmässig unter dem Pseudonym  „Plutus“ für Maximilian Hardens Zukunft. Daneben studiert er Rechts- und Staatswissenschaften an der Berliner Universität, tritt später der SPD bei – und wird nach heftigen Auseinandersetzungen mit August Bebel 1906 wieder aus der Partei ausgeschlossen.

Bereits seit 1904 gibt Georg Bernhard unter dem Namen „Plutus“  eine eigene Zeitschrift für Volkswirtschafts- und Finanzwesen heraus, die ab 1925 mit dem Magazin der Wirtschaft fusioniert. Ab 1908 hat er eine verantwortliche Position im Bereich Tageszeitungen des Ullstein-Verlages inne, steigt zum Direktionsmitglied auf, ist Verlagsleiter der Berliner Morgenpost und B.Z. am Mittag sowie Geschäftsführer der Ullstein Nachrichtendienst GmbH und ab 1914 Chefredakteur der Vossischen Zeitung. Ab 1916 unterrichtet er als Dozent, später (ab 1928) als Professor ehrenhalber an der Berliner Handelshochschule Bank-, Börsen- und Geldwesen, ist  ab 1915 bis Kriegsende Stadtverordneter der damals noch selbständigen Kommune Charlottenburg und gehört ab 1928 dem Deutschen Reichstag als Abgeordneter der Deutschen Demokratischen Partei an, der er vier Jahre zuvor beigetreten ist.

Bernhard, Mitglied im Reichswirtschaftsrat, bis Herbst 1930 Vorsitzender im Reichsverband der Deutschen Presse, Präsident der beim Völkerbund akkreditierten Journalisten, Vorsitzender der Fédération Internationale des Journalistes und Vorsitzender des Vereins Berliner Presse und Reichsarbeitsgemeinschaft der deutschen Presse,  muß Ende 1930 nach Auseinandersetzungen mit der Verlegerfamilie Ullstein schließlich seinen Posten als Chefredakteur abgeben, zieht sich aus sämtlichen politischen Ämtern zurück und arbeitet bis 1933 als Geschäftsführer beim Reichsverband deutschen Waren-Kaufhäuser.

Am 30. Januar 1933 übernehmen die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht.  Georg Bernhard gehört noch zu den Mitorganisatoren des Kongresses Das freie Wort, der am 19. Februar 1933 im großen Festsaal der Berliner Kroll-Oper stattfindet und die vorerst letzte von liberalen, sozialdemokratischen und kommunistischen Politikern organisierte öffentliche Veranstaltung in Berlin sein wird, zu deren  Unterstützern so bedeutende Persönlichkeiten wie Willi Münzenberg , Käthe Kollwitz , Albert Einstein , Max Brauer, Kurt Grossmann sowie Heinrich und Thomas Mann gehören.

Kurz darauf verläßt Bernhard Nazi-Deutschland und flieht über Kopenhagen nach Paris. Im Mai 1933 wird der renommierte jüdische Publizist aus dem Reichsverband der Deutschen Presse ausgeschlossen und seine Schriften werden verboten. Im französischen Exil arbeitet Georg Bernhard jedoch weiter journalistisch und gehört im Dezember 1933 zu den Mitbegründern des Pariser Tageblatts als Zeitung der deutschen Opposition, das ab 1936 als Pariser Tageszeitung weitergeführt wird und deren Chefredakteur Georg Bernhard bis 1937 ist. Er schreibt unter seinem alten Pseudonym „Plutus“ für diverse Exil-Zeitschriften und nimmt 1936 als Vertreter der Vereinigung deutscher Emigranten in Frankreich an der Flüchtlingskonferenz des Völkerbundes teil.

Nach seiner Entlassung als Chefredakteur folgt eine hauptberufliche Tätigkeit für den Jüdischen Weltkongreß, die allerdings mit dem deutschen Überfall auf Frankreich im Frühjahr 1940 ein abruptes Ende findet: Bernhard wird im südfranzösischen Lager Bassens interniert, kann jedoch mit Hilfe des Amerikaners Varian Fry und durch Vermittlung des Jewish Labor Comittee 1941 in die Vereinigten Staaten ausreisen, wo er u.a. für das Institute of Jewish Affairs des American Jewish Congress  tätig ist.

Der renommierte Journalist ist Autor zahlreicher finanzpolitischer Abhandlungen und veröffentlicht 1933 im Prager „Orbis“-Verlag mit seinem richtungweisenden Werk „Die deutsche Tragödie: der Selbstmord einer Republik“ eine scharfsinnige politisch-ökonomische Analyse zu den Vorbedingungen der nationalsozialistischen Machtergreifung, die bis heute nichts von ihrer Brisanz verloren hat. Georg Bernhard stirbt in seiner New Yorker Exilheimat im Alter von 68 Jahren.

Quellen:
Werner Röder/ Herbert A. Strauss: Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933, Verlag K.G. Saur, München 1999, S. 58

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