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Jerusalem-Jensen, Fritz

H.A.M. 0

Fritz Jerusalem-Jensen (chinesischer Name: Yǎn Fěidé 严斐德)
Schriftsteller u. Arzt

Geboren am 26. 12. 1903 in Prag/Östereich-Ungarn
Gestorben am 11. 4.1955 in Asien bei einem Flugzeugattentat


Fritz Jerusalem stammt aus einer liberalen jüdischen Fabrikantenfamilie in Wien. Seine spätere Tätigkeit als Schriftsteller dürfte von der Mutter beeinflusst worden sein, denn Else Jerusalem war zu ihrer Zeit eine bekannte Autorin. Ihr Sohn Fritz studierte jedoch erst einmal gutbürgerlich Medizin. Doch zugleich verkehrte der wissbegierige Student in sogenannten fortschrittlichen Intellektuellenkreisen wie die „Felonen“, mit Persönlichkeiten wie Elias Canetti oder Karl Kraus. Dieser Umgang brachte ihn umgehend in Kontakt zur Arbeiterbewegung und zur Kommunistischen Partei Österreichs, deren Mitglied er wurde. Zeitweise ist er mit der Schriftstellerin Ruth Tassoni verheiratet.
Während des Aufstandes gegen den Austrofaschismus im Februar 1934 richtet der Arzt Fritz Jerusalem in Wien einen Sanitätsdienst ein, der schwer verwundete „Schutzbündler“, al,so rote Kämpfer, heimlich in einem Krankenhaus unterbringt. Besonders gefährdete Genossen werden mit seinem Motorrad in die Tschechoslowakei gebracht, was nicht ungefährlich gewesen sein dürfte. So fallen diese Aktivitäten auch bald auf und Fritz Jerusalem im „Anhaltelager“ Wöllersdorf inhaftiert. Dort hält er sich durch körperliche Betätigung fit und leitet bald Kampfsport- und Studienzirkel. Nach seiner Freilassung kämpft er Mitglied der Internationalen Brigaden im spanischen Bürgerkrieg gegen Franco für die Republik.


Vor den Nazis, die inzwiswchen Österreich „angeschlossen“ haben ans Deutsche Reich, flüchtet Fritz Jerusalem nach China,wo er ab 1939 für das Chinesische Rote Kreuz nals Arzt tätig wird. Hinter den Truppen von Mao Tse Tung setzt er diese Arbeit fort und beteiligt sich am Widerstand gegen die japanische Besatzungsmacht und im Bürgerkrieg gegen die Kuomintang am Aufbau einer medizinischen Grundversorgung.
Er reist u.a. nach London, um gemeinsam mit Rolf Becker und anderen Ärzten Unterstützer für seine Projekte zu finden.
1948 kehrt Fritz Jensen nach Österreich zurück als Redakteur der KPÖ-Zeitung „Volksstimme“ arbeitet und sein Buch über den chinesischen Bürgerkrieg herausgibt. 1953 übersiedelt Fritz Jerusalem, der sich den Schriftstellernamen Jensen zugelegt hat, wieder nach China, reist nach Korea und Vietnam, wo er Ho Chi Minh und österreichische Kriegsgefangene interviewt.
Als Korrespondent kommunistischer Zeitungen in Österreich und der DDR kommt er bei einem Flug von Hongkong ins indonesische Bandung durch einen Bombenanschlag ums Leben – der Anschlag galt dem chinesischen KP-Führer Zhou Enlai, der sich aber gar nicht an Bord befand. Mit dem Arzt und Schriftsteller Jensen-Jerusalem starben zehn weitere Menschen. Der 53jährige Fritz Jensen-Jerusalem wurde am Heldenfriedhof Babaoshan in Peking beigesetzt.


Veröffentlichungen
•    China siegt (Wien, Stern 1949; Berlin, Dietz 1950).
•    Die Brücke von Berlin nach Peking (Berlin, Kongreß 1951).
•    Erlebtes Vietnam (Wien, Stern 1955; Berlin, Dietz 1955; Wien, Buchgemeinde 1955).
•    Opfer und Sieger (Berlin, Dietz 1955).
•    Hu Tschiau-mu [Hu Qiaomu]: 30 Jahre Geschichte der Kommunistischen Partei Chinas (Berlin, Dietz 1954); übersetzt von Fritz Jensen.


Literatur :
•    Eva Barilich: Fritz Jensen. Arzt an vielen Fronten (Biografische Texte zur Geschichte der Arbeiterbewegung 5; Wien, Globus 1991), ISBN 3853642136.
•    Alfred Kantorowicz: Deutsches Tagebuch (München, Kindler 1961).

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