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Szilárd, Leó

H.A.M. 0

Leó Szilárd
Physiker, Molekularbiologe und Schriftsteller

Geb: 11.2. 1898 in Budapest/ Österreich-Ungarn
Gest. 30.5. 1964 in La Jolla (Cal.)/ USA


Leó Szilárd„Der Einsatz der Bombe gegen Japan ist einer der größten Fehler in der Geschichte, […]. Ich habe getan, was ich konnte, um das zu verhindern, aber ohne Erfolg.“

(Leó Szilárd )*


Seine Familie gehört zum Budapester Großbürgertum, der Sohn besucht zuerst die Realoberschule und immatrikuliert sich danach an der Technischen Hochschule Budapest für das Studium der Elektronik.


Während des Ersten Weltkrieges wird der noch nicht Zwanzigjährige 1917 als Offiziersanwärter in die Österreichisch-Ungarische Armee eingezogen, muß sein Studium unterbrechen und kann es erst zwei Jahr später wieder aufnehmen. Die wirtschaftlichen Bedingungen im Ungarn der Zwischenkriegszeit, die instabile politische Situation und nicht zuletzt der zunehmende Antisemitismus unter dem regierenden Horty-Regime führen schließlich dazu, daß der Jude Leó Szilárd sein Geburtsland verläßt und nach Deutschland ins Exil geht.


In Berlin schreibt er sich an der dortigen Technischen Hochschule für das Ingenieurstudium ein, wechselt jedoch bereits kurz darauf an die renommierte Humboldt-Universität und zu Wissenschaftsgrößen wie Albert Einstein, Max Planck und Max von Laue, von dem er sich bereits im ersten Semester ein Dissertationsthema aus dem Bereich der Relativitätstheorie geben läßt. Allerdings beendet Szilárd diese Arbeit nicht, sondern wendet sich vielmehr speziellen Fragen aus der statistischen Thermodynamik zu, was ihm höchstes Lob von Einstein einträgt, als Dissertation anerkannt und in den Annalen der Physik publiziert wird. Im Alter von 29 Jahren übernimmt er eine Stelle als Privatdozent.

Seine ein Jahr später veröffentlichte Habilitationsschrift Über die Entropieverminderung in einem thermodynamischen System bei Eingriffen intelligenter Wesen wird nach dem Zweiten Weltkrieg zur Grundlage der mathematischen Informationstheorie werden.

Während seiner Berliner Zeit macht Leó Szilárd zahlreiche technische Erfindungen, die er auch zum Patent anmeldet, darunter ein Linearbeschleuniger (1928) sowie für ein Zyklotron (Teilchenbeschleuniger, 1929). Bereits seit 1926 arbeitet er mit Einstein an der Entwicklung eines Kühlschranks ohne Verdichter oder andere bewegliche Teile, den Automatischen Beton-Volks-Kühlschrank, für den Szilárd im November 1930 das US-Patent erhält.


Nach der Entdeckung des Neutrons wechselt er schließlich 1932 ganz zur Kernphysik, kann jedoch dann – aufgrund der politischen Entwicklungen in Deutschland nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten – seine bereits geplanten Experimente im Labor von Lise Meitner nicht mehr fortsetzen. Kurz nach dem Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 geht Leó Szilárd ein weiteres Mal ins Exil: zuerst nach Wien, und später nach Großbritannien.


Hier widmet sich der Wissenschaftler auch und vor allem der Isotopen-Forschung und entdeckt bei seiner Arbeit am Londoner Bartholomew’s Hospital den sogenannten Szilárd- Chalmers- Effekt zur Trennung chemisch identischer Isotope.
Bemerkenswert sind seine beiden Patenschriften zu den möglichen Effekten von Neutronenbombardements (März und Juni 1934). Szilárds grundlegende Hypothesen zur Kernenergie bleiben allerdings vorerst experimentell unüberprüft was z.T. auch an den fehlenden Geldmitteln für die zur Beweisführung notwendigen chemischen Elemente liegt.

Nach dem zwischen Großbritannien, Frankreich, Italien und Hitler-Deutschland unterzeichneten Münchner Abkommen vom 30. September 1938 zur Lösung der Sudentenkrise verläßt Leó Szilárd noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs endgültig europäischen Boden und emigriert in die Vereinigten Staaten.


Über die 1938 erste gelungene Kernspaltung durch Otto Hahn und Fritz Straßmann am Berliner Kaiser-Wilhelm-Institut erfährt Szilárd über einen Freund in Princeton – und läßt in den Met-Labs der New Yorker Columbia-University am 3. März 1939 sein eigenes Experiment folgen: zusammen mit dem us-amerikanischen Kernphysiker Walter Henry Zinn beobachtet Szilárd die bei der Kernspaltung durch freigewordene Neutronen hervorgerufenen Lichtblitze auf der Leuchtschicht einer Fernsehröhre.


Beunruhigt über die Erstarkung von Nationalsozialismus und Faschismus in Europa, überredet er den ebenfalls im us-amerikanischen Exil lebenden Physik- Nobelpreisträger Albert Einstein, zur Unterschrift unter einen Brief an den amerikanischen Präsidenten, in dem dieser aufgefordert wird, mit dem Bau einer Atombombe den nukleartechnischen Entwicklungen in Nazi-Deutschland zuvorzukommen. Mit diesem Schreiben wird ein entscheidender Baustein für das sogenannte Manhattan-Projekt zur Konstruktion der ersten Nuklearwaffen gelegt.


Gemeinsam mit dem italischen Kernphysiker Enrico Ferm initiiert Szilárd am 2. Dezember 1942 die erste Kettenreaktion in einem Reaktor und damit den ersten funktionierenden Atomreaktor.

Szilárds Versuche, den Einsatz der konstruierten Bomben schließlich doch noch zu verhindern, sind zum Scheitern verurteilt: seine erbetenen Gesprächstermine bei den Präsidenten Roosevelt und Truman kommen nicht zustande und auch der von ihm mitunterzeichnete Franck-Report – benannt nach dem deutsch- amerikanischen Physiker James Franck -, der sich entschieden gegen die Anwendung der Atombombe im Krieg gegen Japan ausspricht und statt dessen empfiehlt, der internationalen Gemeinschaft die „Neue Waffe“ auf unbewohntem Gebiet zu demonstrieren, bleibt ohne positive Resonanz. Am 12. Juni 1945 wird der Report dem stellvertretenden US-Verteidigungsminister in Washington überreicht – am 16. Juli wird in der Wüste von New Mexico die erste Atombombe der Welt gezündet. Am 6. August 1945 explodiert um 8 Uhr 16 morgens über der japanischen Stadt Hiroshima eine Uranbombe mit dem Namen Little Boy. Drei Tage später zerstört die Plutoniumbombe Fat Man mit einer fast doppelt so großen Sprengkraft Nagasaki.


Unter dem Eindruck dieses Sündenfalls der modernen Physik aber auch beeindruckt von dem Fortschritt der Molekularbiologie wendet sich Szilárd ab 1946 diesem Wissenschaftsgebiet zu, wo er schwerpunktmässig an Bakteriophagen und Bakterien forscht und sich Fragen der theoretischen Biologie widmet.

Eine schwere Krebserkrankung überwindet er mit Hilfe einer selbstentworfenen Strahlentherapie, engagiert sich auch noch im Alter aktiv gegen das atomare Wettrüsten und schreibt – neben seiner wissenschaftlichem und politischen Arbeit – zwar wenige, aber unter Kennern der Materie hochgeschätzte Science-Fiction- Kurzgeschichten.

Im Alter von 66 Jahren erleidet der renommierte Kernphysiker im Schlaf einen tödlichen Herzanfall.

Quelle:

http://de.wikipedia.org/wiki/Leo_Szilard
*) Das Eingangszitat wurde der folgenden
web-site entnommen: http://www.sueddeutsche.de/ wissen/artikel/956/57899/14/


Links (deutsch):

http://www.wdr.de/tv/q21/1578.0.phtml

http://www.uni-oldenburg.de/presse/f-aktuell/05-363.html

http://www.gagfactory.com/misc/cotti/Fermi.pdf

http://www5.in.tum.de/lehre/seminare/math_nszeit/SS03/vortraege/atom/timeline.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Atombombenabw%C3%BCrfe_auf_Hiroshima_und_Nagasaki

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,366010,00.html

http://www.uni-muenster.de/PeaCon/wuf/wf-95/9520301m.htm

http://www.erikstrub.de/soddy.pdf


International:

http://www.peak.org/~danneng/chronbio.html

http://www.peak.org/~danneng/decision/usnews.html

http://www.dannen.com/szilard.html

http://www.ppu.org.uk/learn/infodocs/st_science_under2.html

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