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Ajgi, Gennadi Nikolajewitsch

H.A.M. 0

Gennadi Nikolajewitsch Ajgi (eigtl. Gennadij Nikolajewitsch Lisin)
Lyriker


Geb. 21.8. 1934 in Schajmurshino/ UdSSR
Gest. 21.2. 2006 in Moskau/ Rußland


„die sekunden zogen weiße handschuhe an und rückten vor“ (Gennadi Ajgi)


Der Sohn aus einem alten Schamanengeschlecht am mittleren Lauf der Wolga in der autonomen Republik Tschuwaschkaja besucht das Gymnasium in Batyrevo, veröffentlicht Ende der vierziger Jahre erste eigene Gedichte in regionalen Zeitungen und geht 1953 zum Studium ans Moskauer Gorki-Literatur-Institut. In dieser Zeit setzt er sich auch und vor allem mit der russischen Avantgarde der 10er und 20er Jahre auseinander und schreibt weitere Gedichte in tschuwaschischer Sprache. 1957 lehnen die sowjetischen Behörden seinen Gedichtband als Abschlussarbeit ab.


Unter dem Einfluß von Boris Pasternak wechselt Ajgi 1960 zum Russischen und veröffentlicht ein Jahr darauf in der Moskauer Literaturzeitung erste russische Gedichte. Kurz darauf erhält er Publikationsverbot .Seinen Lebensunterhalt verdient sich der in äußerst bescheidenen Verhältnissen lebende Lyriker als Mitarbeiter beim Moskauer Majakovsky Museum, wo er u.a. Kunstausstellungen organisiert, und mit Literatur-Übersetzungen ins Tschuwaschiche. Gennadi Ajgis eigene Werke können von 1964 bis 1989 nur im Ausland erscheinen. Er veröffentlicht in Frankreich, Deutschland und der Tschechoslowakei, darunter 1982 eine von ihm selbst herausgegebene russische Werkausgabe, die (mit dem Vorwort von Pierre Emmanuel) in Paris erscheint. 1972 wird Gennadi Ajgi mit dem Poesiepreis der Académie Française ausgezeichnet, erhält 1993 den Petrarca-Preis und im Jahr 2000 den Pasternak-Preis des PEN-Weltkongresses. Seine Werke werden in über 40 Sprachen übersetzt.


„Ein Dichter und ein Maler, Charles Baudelaire und Kasimir Malewitzsch galten ihm als Fixsterne am Himmel seiner Poesie: Baudelaires ‚brand/ vom papier in die welt/‘ und Malewitzschs ‚arbeit um wie vom Himmel gesehen zu werden‘. Man könnte die Kräfte umschreiben, die sich zwischen diese Einflußgebiete spannen: Leidenschaft für die Schwerkraft des Diesseits und Verlangen nach der gegenstandslosen Leichtigkeit des Jenseits. Damit hätte man den fragilen Rahmen für das peotische Kraftfeld von Ajgi. Seine Gedichte sind Felder des zuinnerst Lebendigen im Flussbett der Gegenwart.“

Manfred Bauschulte: Stückwerk des Wunders, in: Freitag v. 3. März 2006, S. 16


Im deutschsprachigen Raum erscheint das Werk des immer wieder als Nobelpreis-Kandidat gehandelten Lyrikers in den Übersetzungen von Karl Dedecius und Felix Philipp Ingold. Auf Einladung des Deutschen Akademischen Austausch-Dienstes lebt und arbeitet Ajgi 1992/ 93 in Berlin.

Nach drei Monaten in einem Moskauer Krankenhaus stirbt der Lyriker im Alter von 71 Jahren.


Links (deutsch):

http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/23.02.2006/2370935.asp

http://www.petrarca-preis.de/2_0_26.php

http://de.wikipedia.org/wiki/Gennadi_Ajgi

 


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