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Betteln ist eine sehr unangenehme Sache, betteln aber und nichts bekommen ist noch unangenehmer. (Heinrich Heine) Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können sie uns mit beim weiteren Aufbau dieses Zentrums! Vielen Dank für Ihre Unterstützung! |
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"Wer
weiß heute noch, dass Elisabeth
Bergner, Billy
Wilder, Max Reinhardt oder Peter
Lorre vor der Nazidiktatur geflohen waren? Wer später geboren
wird, erinnert sich nicht mehr, er wird erinnert" Hajo Jahn, Journalist, Gründer und Vorsitzender der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft, Wuppertal |
| Wegner, Armin T. |
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Armin T(heophil) Wegner Johannes Selbdritt [Pseud.] und weitere Pseudonyme Schriftsteller, Redakteur, Sprachlehrer, Sanitätsoffizier Geb. 16.10.1886 in Elberfeld (heute: Wuppertal) Gest. 11.5.1978 in Rom
Wenn es einen Orden für Zivilcourage gegen Unrecht, Völkermord und Diktatoren geben würde, hätte Armin T. Wegner ihn verdient: Ein „Querdenker und Aufklärer, der dank seiner Vorahnungen und Weitsicht der eigenen Epoche weit voraus gewesen ist“ (Martin Rooney). Wegner war 1919 Mitbegründer und erster Geschäftsführer des „Bundes der Kriegsdienstgegner“. Doch Orden für Pazifisten sind paradox. Als Künstler wie Emil Nolde oder Dichter wie Gottfried Benn noch Sympathien für die Nazis hegten, schrieb Wegner hellsichtig einen Warnbrief an Adolf Hitler: “Herr Reichskanzler! In ihrer Bekanntgabe vom 29. März des Jahres hat die Staatsregierung die Acht über die
Geschäftshäuser aller jüdichen Bürger verhängt. Beleidigende Inschrift: >Betrüger! Nicht kaufen! Den Juden den Tod!< , gemalte Wegweiser: >Nach Jerusalem< - leuchteten an den Spiegelscheiben, Männer mit Knüppeln und Faustbüchsen hielten vor den Türen der Läden Wache, und zehn Stunden lang hat man die Hauptstadt zum Schauplatz der Belustigung der Massen gemacht... es geht nicht um das Schicksal der jüdischen Brüder allein, es geht um das Schicksal Deutschlands! Im Namen des Volkes, für das zu sprechen ich nicht weniger das Recht habe als die Pflicht, wende ich mich an Sie: Gebieten Sie diesem Treiben Einhalt!“
Schon einmal hatte Armin T. Wegner furchtlos Verbrechen angeprangert, nämlich den Völkermord der „Jungtürken“ an den christlichen Armeniern, den ersten Genozid im 20. Jahrhundert. Den hatte er als Zeitzeuge aus nächster Nähe miterlebt und verbotenerweise dokumentiert. Als Sohn eines Reichsbahnbaurats und einer Frauenrechtlerin eher zufällig in Elberfeld (heute ein Stadtteil von Wuppertal) geboren, stand Wegner der Sozialdemokratie nahe und wurde unter dem Einfluß der Mutter Pazifist. Das grenzte im Kaiserreich geradezu an Verrat. In seiner Dissertation „Der Streik im Strafrecht“ behandelte er 1914 das Thema Gerechtigkeit in einer Industriegesellschaft, das von der positivistischen Jurisprudenz bis dahin ausgeklammert war.
Der Historiker Martin Rooney, der mit Wegner in dessen letzten Lebensjahren befreundet war, schrieb über diese Zeit: „Trotz strengen Verbots begab sich W. in die armenischen Flüchtlingslager, machte Hunderte und aber Hunderte photographischer Aufnahmen vom Genozid, schmuggelte Briefe der Verfolgten zur amerikanischen Botschaft und schrieb detailliert auf, wie Armenier zu Tode kamen. W.s unerwünschte Anteilnahme an dem Ausrottungsfeldzug des Bündnispartners Türkei, seine Versuche in Berlin, die deutsche Öffentlichkeit aufzuklären... machten ihm das Leben an der Front in der Türkei schwer.“ Wegner wurde zum Dienst in die Cholera- Baracken strafversetzt und schließlich
aus dem Militärdienst entlassen. In Berlin beteiligte er sich an
politischen Initiativen wie dem „Bund der Aktivisten“ oder
dem „Rat geistiger Arbeiter“. Schrieb und redigierte mit an
Erklärungen wie dem „Bekenntnis zur Unantastbarkeit des Lebens“,
votierte für den Völkerbund, Veränderung des Geschichtsunterrichts
und der Presse mit Garantie gegen Chauvinismus, Antisemitismus und andere
Formen der Volksverhetzung. Weg mit Wehrpflicht, Kadavergehorsam, Rüstungsfrevel
und Morderziehung!, forderte er auf Vortragsreisen durch halb Europa.
Anlässlich der Friedensverhandlungen in Versailles appellierte er
in einem Offenen Brief an den amerikanischen Präsidenten Woodrow
Wilson, sich für das armenische Volk einzusetzen und den Verbrechen
an dieser Minderheit in der Türkei ein Ende zu setzen. Vergeblich,
die „Staatssinteressen“ waren wichtiger.
Gegen das „organisierte Schweigen“, wie es Ralph Giordano nannte, habe sich kein anderer deutscher Pazifist so nachhaltig engagiert wie Armin T. Wegner, der akribisch die organisierte Abschlachtung und Ausrottung der schutzlosen Zivilbevölkerung, die Hungermärsche mit ihren Durst- und Seuchentoten beschrieben hatte. „Die Welt blieb stumm – eine Ermutigung für ein weiteres Großverbrechen wie Auschwitz“ (Rooney).
"Du
sahst mich nicht, als ich abseits stand und dir zuschaute, wie du deine
KInder unter dem hellen Mond auf die staubige Erde bettetest. Das Mädchen
zur linke Seite des Knaben, wie du sie einhülltest in die mit buntem
Kattun bezogene Decke, jede Nacht, jede Nacht seit man dich forttrieb
in die Fremde. Wie sie da ruhten in tiefer Gebundenheit, den Mund voll
Schlaf, die kleinen
Hände auf der Decke, die sich zitternd, ein zusammengerolltes Blatt,
in das Licht krümmten. Du hattest dich auf die nackte Erde gekauert,
zwischen das verborgene Kochgeschirr. Die Augen waren dir vor Müdigkeit
zugefallen, während deine Gedanken
noch in die Ferne wanderten, durch die Zimmer des alten Hauses, in dem
der Wind und die Stille zu Gast waren. Zu dem Angesicht dessen, den du
liebtest, den sie am Tag hinter der Mauer erschlugen. Zu deinem Bette,
das dich warm hielt, auf der löchrigen Diele, die von dem Singen
der Wiege klang, die von den eilenden Schritten deiner Kinder erbebte... Da
lagst du, allein unter Tausenden, die mit dem Rauch ihrer Zelte die Ebene
füllten, aus der die Wolke der Fieberdünste aufstieg. Verloren
unter den Flüchtigen, dem Gestrüpp fremder Männer, die
schwer atmend mit der Brust auf dem Boden schliefen, als hätte man
sie mit Gewalt aus der Höhe gestürzt. Aufgelöst breitete
sich neben ihnen dein Haar aus, das von den Füßen Vorübergehender
auf der Erde zertreten wurde, zwischen unwirklich gewordenen Gliedmaßen
von Menschen, abgehauenen Baumzweigen gleich, deren Seelen noch an den
alten Stätten weilten, während ihr Leib im Traum schon wieder
auf der Flucht war, fort, fort...
Quelle:
"Einer armenischen Mutter - Bagdad, 1916", Noch
im Vorderen Orient schrieb Armin T. Wegner seine ersten Prosabände,
die er später in Berlin veröffentlichte, so „Der Weg
ohne Heimkehr“, 1919, „Im Haus der Glückseligkeit“,
1920, oder „Der Knabe Hussein“, 1921. Der Autor hatte
sich bereits vor dem Krieg mit der literarischen Avantgarde in Berlin
angefreundet, u.a. mit Else Lasker-Schüler,
Herwarth Walden, Georg Heym
oder Franz Pfempfert. Er veröffentlichte Lyrik , engagierte sich
aktiv in der Linksopposition der „Deutschen Friedensgesellschaft"
und war 1926 neben dem geheimnisumwitterten Abenteuerschriftsteller B.
Traven für die Büchergilde Gutenberg die bedeutendste Entdeckung.
Dort erschien 1932 seine bedeutendste Reisebeschreibung. Die „Jagd
durch das tausendjährige Land“ war zugleich ein spannender
Bericht über die jüdischen Rückwanderer, die aus dem wüsten
und verwüsteten Land eine fruchtbare Heimat machen wollten.
Es verwundere kaum, erzählt Martin Rooney, dass Wegner im Feindbild der Nationalsozialisten stand. Als Autor des Berliner Rundfunks wurde er als >Kulturbolschewist< immer heftiger angegriffen. Die Kampagne gegen ihn begann mit Diffamierungen, eskalierte zur Ausgrenzung und endete nach seinem offenen Brief an Hitler mit Terror und einem Leidensweg durch sieben Gefängnisse und drei Konzentrationslagern. Am Ende stand die Exilierung. Die überlebte Wegner „als Gefangener einer goldenen Muschel“ im italienischen Positano.
Die letzten Lebensjahre verbrachte Wegner in Rom, wo er, unbeachtet in Deutschland, mit 91 starb. Verbittert. Zwar kehrte ihn seine Geburtsstadt Wuppertal mit dem städtischen Kutlurpreis, der, Ironie der Geschichte, nach dem Antisemiten und Nazibewunderer Eduard von der Heydt benannt ist. Doch die Bundesrepublik hat ihn nie gewürdigt, nie heimgeholt. Mehr noch aber war er enttäuscht über den Untergang einer Kultur, wie er gegenüber Rooney klagte, die „für immer in den Abgrund der Zeiten“ verschwunden sei. Die Israelis ehrten ihn durch einen Baum in der Allee der Gerechten der Völker in Yad Vashem, die Armenier haben ihm posthum ein Staatsbegräbnis in ihrer Hauptstadt Eriwan (Jerewan) ausgerichtet. Autor: Hajo Jahn
Armin T. Wegner "Fällst du, umarme auch die Erde oder Der Mann, der an das Wort glaubt", Peter Hammer Verlag, 1974 1. Aufnahme aus dem Ersten Weltkrieg, als Sanitätsoffizier im türkischen Heer und Krankenpfleger des Roten Kreuzes. Das Foto entstand in Aleppo nach Rückkehr aus Bagdad. 2. Wegner mit seiner ersten Frau, der Schriftstellerin Lola Landau (1928) 3. Armin T. Wegner während seiner Zeit im Konzentrationslager (1933) 4. Titelzeichnung von Ludwig Meidner zu einem Buch Wegners 5. Eines der Todeslager der vertriebenen Armenier (1915) 6. Wegner mit seiner zweiten Frau, der Künstlerin Irene Kowaliska, auf der Treppe ihres Hauses in Positano (1950) 7. Armin T. Wegner mit 78 Jahren: Der Einsiedler der Insel Stromboli 8. Das Arbeitszimmer Armin T. Wegners in Rom
9.
Wegners Totenmaske (Mai 1978) Jörg Aufenanger:
Jugend in
Breslau
"Der
Philosoph und Schriftsteller Günther
Anders ist in Breslau geboren und hat seine Kindheit und
früheste Jugendjahre dort - hier muß ich hier ja sagen verbracht. Zum Weiterlesen klicken Sie bitte hier (PDF-Dokument)... Quelle: Zweiseelenstadt - Ein Else-lasker-Schüler-Almanach, Herausgegeben von Hajo Jahn/ Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft sowie dem Willi-Brandt-Zentrum für Deutschland- und Europastudien an der Universität Wroclaw, Peter-Hammer-Verlag, Wuppertal 2004, S. 113 - 136. Literatur: Armin T. Wegner: "Brief an Hitler", 56 S., broschiert, Peter Hammer-Verlag, Wuppertal, ISBN 3-87294-910-1
ders.:
Odyssee der Seele. Ausgewählte Werke, Peter Hammer-Verlag,
Wuppertal, ISBN 3-87294-886-5 Lola Landau/Armin T. Wegner: Welt vorbei - Abschied von den sieben Wäldern. Die KZ-Briefe 1933/1934. Aus dem Nachlaß herausgegeben von Thomas Hartwig. Verlag Das Arsenal, Berlin 1999, ISBN 3-93110-914-3 Martin Rooney: Das Leben und Werk des expressionistischen Dichters A.T. Wegner. Bremen 1982 (Dissertation) ders.: Leben und Werk Armin T. Wegners (1886-1978) im Kontext der sozio-politischen und kulturellen Entwicklung in Deutschland. Franfkurt/M. 1984 Abresch, J.: (1990): Entschiedene Mahner und Warner: Armin T. Wegner., in Der Weg 45, Nr. 4 (21.01.1990), S. 11.Links (deutsch): http://www.bautz.de/bbkl/w/wegner.shtml http://www.humanismus.de/downloads/zivilcourage.pdf http://www.dla-marbach.de/kallias/hyperkuss/w-16.html http://www.wuppertal.de/index1.cfm?http%3A//www.wuppertal.de/kultur_bildung/autoren_wegner.cfm International:
http://www.imprescriptible.fr/dossiers/media/wegner/ http://www.yad-vashem.org.il/righteous/bycountry/germany/wegner_armin_t.html http://www.abrilbooks.com/Bookinfo/Genocide/ArminTWegners.htm |