DeutschEnglishSpanishČeštinaHebrew (Israel)FrenchFarsiPolish

Spenden

Betteln ist eine sehr unangenehme Sache,  betteln aber und nichts bekommen ist noch unangenehmer. (Heinrich Heine)

Helfen sie uns mit beim weiteren Aufbau dieses Zentrums!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Veranstaltungen

NEU ERÖFFNET: MAX PECHSTEIN-MUSEUM IN ZWICKAU

In den Kunstsammlungen seiner Heimatstadt findet das Lebenswerk des gebürtigen Zwickauers Max Pechstein nun einen eigenen Ausstellungsort. Seit dem 12. April 2014 werden knapp 50 Werke aus Pechsteins gesamter Schaffenszeit...

Wir auf Facebook

Kreisky, Bruno Drucken E-Mail

Bruno Kreisky
Jurist und Politiker 


Geb. 20.1. 1911 in Wien/ Österreich-Ungarn
Gest. 29.7. 1990 in Wien/ Österreich


Bruno Kreisky"Weder die Taten der Regierung, noch die aufmerksame Lektüre nichtsozialistischer und anti­marxistischer Werke ließen mir eine andere Lösung als die des Sozialismus möglich erscheinen. Ich halte weiter den Klassenkampf für das einzige Mittel der Befreiung der Arbeiterschaft."

(Bruno Kreisky in seiner Verteidigungsrede beim Sozialistenprozeß 1936 in Wien) (*)


Bruno Kreisky,  zweitältester Sohn einer wohlhabenden Wiener Familie jüdischer Abstammung, kommt bereits  während seiner Schulzeit  mit der Arbeiterbewegung in Kontakt. Zu den ersten ihn prägenden politischen Erlebnissen gehört seine Teilnahme an einer Mittelschüler-Demonstration vor dem Gebäude des Wiener Stadtschulrates nach einem Schülerselbstmord im Jahr 1925 - ein Ereignis, dem der Schriftsteller Friedrich Torberg übrigens später in seinem erfolgreichsten Roman Der Schüler Gerber hat absolviert (später nur noch: Der Schüler Gerber) ein literarisches Denkmal setzen wird. 

1926 schließt sich Kreisky dem Verband der Sozialistischen Mittelschüler  an und wechselt im darauffolgenden Jahr zum Verband der Sozialistischen Arbeiterjugend, wo er sehr bald schon  schon verantwortungsvolle Ämter innehat.


Wenngleich sein Interesse eigentlich der Medizin gilt, nimmt Kreisky im Herbst 1930 das Studium der  Rechtswissenschaften auf. Politisch wachsam, warnt der Obmann des Reichsbildungsausschusses bereits in den frühen 30er Jahren vor dem aufkeimenden Austro-Faschismus und gehört zu jenen, die im Februar 1934 im Wienerwald die  illegale Revolutionäre Sozialistischen Jugend ins Leben rufen. Unmittelbar nach Kreiskys Teilnahme an der ersten Reichskonferenz der Revolutionären Sozialisten in Brünn zur Jahreswende 1934/ 35 wird er festgenommen, im Januar 1936 unter der Anklage des Hochverrats zu einem Jahr Haft verurteilt,w enige Monate später  aber bereits wieder auf freien Fuß gesetzt. Da ihm der weitere Hochschulbesuch verboten, jegliche Auslandsreise untersagt und auch die Arbeitsaufnahme in Wien nicht gestattet wird, verdient sich Kreisky vorübergehend seinen Lebensunterhalt als Textil-Hilfsarbeiter in einer Lodenfabrik in Kärnten. 


1938 darf er sein unterbrochenes Studium mit der Promotion zum Dr. jur. abschließen und legt seine letzte Prüfung am 14. März ab - einen Tag nach dem Anschluß Österreichs an Hitlerdeutschland. Kurz darauf  wird er in Schutzhaft genommen. Zu seinen Zellengefährten zählt in dieser Zeit u.a. der Wiener Kabarettist Fritz Grünbaum.

Nach mehrmonatiger Inhaftierung vor die Wahl gestellt, entweder in Haft zu bleiben oder das Land zu verlassen, geht Bruno Kreisky schließlich ins schwedische Exil.


Hier arbeitet er als Sekretär in der Stockholmer Konsumgenossenschaft, schreibt daneben für diverse in- und ausländische Zeitungen und lernt 1940 bei einem Kongreß den ebenfalls im Exil lebenden Willy Brandt kennen, mit dem ihn fortan eine lebenslange Freundschaft verbinden wird. 

Bereits im Exil arbeitet der mittlerweile zweifache Vater an Konzepten für ein Österreich nach dem Krieg. Sofort nach Kriegsende knüpft Kreisky Verbindungen zwischen dem schwedischen Hilfswerk und Österreich und betritt 1946 erstmals wieder österreichischen Boden, nachdem ihm zuvor die Einreise durch die US-Besatzungsmacht verweigert worden ist. Noch im Juli desselben Jahres wird Bruno Kreisky österreichischer Interessensvertreter in Schweden.

Ende 1949 kehrt er endgültig in seine Geburtsheimat zurück,  arbeitet in der Abteilung für auswärtige Angelegenheiten im Kanzleramt (dem heutigen Außenministerium) und wird 1951 vom damaligen Bundespräsidenten zu dessen  politischen Berater  und Kabinettsvizedirektor ernannt. 1953 folgt die nächste Stufe auf der politischen Karriereleiter: Bruno Kreisky wird Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten, nimmt seine Tätigkeit in der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) auf und nimmt später dann auch an den Verhandlungen zum österreichischen Staatsvertrag teil, der 1955 in Kraft tritt. 

Am 13. Mai 1956 wird Kreisky in den Nationalrat gewählt und drei Jahre später Außenminister (bis 1966)  der Republik Österreich.  Der (seit 1967) Bundesvorsitzende der SPÖ macht die Sozialdemokraten 1970 zur stärksten Partei und wird kurz darauf zum erstenmal österreichischer Bundeskanzler. Nachdem er er zunächst nur eine Minderheitsregierung hat bilden können, gewinnt Bruno Kreisky  bei den Wahlen 1971 die absolute Mehrheit. Ein Ergebnis, das sich noch zwei weitere Male widerholen wird.


Bereits in seiner Zeit als Außenminister entwickelt Kreisky die Idee eines Marshallplanes für die Dritte Welt und knüpft in den frühen 60er Jahren erste Kontakte zu den arabischen Staaten. Die Nahostfrage und der Nord-Süd-Konflikt werden zeit seines Lebens zu den Themen gehören, denen er sich besonders verbunden fühlt. 1978 kommt es in Wien zum Treffen zwischen Bruno Kreisky, Willy Brandt, Shimon Peres und Anwar el-Sadat, ein Jahr darauf zum Brandt-Kreisky-Arafat-Gipfel. Auch und vor allem Kreiskys Haltung zum Palästinenser-Problem trägt ihm allerdings immer wieder heftigste Kritik ein, nicht zuletzt auch von israelischen Parteifreunden.  

Geradezu legendär ist sein gespanntes Verhältnis zum Nazi-Jäger Simon Wiesenthal, der in den 70er Jahren vehement gegen den Verbleib von vier Ministern mit NS-Vergangenheit in der Regierung Kreisky protestiert. 


Mit Verlust der absoluten Mehrheit 1983 lehnt Kreisky eine weitere Kanzlerschaft ab, legt den Parteivorsitz nieder und zieht sich ins Privatleben zurück. Der mittlerweile schwerkranke Ehrenvorsitzende der SPÖ überwirft sich nach wiederholten Unstimmigkeiten und Auseinandersetzungen in den späten achtziger Jahren endgültig mit seiner Partei, gibt den Ehrenvorsitz ab und widmet sich  vor allem den Arbeiten an seiner Autobiografie. Auch seine Tätigkeit für die Sozialistische Internationale, deren Stellvertretender Vorsitzender er seit 1976 ist, beendet Bruno Kreisky im Jahre 1989.   

Kreisky stirbt im Alter von 79 Jahren und wird unter großer öffentlicher Anteilnahme im Rahmen eines Staatsaktes am 7. August 1990 auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. Sein Freund und politischer Wegbegleiter über viele Jahrzehnte, Willy Brandt, verabschiedet sich von ihm mit den folgenden Worten: "Seine Welt war größer als sein Land. Er hat sich um die Gemeinschaft und das Wohlergehen der Völker verdient gemacht. Ruhe in Frieden, lieber, schwieriger und guter Freund!" (zitiert nach: WZonline, 2000)  


Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Bruno_Kreisky  und: http://www.wienerzeitung.at/linkmap/personen/kreisky.htm


Aus Anlaß seines 65. Geburtstages wird 1976 der Bruno-Kreisky-Preis für Verdienste um die Menschenrechte ins Leben gerufen und seitdem im zweijährlichen Rhythmus vergeben. Zu den PreisträgerInnen zählen u.a. der 1995 hingerichtete kenianische Schriftsteller Ken Saro Wiwa, Nelson Mandela, Uri Avnery sowie die kurdische Politikerin und Menschenrechtsaktivistin Leyla Zana


Ebenfalls im Andenken an den Alt-Bundeskanzler und ehemaligen SPÖ-Parteivorsitzenden wird seit 1993 der mit 7 Tausend Euro dotierte Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch vergeben. Zu den bisher Ausgezeichneten gehören u.a.  die Sozialforscherin Marie Jahoda, der britische Historiker Eric Hobsbawm, die Schriftstellerin Ruth Klüger sowie die Journalistin und ZEIT-Herausgeberin Marion Gräfin Dönhoff. 


(*) Das Zitat wurde entnommen aus:
http://www.dasrotewien.at/online/page.php?P=11843

Literatur:

Robert Kriechbaumer:
Die Ära Kreisky
Österreich 1970-1983 in der historischen Analyse,
im Urteil der politischen Kontrahenten und in Karikaturen von Ironimus.
(Schriftenreihe des Forschungsinstitutes für politisch-historische
Studien der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek, Band 22)
Wien, Köln, Weimar: Böhlau 2004/5
ISBN 3-205-77262-8 

O. Rathkolb, J. Kunz und M. Schmidt (Hrsg.):
Bruno Kreisky. Memoiren in drei Bänden
1) Zwischen den Zeilen
2) Im Strom der Politik,
3) Der Mensch im Mittelpunkt.
Das Vermächtnis eines großen Europäers
Wien, Münschen, Zürich: Kremayr & Scheriau
ISBN: 3-218-00684-8


Links (deutsch):

http://www.wienerzeitung.at/linkmap/personen/kreisky.htm

http://dispatch.opac.d-nb.de/DB=4.1/REL?PPN=118566512

http://www.kreisky.org/start_net.htm

http://www.hagalil.com/archiv/98/11/kreisky.htm

volume_up.gifhttp://science.orf.at/science/gastgeber/138419

http://www.mediathek.ac.at/galerien_1/oesterreichische_stimmportraets_1/oesterreichische_stimmportraets_2/Bruno_Kreisky