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NEU ERÖFFNET: MAX PECHSTEIN-MUSEUM IN ZWICKAU

In den Kunstsammlungen seiner Heimatstadt findet das Lebenswerk des gebürtigen Zwickauers Max Pechstein nun einen eigenen Ausstellungsort. Seit dem 12. April 2014 werden knapp 50 Werke aus Pechsteins gesamter Schaffenszeit...

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Baumeister, Friedrich Wilhelm Drucken E-Mail

Friedrich Wilhelm (Willi) Baumeister

Maler, Grafiker, Bühnenbildner, Typograf,

Kunsttheoretiker, Autor und Hochschullehrer

Geb. 22.01. 1889 in Stuttgart

Gest.  31.08. 1955 ebenda


In seiner württembergischen Geburtsstadt besucht er die Friedrich-Eugens-Oberrealschule bis zur Mittleren Reife. Nach einer Ausbildung als Dekorationsmaler von 1905 bis 1907 leistet er von Herbst 1907 bis Herbst 1908 seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger in Stuttgart ab, nimmt bereits während der Ausbildungszeit (1905/1906) sein Kunststudium an der Kunstakademie Stuttgart auf, besucht Robert Poetzelbergers Zeichenklasse und nimmt bei Josef Kerschensteiner zusätzlich Unterricht. 1906 setzt Baumeister seine Malerlehre fort, die er 1907 mit der Gesellenprüfung beendet.


Nach dem Militärdienst nimmt Willi Baumeister sein Studium an der Kunstakademie wieder auf, wird jedoch von seinem Lehrer Poetzelberger wegen mangelnder Begabung als Schüler abgelehnt. Baumeister studiert daraufhin bis 1912 in der Kompositionsklasse von Adolf Hölzel und lernt hier auch Oskar Schlemmer kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden wird.


Im Jahr 1911 unternimmt er seine erste Paris-Reise, beteiligt sich 1912 an einer Ausstellung in einer Züricher Galerie und nimmt  im darauffolgenden Jahr am Ersten Deutschen Herbstsalon in der von Herwarth Walden (Ehemann der  Dichterin Else Lasker-Schüler) gegründeten Berliner Galerie ‘Der Sturm‘ teil. “Der „Sturm“ machte Künstler wie Franz Marc, August Macke, Gabriele Münter, Marc Chagall oder Robert Delaunay bekannt und half, die „Kunstismen“, Expressionismus, Futurismus, Dadaismus und Konstruktivismus durchzusetzen“ (hier zitiert aus:  http://www.tagesspiegel.de/kultur/100-jahre-der-sturm-herwarth-walden-goldblond-ist-heute-die-nacht/6342510.html).


1914 hat Baumeister seine erste Einzelausstellung im Stuttgarter ‘Neuen Kunstsalon‘. Ihm, Schlemmer und Hermann Stenner vermittelt Adolf Hölzel im selben Jahr den Auftrag zur Ausführung von Wandgemälden in der Kölner Werkbundausstellung.


Bevor Willi Baumeister im Sommer 1914 zum Kriegsdienst eingezogen wird, unternimmt er Reisen nach Amsterdam, London und Paris und begegnet auch noch in Zeiten des Krieges Künstlerkollegen, so 1915 in Wien dem Maler Oskar Kokoschka und dem Architekten Adolf Loos. 1916 beteiligt er sich an der Ausstellung ‘Hölzel und sein Kreis‘ im Kunstverein Freiburg im Breisgau, die Ausstellung wird anschließend auch im Kunstsalon Ludwig Schames in Frankfurt am Main gezeigt. Noch vor seiner Entlassung aus dem Militärdienst 1918 stellt Hölzel, zusammen mit seinem Freund Oskar Schlemmer, in der Stuttgarter Galerie Schaller aus. Baumeister und Schlemmer versuchen, Paul Klee an die Stuttgarter Akademie zu bringen, stoßen mit diesem Vorhaben aber auf Ablehnung.


Nach Ende des Ersten Weltkrieges wird Willi Baumeister 1919 in die Berliner Künstlervereinigung ‘Novembergruppe‘ aufgenommen, gegründet 1918 von Max Pechstein, unmittelbar nach der deutschen Kapitulation und dem Sturz der Monarchie und bis 1933 eine der bedeutendsten Zusammenschlüsse deutscher Künstler.


In Stuttgart ergreift Baumeister mit Schlemmer und anderen Künstlern 1919 die Initiative zur Gründung der Künstlergruppe ‘Üecht‘ (alemannisch: echt, wahr), verlässt sie aber 1921 bereits wieder. 1919 entsteht sein erstes Bühnenbild, dem insgesamt 17 weitere folgen. 1920 beendet er sein Kunststudium, arbeitet als freier Künstler und nimmt an Ausstellungen in Berlin, Dresden und Hagen teil. Seine Bekanntheit und die über Deutschland hinaus weisende Anerkennung wird in einer gemeinsamen Ausstellung mit Fernand Léger in der Berliner Galerie ‘Der Sturm‘ im Jahre 1922 deutlich. In diesen Jahren entwickelt Baumeister Beziehungen zu Künstlern wie Paul Klee, Léger, Le Corbusier, Ozenfant oder Michel Seuphor. 1924 werden einige seiner Arbeiten auf der ‘Ersten Allgemeinen Deutschen Kunstausstellung‘ in Moskau gezeigt. 1925 wird Baumeister zum Sondersachverständigen für farbige Hausanstriche der Württembergischen Bauberatungsstelle ernannt und nimmt an der Pariser Ausstellung “L’Art d’aujourd’hui“ (“Kunst heute“) teil. Parallel zu seiner künstlerischen Arbeit widmet er sich der Gebrauchsgrafik und entwirft Anzeigen für Unternehmen wie Bosch und DLW (Deutsche Linoleumwerke).


1926 heiraten Willi Baumeister und die Malerin Margarete Oehm. Noch im selben Jahr bietet sich ihm die Gelegenheit, in New York an der “International Exhibition of Modern Art“ (Internationale Ausstellung Moderner Kunst) teilzunehmen. Im Jahr darauf folgt eine Einzelausstellung in Paris.


1927 wird Baumeister auf Empfehlung von Fritz Wichert an die Frankfurter Kunstgewerbeschule, die spätere Städelschule, berufen. Hier leitet er von 1928 an die Klasse für Gebrauchsgrafik, Typographie und Stoffdruck. Eine im folgenden Jahr ausgesprochene Berufung an das Bauhaus in Dessau sagt er ab. Ab 1930 betreut er die Gestaltung der Zeitschrift des Neuen Frankfurt. Während Baumeister seit 1927 Mitglied im „ring neue werbegestalter“ ist (Vorsitzender ist Kurt Schwitters) tritt er 1930 der Künstlervereinigung ‘Cercle et Carré‘ (Kreis und Quadrat) bei. Noch im selben Jahr erhält das Mitglied der “Abstraction-Création“  den Württembergischen Staatspreis für sein Gemälde “Linienfigur“.


In Folge der Machtübergabe an die Nationalsozialisten verliert Baumeister am 31. März 1933 seine Professur an der Kunstgewerbeschule. Nach seiner Rückkehr ins württembergische Stuttgart im April 1933 lebt Baumeister hauptsächlich von Gebrauchsgrafik, unternimmt jedoch noch Reisen in die Schweiz, nach Italien und Frankreich. 1936 lernt er durch die Vermittlung des Wuppertaler Architekten Heinz Rasch - mit dem er seit der Zusammenarbeit bei der Bauausstellung 1924 in Stuttgart befreundet ist – Den Lackfabrikanten Dr. Kurt Herberts kennen und arbeitet ab 1937 in dessen Unternehmen, wie auch mit ihm noch andere von den Nazis verfemte Künstler, darunter Hans Hildebrandt, Franz Krause, Alfred Lörcher, Georg Muche - und sein Freund Oskar Schlemmer.


Baumeister, von dem fünf seiner Werke in der nationalsozialistischen Ausstellung “Entartete Kunst“ gezeigt werden,  hat, bis 1941 ein Mal- und Ausstellungsverbot der Reichskammer der bildenden Künste ergeht, noch vielfach die Gelegenheit, seine Arbeiten im europäischen Ausland auszustellen. Trotz des Verbotes und stetiger Überwachung arbeitet er parallel zu seiner Tätigkeit in der Lackfabrik Herberts an seinem künstlerischen Werk. Als 1943 Wuppertal und schließlich ebenfalls bei einem Bombenangriff Baumeisters Haus in Stuttgart unbewohnbar wird, überseidelt er mit seiner Familie nach Urach an der Schwäbischen Alb.


Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges schließt 1945 Willi Baumeister sein bereits 1943/44 begonnenes Buch “Das Unbekannte in der Kunst“ ab, das 1947 erscheint. 1947 nimmt er seine Ausstellungsaktivitäten wieder auf, wird 1946 als Leiter der Klasse für Dekorative Malerei an die Stuttgarter Kunstakademie berufen, ist 1949 Mitbegründer der Künstlergruppe ‘Gegenstandslose‘, die 1950 unter dem Namen ‘ZEN 49‘ erstmals ausstellt. Baumeister begegnet Fritz Winter, Ernst Wilhelm Nay und zahlreichen anderen, die sich in der bildenden Kunst nach dem Ende von Krieg und Diktatur in Deutschland für einen Neuanfang und den Anschluss an internationale Entwicklungen engagieren. Im Juli 1950 nimmt er am “Ersten Darmstädter Gespräch“ anlässlich der Ausstellung “Das Menschenbild in unserer Zeit“ teil und verteidigt die moderne Kunst gegen Hans Sedlmayrs These vom “Verlust der Mitte“.


Baumeister ist zu dieser Zeit bis zu seinem Tod 1955 auf dem Höhepunkt seiner künstlerischen Karriere angelangt, was in vielen nationalen und internationalen Ausstellungsbeteiligungen seinen Ausdruck findet (z. B. Teilnahme an der Biennale von Venedig 1948 und 1952, Biennale São Paulo (Brasilien) 1951 (Preis für sein Gemälde “Kosmische Geste“), Younger European Artists, Guggenheim-Museum New-York).


1955  scheidet Willi Baumeister aus Altersgründen an der Stuttgarter Kunstakademie aus,  erhält allerdings noch einen Lehrauftrag für das folgende Semester. Aus seinem Schülerkreis sind prominente Künstler hervorgegangen, unter anderem Klaus Bendixen, Karl Bohrmann, Peter Brüning, Hans Werner Geerdts, Peter Grau, Klaus Jürgen-Fischer, Herbert W. Kapitzki, Emil Kiess, Frans Krajcberg, Antonio Máro, Eduard Micus, Luisa Richter, Friedrich Seitz, Ludwig Wilding, die größtenteils wieder als Hochschullehrer gewirkt haben.


Im Alter von 66 Jahren stirbt Baumeister mit dem Pinsel in der Hand, vor seiner Staffelei sitzend, in seinem Atelier in Stuttgart.


Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Willi_Baumeister

http://www.tagesspiegel.de/kultur/100-jahre-der-sturm-herwarth-walden-goldblond-ist-heute-die-nacht/6342510.html


Links (deutsch):

filmhttp://www.willi-baumeister.org/

http://www.van-ham.com/datenbank-archiv/datenbank/willi-baumeister.html

http://www.hdg.de/lemo/html/biografien/BaumeisterWilli/

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44435397.html

filmhttp://www.ardmediathek.de/swr-fernsehen/nachtkultur/die-ausstellung-willi-baumeister-international?documentId=17633938

http://alfredflechtheim.com/kuenstler/willi-baumeister/

http://www.nrw-museum.de/#/mehr/biografien/detailansicht/details/artists///willi-baumeister.html


International:

http://www.willi-baumeister.org/index.php?getlang=en&menuid=1&reporeid=&template=

http://www.artcyclopedia.com/artists/baumeister_willi.html