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NEU ERÖFFNET: MAX PECHSTEIN-MUSEUM IN ZWICKAU

In den Kunstsammlungen seiner Heimatstadt findet das Lebenswerk des gebürtigen Zwickauers Max Pechstein nun einen eigenen Ausstellungsort. Seit dem 12. April 2014 werden knapp 50 Werke aus Pechsteins gesamter Schaffenszeit...

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Verfolgung Drucken E-Mail

Verfolgung von Kunst und Literatur gibt es, seit der Mensch zu schreiben und lesen begann. Nur die Verfolgungsmechanismen haben sich im Laufe der Jahrtausende verändert. Mit der Verfolgung der Dichter und anderen Intellektuellen in der NS-Zeit begann die größte Vertreibung des Geistigen, die es in der Menschheitsgeschichte gegeben hat – es war jedoch zugleich ein Kulturtransfer in die Gastländer.


Immer ist es die Minderheit, die der Mehrheitsgesellschaft das Gesicht der Menschenwürde gibt, bewahrt und dort, wo sie verlorengegangen ist, erkämpft – trotz Verfolgung und Bestrafung. Die Weimarer Republik ist zugrunde gegangen, als die damalige Demokratie den Bezug zu den Minderheiten verloren hatte. Das Ansehen der heutigen Tschechischen Republik beruht auf der Widerstandskraft der winzigen Gruppe Charta 77. Die Mehr-heitsbewegung Solidarnosz wurde vorbereitet durch die Intellektuellenorganisation KOR um Adam Michnik. Und die Wende in der DDR wurde möglich durch die Minderheit der Bürgerrechtler. Unter atemberaubenden Bedingungen haben diese Wenigen das Recht des Menschen auf seine eigene Geschichte wahrgenommen.
Wie dabei der nationalsozialistische Totalitarismus mit dem sozialistischen Totalitarismus zusammenhängt, beschreibt Richard Leising, 1934 in Chemnitz geboren, DDR-Bewohner, der sich in den sechziger Jahren Stück für Stück von allen Zugehörigkeiten löste, als Dramaturg am Kindertheater überlebte, kurz vor seinem Tod:

AUCH ICH
Auch ich trug es stolzgeschwellt, das Hitlermesser
Ein ganzes Jahr und wenig mehr
Das mit der Blutrinne in der Klinge, ich trug es
Ehe ich es vergrub in die Erde bei Floßmühle
Als da Russen kamen mit Liedern
Die ich mitgrölte, auch ich

Ich war unter euch, die wir Steine warfen
Die ersten nicht, aber Steine, und auf die anderen
Auch ich tanzte Liebe Laurentia mein
Unter dem Bäumlein, sechsundvierzig, am Ersten Mai
Ein guter Mitwerfer gut mitlaufend, Mitbesitzer
Der einzig wissenschaftl. Weltanschauung, auch ich

Später mein Schweigen, ich kleidete es
In edle Wendungen, ich trug, bau auf, bau auf
Meinen Stein herbei zur Mauer auch ich
Mitpächter war eines Meter Todesstreifen
Bin ich wahr, wenn ich in der Vergangenheit rede?
Von vielem bin ich frei, in nichts von Schuld

Und es ist wohl nichts als Glück,
Dass ich keinen verriet.


Der Hitler-Totalitarismus und der Stalin-Totalitarismus - die beiden großen Todesmühlen dieses Jahrhunderts und dazwischen jene Verfolgten, die Paroli bieten wollten den Fangnetzen des Eindeutigen, der Ideologien, Systeme, dem Banalkonsum dieser nicht festlegbaren einmaligen Existenz - das bleibt das Thema der Deutschen über die Jahrhundertwende hinaus, deren Majorität in beiden Diktaturen entweder mitgemacht oder sich abgefunden und eingerichtet hatte. Diese Majorität, die auf den Umschwung aufspringt und sich immer möglichst schadlos zu halten weiß, ist das Problem der Tapferen, die beiseite geschoben werden - nicht nur, weil sie stören, sondern auch weil ihr Beispiel das Vergessen jener stört, die versagt haben.