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NEU ERÖFFNET: MAX PECHSTEIN-MUSEUM IN ZWICKAU

In den Kunstsammlungen seiner Heimatstadt findet das Lebenswerk des gebürtigen Zwickauers Max Pechstein nun einen eigenen Ausstellungsort. Seit dem 12. April 2014 werden knapp 50 Werke aus Pechsteins gesamter Schaffenszeit...

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Finck, Werner Drucken E-Mail
Werner (Paul Walther) Finck
Kabarettist, Autor und Schauspieler

Geb. 02.05. 1902 in Görlitz
Gest. 31.07. 1978 in München


"Auch die Bretter, die mancher vor dem Kopf trägt, können die Welt bedeuten."

Nach dem Besuch der Kunstschule in Dresden macht der Apothekersohn Finck  erste Theatererfahrungen in diversen Laienspielgruppen und wird später Ensemblemitglied der Bühne im niederschlesischen Bunzlau, dem heute zu Polen gehörenden Bolesławiec. Hier kommt er zwar über unbedeutende Nebenrollen nicht hinaus, wird aber gleichzeitig mit seinem komischen Talent entdeckt.

1929 übersiedelt Werner Finck nach Berlin, wo er mit dem Schauspieler-Kollegen Hans Deppe das Kabarett 'Die Katakombe' gründet (für die u.a. Erich Kästner und Max Ophüls als Autoren schreiben und Isa Vermehren unter ihrem Künstler-Pseudonym 'Hanna Dose' mit ihrem frech-unbekümmerten Song "Eine Seefahrt, die ist lustig" in allen sechs Programmen von 1933-1935 auftritt).

Seine politischen Witze, die er auch in Anwesenheit von Nationalsozialisten auf die Bühne bringt (ebenso wie sein birmanischer Komiker-Kollege Zarganar Jahrzehnte später vor den Augen der herrschenden Militärjunta) - und nicht zuletzt die in dieser Zeit perfektionierte Technik der nicht zu Ende gesprochenen Sätze und Doppeldeutigkeiten, dazu das entlarvende Wortwörtlich-Nehmen (“Kommen Sie mit? Oder muß ich mitkommen?“ fragt er beispielsweise die Gestapo-Beamten, die sich in seinen Programmen Notizen machten) führen 1935 zur Schliessung der 'Katakombe' sowie Fincks Festnahme und Inhaftierung im Konzentrationslager Papenburg-Esterwegen, wo seit Anfang 1934 auch 'Weltbühne'-Herausgeber Carl von Ossietzky einsitzt.

Im Juli desselben Jahres wird Finck zwar schon wieder entlassen, jedoch für ein Jahr mit Arbeitsverbot belegt. Ab 1937 darf er wieder auf die Bühne, diesmal im 'Kabarett  der Komiker', dessen Leiter Willi Schaeffers allerdings 1939 persönlich bei Reichspropagandaminister Goebbels den Verzicht auf jeden politischen Witz erklären muß, um das Theater überhaupt erhalten zu können. 1939 wird Werner Finck aus der Reichskulturkammer ausgeschlossen, meldet sich, um einer erneuten Verhaftung zu entgehen, freiwillig zum Kriegsdienst und dient als Funker an der französischen, sowjetischen und italienischen Front. 1945 gerät er in amerikanische Kriegsgefangenschaft, gründet für verletzte deutsche Kriegsgefangene die Zeitschrift 'Die Fieberkurve' und tritt vor Kriegsgefangenen auf.       

Auch im Nachkriegsdeutschland steht Werner Finck 1946 im Münchner 'Schmunzelkolleg' bald wieder auf jenen Brettern, die für ihn die Welt bedeuten. Er gründet 'Die Schmunzelpartei' und gehört zu den geistigen Vätern und Initiatoren diverser anderer Kabaretts, darunter das 'Nebelhorn' in Zürich (wo 1947 Bertolt Brecht im Anschluß an Fincks Soloprogramm 'Kritik der reinen Unvernunft' sein dem Kabarettisten gewidmetes Gedicht 'Eulenspiegel überlebt den Krieg' verfasst) und die 'Mausefalle' in Stuttgart (1948).

1950 erfolgte in der Berliner 'Taberna academica' die Gründung der Partei 'Radikale Mitte', die mit Parolen wie “Gegen Kompromisslosigkeit“ und “Für Aufrüstung der Toleranz“, einer Sicherheitsnadel als  Parteiabzeichen und einem weissen Tischtuch als Fahne gegen den “Ernst der Zeit“ im Adenauer-Deutschland der 50er Jahre ein Zeichen setzen will.  Er gastiert bei der  Münchner Lach- und Schiessgesellschaft, spielt Nebenrollen in diversen Spielfilmen, arbeitet für den Rundfunk, verfasst Bücher (darunter seine Autobiografie 'Alter Narr – was nun?'/ 1972) und verkörpert den Gregor in Rainer Werner Faßbinders Fernsehserie 'Acht Stunden sind kein Tag'.

Werner Finck, Kabarett-Legende, Sprachakrobat, Doppelsinn-Virtuose und Förderer von Nachwuchstalenten wie Dieter Hildebrandt, stirbt im Alter von 76 Jahren und findet auf dem Waldfriedhof in München seine letzte Ruhe. Sein gesamter dokumentarischer Nachlass befindet sich im Deutschen Kabarett-Archiv in Mainz.        

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Finck

http://www.predigtpreis.de/ladatio_101.html

Links (deutsch):

http://www.graswurzel.net/267/kabarett.shtml

http://www.hdg.de/lemo/html/biografien/FinckWerner/index.html

http://www.flensburg-online.de/buecher/werner-finck-audio-buch.html

film.gifhttp://www.youtube.com/watch?v=E2sEO39DI_8

film.gifhttp://www.youtube.com/watch?v=SryBXbBUuic&NR=1

film.gifhttp://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=13864

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44438529.html

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41122292.html

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=5823

http://www.zeit.de/1950/12/Werner-Finck-beschloss-Politiker-zu-werden

http://www.kabarettarchiv.de/

https://portal.d-nb.de/opac.htm?query=Woe%3D118533061&method=simpleSearch

http://www.european-mediaculture.org/fileadmin/bibliothek/deutsch/hoerburger_nihilisten/hoerburger_nihilisten.pdf

http://www.schuecking-museum.de/referat_susanne_brandt.PDF