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NEU ERÖFFNET: MAX PECHSTEIN-MUSEUM IN ZWICKAU

In den Kunstsammlungen seiner Heimatstadt findet das Lebenswerk des gebürtigen Zwickauers Max Pechstein nun einen eigenen Ausstellungsort. Seit dem 12. April 2014 werden knapp 50 Werke aus Pechsteins gesamter Schaffenszeit...

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Bergmann, Gretel Drucken E-Mail
Gretel Bergmann (Margaret Bergmann-Lambert)
Leichtathletin

Geboren am 12. April 1914 in Laupheim
Gestorben am 25. Juli 2017

Deutsch spricht Margaret Bergmann  heute nicht mehr, weil die Muttersprache „infantil" wäre nach all den Jahren im US-Exil. In den ersten Jahrzehnten aber war ihr die Sprache der Täter verhasst, die auch die Familienangehörigen ihres Mannes auf dem Gewissen haben. Von den olympischen Spielen hatten die Nazis sie ausgeschlossen, weil die Favoritin im Hochsprung Jüdin war. An ihrer Stelle nominierte der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen Marie Ketteler. Dreißig Jahre später las Gretel Bergmann beim Zahnarzt in „Time", dass ihr „Ersatz" ein Mann namens Dora Ratjen gewesen ist, den die Nazis in einen Frauentrikot gesteckt hatten. Er/Sie wurde nur Vierter. Die Goldmedaille gewann Ibolya Csák aus Ungarn. Und, Ironie der Geschichte, eine Jüdin.

In der Weimarer Republik war Margaret „Gretel" Bergmann das Aushängeschild des Frauensports. Wäre damals schon der Frauen-Fünfkampf olympische Disziplin gewesen (ab1964 bis 1980, danach Siebenkampf), wäre sie, die im Kugelstoßen, Hoch- und Weitsprung Bestleistungen am Fließband aufstellte, wahrscheinlich Favoritin gewesen.  Aus Hitler-Deutschland aber war sie bereits nach England emigriert, weil sie als Jüdin in Vereinen und bei Sportveranstaltungen schikaniert wurde.  

Unter Androhung von Repressalien gegen ihre Familie holten die Nazis die junge Athletin, Anwärterin auf die Goldmedaille im Hochsprung, zurück nach Deutschland. Grund: Die USA hatten mit dem Boykott der olympischen Spiele in Berlin gedroht, falls es keine Juden im deutschen Team geben würde. Am 15. Juli 1936 lichtete das Schiff mit dem US-Mannschaft im Hafen von New York die Anker. Ein Boykott war nun nicht mehr wahrscheinlich. So schrieb der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen bereits einen Tag später ohne Skrupel: „Fräulein Gretel Bergmann, Sie werden auf Grund der in letzter Zeit gezeigten Leistungen wohl selbst nicht mit einer Aufstellung gerechnet haben. Heil Hitler". Dabei war sie beim letzten Wettkampf zwanzig Zentimeter höher gesprungen als die Zweitplatzierte.

„Als Jüdin unerwünscht"  heiß es in dem Kündigungsschreiben. Da war sie 19. Anlass genug, Deutschland zu verlassen. In ihrer neuen Heimat England gewann sie 1934 den britischen Meistertitel.

Es darf spekuliert werden, ob Hitler sich davor gedrückt hätte, einer deutschen Jüdin die Goldmedaille zu überreichen. Gretel Bergmann aber verließ 1934 voller Zorn Deutschland, ging als Exilantin in die Vereinigten Staaten, wo sie mit Gelegenheitsarbeiten Geld verdiente, mit dem sie ihren Verlobten, den Arzt Bruno Lambert nachholen konnte, den sie 1937 heiratete. Er meldete sich bei Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg sogleich freiwillig zur Truppe. Sie bildete sich selbst zur Krankengymnastin aus. Scheinbar ganz  nebenbei wurde sie trotz wirtschaftlicher Not 1937 US-amerikanische Meisterin im Hochsprung und Kugelstoßen und ein Jahr später noch einmal US-amerikanische Meisterin im Hochsprung.
Die Ehrungen kamen, wenn auch spät: 1996 wurde Margaret Bergmann-Lambert in die „National Jewish Sports Hall of Fame" aufgenommen. Drei Jahre später erhielt sie den Georg von Opel-Preis. Sportstätten in Berlin und Laupheim sind inzwischen nach ihr benannt. Es fehlte nur noch der Film, denn ihre Geschichte schrie geradezu nach einer Verfilmung. „Berlin 1936", im September 2009 auf die Leinwand gekommen, schildert ihre Lebensgeschichte in Kinomanier, also nicht ganz den wahren Ereignissen entsprechend. Die Regie führte dabei Kaspar Heidelbach und Rolle der Gretel Bergmann wurde von Karoline Herfurth gespielt.

Das Internationale Olympische Komitee hat damals weggesehen. Ob sich das mit dem Film ändert?

Autor:

Hajo Jahn

Literatur:

Gretel Bergmann: „Ich war die große jüdische Hoffnung". Erinnerungen einer außergewöhnlichen Sportlerin. Hrsg. v. Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Braun-Verlag, Karlsruhe 2003, ISBN 3-7650-9056-5

Film:

"Die Angst sprang mit" - Die jüdische Hochspringerin Gretel Bergmann, SWR 2004; „Hitler's Pawn - The Margaret-Lambert Story" (HBO, 2004); Berlin 36 - Die wahre Geschichte einer Siegerin (X Verleih, 2009)

Radio:

Karin Sommer: Die gestohlene Medaille. Die jüdische Hochspringerin Gretel Bergmann und die Olympischen Spiele von 1936, Radiosendung vom 19. März 1994, Bayerischer Rundfunk

Weblinks:

http://www.welt.de/print-welt/article336651/Hitlers_unerwuenschte_Favoritin.html

http://www.sportsfrauen.de/portraets/bergmann.html

http://www.ushmm.org/museum/exhibit/focus/antisemitism/voices/transcript/?content=20080410

http://www.haaretz.com/hasen/spages/1103393.html

http://www.haaretz.com/hasen/spages/1103393.html