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NEU ERÖFFNET: MAX PECHSTEIN-MUSEUM IN ZWICKAU

In den Kunstsammlungen seiner Heimatstadt findet das Lebenswerk des gebürtigen Zwickauers Max Pechstein nun einen eigenen Ausstellungsort. Seit dem 12. April 2014 werden knapp 50 Werke aus Pechsteins gesamter Schaffenszeit...

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Curt Bois
Schauspieler


Geb. 5.4. 1901 in Berlin
Gest.25.12. 1991 in Berlin


"Er ist der Harold Lloyd des Jahrgangs 1901, der zwanzig war, als die Inflation kam... Er hat ihre von der Zeit ererbten Frechheiten und eine Elastizität, die auf jeden Börsenkrach und auf jede Revolution zu jeder Minute gefaßt ist, um Widerstand zu leisten. Er hat ihre Ängstlichkeit, ihre Hast, ihre Unsentimentalität, ihre Geschäftstüchtigkeit..."

(Erich Kästner über Curt Bois)


Er ist einer der ersten Kinderstars überhaupt und spielt bereits mit sieben Jahren in der Leo Fall-Operette Der fidele Bauer 1908 das Heinerle. Danach steht er noch in zahlreichen weiteren Kinderrollen auf der Bühne und vor der Kamera, so zum Beispiel für die Produktionen Mutterliebe und Der kleine Detektiv (1909), Des Pfarrers Töchterlein (1912), Streichhölzer, kauft Streichhölzer und Die Spinne (1916), Das unruhige Hotel und Das grosse Los (1917), Die Austernprinzessin (1919), Sie und die Drei (1922), Wehe, wenn sie losgelassen und Der Jüngling aus der Konfektion (1926), Dr. Bessels Verwandlung (1927) und Anschluss um Mitternacht (1929).


Neben seiner Arbeit beim Film gastiert Curt Bois in den Jahren 1914 bis 1921 als Salonhumorist an verschiedenen Varieté-Bühnen in Deutschland, Österreich, Ungarn und der Schweiz. Anfang der 20er Jahre spielt er bei Rudolf Nelson und Trude Hesterberg an der Wilden Bühne und von 1923 bis 1925 am Theater am Kurfürstendamm. Max Reinhardt wird auf das junge Talent in Willi Kollos Operette Olly Polly aufmerksam. 1925 gelingt Bois in der Uraufführung von Arnolt Bronnens Die Exzesse der Durchbruch als Charakterkomiker. Ab 1925 gastiert er an verschiedenen Berliner Bühnen und auf Tourneen und arbeitet u.a. mit Barnowsky, Reinhardt und Piscator.

"Neben Julius Falkenstein, Hans Junkermann, Hermann Thimig und Ossi Oswalda ist Curt Bois sicher einer der wichtigsten Vertreter einer spezifisch deutschen Variante des Slapstick. Ein Höhepunkt dessen - und Endpunkt zugleich - ist seine Rolle in DER FÜRST VON PAPPENHEIM (Richard Eichberg). Mitten in einer Gesellschaftskomödie der Neuen Sachlichkeit, zwischen großen steifen Herren und stattlichen Damen, die alle vom Boulevard-Theater zu kommen scheinen, ein quirliger Tausendsassa. Ein kleiner Mann, der überleben will, der ein Naturell hat, das man als Mischung aus Chaplin und Lloyd bezeichnen könnte, der aber wendiger sein muß als beide zusammen. Curt Bois, der Egon Fürst von der Firma Pappenheim, hat alle Fäden in der Hand, an denen die hohen Herren und Adeligen zappeln. Er hat sie deshalb in der Hand, weil er jedesmal, wenn es einen Knoten gibt, schneller schaltet als alle anderen. Nur der Sprung von einem Extrem ins andere kann ihn retten. Mal ist er tot, mal ist er ein verführerisches Mannequin, das sogar Chaplins Travestie in A WOMAN in den Schatten stellt."

Quelle: Thomas Brandlmeier, Curt Bois - Komiker, aus: CineGraph - Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lg. 5. München: edition text + kritik, 1986, http://www.cinegraph.de/filmmat/fm10/fm10_16.html


Auf Curt Bois' ersten Tonfilmerfolg Der Schlemihl (1931, Regie: Max Nosseck) folgen mit Ein steinreicher Mann und Scherben bringen Glück 1932 nur noch zwei Filme in Deutschland. Danach muß der Schauspieler vor den Nationalsozialisten fliehen.

Anfang Februar 1933 geht Bois mit seiner Frau, der Soubrette Hedi Ury, ins Exil. Über Wien, Prag, Paris und London gelangt das Paar 1934 nach New York. Curt Bois wirkt 1935/36 in einigen Broadway-Inszenierungen mit und übersiedelt dann nach Hollywood, wo er durch die Bekanntschaft mit einigen schon etablierten Emigranten den Einstieg ins Filmgeschäft findet. Anatole Litvak engagiert ihn für Tovarich, William Dieterle für The Hunchback of Notre Dame (Der Glöckner von Notre Dame) und in Michael Curtiz' Casablanca spielt Curt Bois den fingerfertigen Taschendieb.

Hollywood-Stars wie Claudette Colbert, Charles Boyer, Edward G. Robinson, Humphrey Bogart, Ray Milland, Charles Laughton, Rita Hayworth, Glenn Ford, Loretta Young, Clark Gable, Spencer Tracy, Olivia de Havilland, Paulette Goddard, Ingrid Bergman, Charles Coburn, Gary Cooper, Gene Kelly, Mary Astor, James Mason, David Niven, Jane Wyman, Buster Keaton, Gregory Peck und Ava Gardner gehören in den 30er und 40er Jahren zu den FilmpartnerInnen des deutschen Emigranten Curt Bois, der sich auch und vor allem mit Nebenrollen in Filmen wie The Amazing Dr. Clitterhouse - Das Doppelleben des Dr. Clitterhouse (1938), Cover Girl - Es tanzt die Göttin (1944), Vendetta (1946), Caught - Gefangen (1948) und The Great Sinner - Der Spieler (1949) eine neue Karriere aufbaut.


Erst 1950 kehrt der Vertriebene wieder nach Deutschland zurück und zunächst geht nach Ostberlin. Hier spielt er wieder Theater und dreht mit Brechts Herr Puntila und sein Knecht Matti 1955 seinen einzigen Film in der DDR. Da weitere interessante Angebote jedoch ausbleiben, geht Curt Bois nach West-Berlin, wo er allerdings zunächst boykottiert wird. Erst ab 1957 bietet ihm das Theater wieder grössere Rollen an, und der Film folgt ein Jahr darauf. Zu seinen bekanntesten Produktionen in den 60er Jahren gehören u.a. Das Spukschloss im Spessart (1960), Ganovenehre (1966) und Der Zauberberg (1967). Mit den 70er Jahren kommen zudem verstärkt Angebote des Fernsehens, und Curt Bois ist u.a. in Der Pott (1970), Strychnin und saure Drops (1974), Das Rentenspiel (1977), Die Alten kommen (1979), Das Boot ist voll (1980), Die feine englische Art (1982) und schliesslich 1987 in Wim Wenders' Der Himmel über Berlin zu sehen, ein Fernsehfilm, für den er 1988 - einen Monat nach seinem 80jährigen Bühnenjubiläum - im Berliner Theater des Westens mit dem europäischen Filmpreis als bester Nebendarsteller ausgezeichnet wird.


Literatur:

Curt Bois: So schlecht war mir noch nie.
Aus meinem Tagebuch, Verlag der Autoren,
Frankfurt am Main 2001, ISBN 3761083610

Gerold Ducke: 'Der Humor kommt aus der Trauer'
Curt Bois. Eine Biografie
Bostelmann und Siebenhaar Verlag,
Berlin 2001, ISBN 393418961X,


Links (deutsch):

http://www.cyranos.ch/smbois-d.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Curt_Bois

http://www.steffi-line.de/archiv_text/nost_filmdeutsch2/02b_bois.htm

http://www.filmportal.de/df/09/Uebersicht,,,,,print,,,24E7F0DC98CF4B7394A79A4D32B9EEC0,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,.html

http://www.ofdb.de/view.php?page=liste&Name=Curt+Bois

http://www.webloc.de/kino/personen/bois-cu.htm

http://www.perlentaucher.de/autoren/8274.html

http://www.fachinformation-filmwissenschaft.de/person/b/bois.html

http://www.filmzentrale.com/rezis/casablanca.htm

http://www.deutscher-tonfilm.de/dsis1.html

http://www.filmzeitschrift.de/kritik/k-008/kritik-008.html

http://www.perlentaucher.de/buch/8260.html

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