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Wohllheim, Gert Heinrich Drucken E-Mail

Gert Heinrich Wollheim
Maler


Geb. 11.9. 1894 in Loschwitz b. Dresden
Gest. 22.4. 1974 in New York/ USA


Künstler, insbesondere Maler, sind selten aktiv in ihrer Gegnerschaft zu Diktaturen, vor allem wenn es um Opposition gegen die Nationalsozialisten ging. Ihre Waffe ist ja eher der Pinsel. Doch Gert H. Wollheim hat Flagge gezeigt, Mut bewiesen und aus seiner Meinung nie einen Hehl gemacht. Kein Wunder, daß ihn die Staatsgewalt bereits in der Weimarer Republik verfolgte. Erst recht schlug die NS-Justiz gnadenlos zu, um diesen entarteten Künstler zu verfolgen, der auf seine Art ein Querdenker und Revolutionär war, Arbeitersiedlungen wie die Freie Erde in Düsseldorf, regionale, nationale und internationale Künstlervereinigungen und Zeitschriften gründete. Und der trotz aller Umtriebigkeit ein exzellenter Maler wurde, dessen Werke noch heute hoch gehandelt werden.

Vielleicht hat Wollheim seine tolerante Weltsicht bereits als Schüler gewonnen, besuchte er doch u.a. Schulen in Berlin und in Aeggerie in der Schweiz. Auch seine Ausbildung als Maler an der Großherzogl. S. Hochschule für bildende Kunst in der Dichterstadt Weimar und der Freien Kunstschule des Tiroler Malers Albin Egger-Lienz in Klausen dürften prägend gewesen sein. Dann kamen die Eindrücke von der West- und Ostfront als Soldat während des I. Weltkriegs. Was Erich Maria Remarque zu dem Weltbestseller Im Westen nichts Neues inspirierte, führte bei Wollheim zu einer Serie von Zeichnungen in seiner Mappe 1917 – eine Verarbeitung blutiger Kriegserlebnisse.


Gert Heinrich WollheimKein Wunder, daß die Staatsanwaltschaft Düsseldorf 1922 sein Bild Lenkbares Stück Festland passiert unter wehenden Fahnen den Raum von Omega beschlagnahmt. Wollheim wehrt sich auf seine Art: Er ist Mitbegründer der Künstlergruppen Neuer Bund, des Aktivistenbundes, des Kartells fortschrittlicher Künstlergruppen in Deutschland in Weimar und des Kongresses der Union der International fortschrittlichen Künstler mit der ersten Internationalen Kunstausstellung im Düsseldorfer Warenhaus Tietz. Wollheim malt Ölbilder zum Thema Krieg, vollendet sein Triptychon Der Verwundete und schließt Freundschaft mit der Ausdruckstänzerin Tatjana Barbakoff, die 1943 in Auschwitz ermordet wird.

1924 ist Gert Heinrich Wollheim der Wortführer kritischer Künstler, wird von ihnen zum Vorsitzenden der Vereinigung Junges Rheinland gewählt, arbeitet literarisch für die Zeitschriften Junges Rheinland und Die Peitsche, lässt sein Theaterstück Der Staatsanwalt aufführen und initiiert die erste und einzige große politische Ausstellung (gegen den aufkommenden Nationalsozialismus, seinen Antisemitismus und Intoleranz) mit dem bezeichnenden Titel Der Kampf.

 


Die Zeit bis zur Machtübernahme der Nazis nutzt Wollheim durch Teilnahme an internationalen Ausstellungen, Reisen nach Mittel-, Süd- und Nordeuropa. Er beginnt 1931 die Korrespondenz Indianerbriefe mit Else Lasker-Schüler, die jäh mit der Flucht beider Künstler 1933 endet. Über Saarbrücken gelangt er nach Paris und später zeitweise in die Schweiz, wo er auch die Dichterin wieder trifft.

1936 gründet Wollheim mit Gesinnungsgenossen im Pariser Exil den Freien Deutschen Künstlerbund. Ein Jahr zuvor er sich von seiner 1921 geheirateten Frau Leni Stein scheiden lassen. Private Bindungen sind in solchen Zeiten besonderen Belastungen ausgesetzt.


Aktiver aber ist er in seiner Art von Widerstand. Er wird Vorstandsmitglied im Freien Deutschen Künstlerbund, wird aktiv im Comité Juif D’Etudes Politiques, während im gleichen Jahr (1938) die Ausstellung Entartete Kunst in München drei Wollheim-Bilder zeigt. Doch gleichzeitig werden im noch freien Paris und in London die Werke der modernen deutschen Maler ausgestellt, darunter auch solche von Wollheim.
1939 wird der Exilant Wollheim verhaftet und in verschiedene Lager gesperrt, bis er 1942 fliehen und sich in Nay, in den Pyrenäen, verstecken kann, wo er seine zweite Frau Mona Loeb kennenlernt.
800 seiner Werke gehen bis zu seiner Ausreise 1947 in die USA verloren, unwiederbringlich, unersetzlich. Düsseldorf und Berlin ehren in spät noch mit Einzelausstellungen, ehe er nach schwerer Krankheit in einem New Yorker Hospital stirbt.

Autor:

Hajo Jahn


Literatur:

Mona Wollheim: Gert H. Wollheim, München 1978
Gert Heinrich Wollheim. Gemälde, Graphik, Dokumente,
hrsg. v. Stadtmuseum Düsseldorf 1984
Gert Heinrich Wollheim. Die Wilden Jahre 1915-1925, hrsg. v. Galerie Remmert und Barth Düsseldorf 1984 (mit Werkverzeichnis der Druckgraphik)
Gert H. Wollheim 1894-1974. Eine Retrospektive, bearbeitet von Stephan von Wiese, Ausst.-Kat. Kunstmuseum Düsseldorf 1993


Quelle:

Verfemt – Vergessen – Wiederentdeckt. Kunst expressiver Gegenständlichkeit aus der Sammlung Gerhard Schneider; [anlässlich der Ausstellung Verfemt, Vergessen, Wiederentdeckt. Kunst expressiver Gegenständlichkeit aus der Sammlung Gerhard Schneider, Kunstverein Südsauerland Olpe 4.7.-8.8.1999/23.7.- 20.8.2000); Museum Baden, Solingen-Gräfrath (21.11.1999-21.3.2000)] hrsg. Von Rolf Jessewitsch und Gerhard Schneider. Köln: Wienand 1999. ISBN 3-87909-665-1, S. 486.