DeutschEnglishSpanishČeštinaHebrew (Israel)FrenchFarsiPolish

Spenden

Betteln ist eine sehr unangenehme Sache,  betteln aber und nichts bekommen ist noch unangenehmer. (Heinrich Heine)

Helfen sie uns mit beim weiteren Aufbau dieses Zentrums!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Veranstaltungen

NEU ERÖFFNET: MAX PECHSTEIN-MUSEUM IN ZWICKAU

In den Kunstsammlungen seiner Heimatstadt findet das Lebenswerk des gebürtigen Zwickauers Max Pechstein nun einen eigenen Ausstellungsort. Seit dem 12. April 2014 werden knapp 50 Werke aus Pechsteins gesamter Schaffenszeit...

Wir auf Facebook

Therese Giehse (eigtl. Therese Gift)
Schauspielerin


Geb. 6.3.1898 in München
Gest. 3.3.1975 in München


"Ich hab nichts zum Sagen!"

(Therese Giehse)


Die Tochter des jüdischen Textilkaufmanns Salomon Gift und dessen Frau Gertrude (geb. Heinemann) absolviert von 1918 bis 1920 eine Schauspielausbildung in München und nimmt hier auch den Künstlernamen Giehse an. Das Geld zur Ausbildung verdient sie sich in einer amtlichen Kohlenkartenstelle.

1920 gibt sie ihr Bühnendebüt als Büßerin in dem Stück Kausikas Zorn in München. Nach vergeblichen Bemühungen, in Berlin engagiert zu werden, erhält Therese Giehse bis 1924 Saisonengagements in Siegen, Gleiwitz (heute: Gliwice/Polen), Landshut sowie an der Bayerischen Landesbühne in München. 1924/25 spielt sie unter der Intedanz von Paul Barney in Breslau und wird durch ihn den Münchner Kammerspielen empfohlen, wo sie unter der Regie von Otto Falckenberg spielt.

Während dieser Zeit entwickelt sich die Bekanntschaft mit Thomas Mann und eine intensive Freundschaft zu dessen Kindern Klaus und Erika Mann, mit denen sie am 1. Januar 1933 das Literarische Cabaret, die Pfeffermühle gründet. Auch und vor allem auf dieser Bühne bezieht sie eindeutig Stellung gegen die Nationalsozialisten, nach deren Machtübernahme sie am 13. März 1933 über Österreich in die Schweiz emigriert. In der Zeit ihres Zürcher Exils, bis 1937, spielt sie mit der dort neu gegründeten Pfeffermühle wochenlang vor ausverkauftem Haus im Hotel Hirschen und tourt durch Holland, Belgien, Luxemburg und die Tschechoslowakei.

Ab 1937 wird die - mittlerweile britische Staatsbürgerin - Ensemblemitglied am Zürcher Schauspielhaus. Durch ihre Heirat mit dem englischen Schriftsteller John Hampson-Simpson 1936 ist sie vor dem Zugriff durch die Nazi-Behören geschützt.

Während des Zweiten Weltkriegs spielt sie 1941 in der Premiere von Bertolt Brechts pazifistischem Theaterstück Mutter Courage und ihre Kinder die Hauptrolle und avanciert - neben Helene Weigel - zur führende Brecht-Interpretin.


Am 5. Juni 1948 ist Therese Giehse am Zürcher Schauspiel-haus die Schmuggleremma in der Premiere von Brechts Herr Puntila und sein Knecht Matt", steht ab 1949 wieder auf der Bühne der Münchner Kammerspiele und gastiert bis 1952 in vier Gastrollen für das im Ostteil der Stadt gelegene Berliner Ensemble sowie bis 1962 in Zürich.

In Berlin führt sie in Kleists Der zerbrochene Krug 1952 selbst Regie, in Zürich spielt sie 1956 die Claire Zachanassian in Dürrenmatts Besuch der alten Dame und 1962 die Irrenärztin Mathilde von Zahnd - eine ihrer schauspielerischen Glanz-leistungen - in Die Physiker.


1954 kehrt Therese Giehse endgültig aus der Schweiz nach München zurück, wo sie in Herodes und Marianne, Philomena Marturano, Woyzeck und Die Ratten auftritt. In der Zeit der außerparlamentarischen Opposition der 60er Jahre, deren Protest auch vor den Theatern nicht halt macht, spielt die Giehse vermehrt mit einer neuen und radikaleren Generation von Theatermachern.

Zu ihrer liebsten Theaterarbeit gehört die Rolle der Pelagea Wlassowa in der Mutter-Inszenierung von Peter Stein im Winter 1970. Die 72jährige Giehse ißt wie aus dem Regiebuch die Suppe: "Sie faßt den Löffel kurz am Stiel, schiebt ihn mit der Spitze voran in den Mund, so daß die Suppe von oben in den Rachen läuft, nimmt den Teller in die Hand, gießt den Rest auf den Löffel, leckt dann die Rückseite des Löffels ab, damit nichts verlorengeht."

Bis 1971 gibt sie drei Brecht-Abende, mit denen sie 1974 auch auf Tournee durch die Bundesrepublik geht. In ihren letzten Lebensjahren zieht sie sich allerdings immer mehr von der Bühne zurück, engagiert sich aber weiterhin politisch und bezieht Stellung, z.B. während des Vietnam-Krieges, wo sie öffentlich pazifistische Texte von Bert Brecht rezitiert und sich für Abrüstung einsetzt.

Filme:

Wenn die Schwalben heimwärts ziehn (1928)
Der Fremdenlegionär (1928)
Der Liebesexpress (1931)
Peter Voss, der Milionendieb (1932)
Die verkaufte Braut (1932)
Nacht der Versuchung (1932)
Zwei vom Südexpress (1932)
Meisterdetektiv (1933)
Rund um eine Million (1933)
Nathan der Weise (1939)
Der Mond ging unter (1943)
The Mark of Cain (1947)
Anna Karenina (1948)
Herz der Welt (1952)
Vater braucht eine Frau (1952)
Muss man sich gleich scheiden lassen? (1953)
Kinder, Mütter und ein General (1955)
Roman einer Siebzehnjährigen (1955)
Zärtliches Geheimnis (1956)
Der 10. Mai (1957)
Petersburger Nächte (1958)
Mädchen in Uniform (1958)
Sturm im Wasserglas (1960)
Haben (1964)
Die Physiker (1964)
Der Sündenbock (1965)
Frank V. - Opfer einer Privatbank (1967)
Sturm im Wasserglas (1969)
Die Mutter (1971)
Lacombe Lucien (1974)
TV- Serie Münchner Geschichten (1974)
Black Moon (1975)


Links (deutsch):

http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/GiehseTherese

http://www.cyranos.ch/smgieh-d.htm

http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/_98/10/28a.htm

http://www.univie.ac.at/Theaterwissenschaft/rezensionen/Dalingerrezension.htm