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NEU ERÖFFNET: MAX PECHSTEIN-MUSEUM IN ZWICKAU

In den Kunstsammlungen seiner Heimatstadt findet das Lebenswerk des gebürtigen Zwickauers Max Pechstein nun einen eigenen Ausstellungsort. Seit dem 12. April 2014 werden knapp 50 Werke aus Pechsteins gesamter Schaffenszeit...

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Grete Stern (genannt "RINGL")
Fotografin


Geb. 9.5.1904 in Elberfeld (heute: Wuppertal)
Gest. 1999 in Buenos Aires/ Argentinien


„Wenn man mich fragt : was wollen Sie mit Ihren Bildern ? Ich will, dass jemand genau das gleiche sieht, was ich sehe: was mich interessiert an der Landschaft, was mich interessiert an den Sachen. Das möchte ich fotografieren, damit jemand anders es sehen kann – mitteilen was ich sehe.“(*)

Nach dem Studium in Stuttgart (1923-1925), Abteilung Grafische Künste bei Prof. Ernst H. Schneidler, folgen 1925/ 26 erste gebrauchsgrafische Arbeiten - Buchgestaltung, Layout, Reklame - in Berlin und Wuppertal, wo sie 1926 auch ihre erste Ausstellung hat. 1927/28 widmet sie sich - auf Empfehlung von Umbo (Otto Umbehr) - fotografischen Studien im Privatstudio von Walter Peterhans in Berlin.

"Während ich schon eine Zeit lang mit Peterhans studierte, erschien Ellen Auerbach - wir merkten, dass wir uns verstehen. Wir wurden Freundinnen, wie man sagt, nicht wahr. Peterhans ging dann weg, ich konnte einige Sachen von ihm übernehmen und dann, nach einiger Weile, war ich in der Lage, eine kleine Wohnung zu kaufen, und dort hatten wir eine Dunkelkammer..."

Klicken Sie bitte hier, um diesen O-Ton (als MP3-Datei) in ganzer Länge anzuhören
© Ulrike Müller


Die beiden Fotografinnen eröffnen in Berlin das Fotostudio ringl + pit für Stilleben und Reklame-Fotografie. 1930 folgen erste Reklame-Arbeiten in Zusammenarbeit mit der Fotoagentur Mauritius. 1933 erhalten Grete Stern und Ellen Auerbach (damals: Rosenberg) den internationalen Preis in Brüssel für das Poster KOMOL (Studio ringl + pit). 1930 und 1932/ 33 besucht Stern den Fotokurs unter Leitung von Walter Peterhans am Bauhaus in Dessau und Berlin.


Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 emigriert sie nach London und arbeitet dort bis 1936 als freie Grafikerin und Reklamefotografin. Einige Entwürfe, z.B. Lorry Boards (Reklametafeln für Lastwagen) – für Shell Mex, werden nicht realisiert. Es entstehen jedoch Porträts z.B. von Bert Brecht, Helene Weigel und Karl Korsch.

1935 heiratet Stern den Argentinier Horacio Coppola, einen Mitstudenten bei Peterhans am Bauhaus, 1936 wird die Tochter Silvia geboren, und noch im selben Jahr emigriert die junge Familie nach Argentinien.
1937 eröffnet das Ehepaar ein Studio für Reklame und Fotografie in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires und lässt sich von einem modernen Architekten ein eigenes Haus mit Studio in Ramos Meija, in der Nähe von Buenos Aires, bauen, das in der Folgezeit zum Treffpunkt für progressive Schriftsteller, Künstler und Intellektuelle wie Jorge Luis Borges, Pablo Neruda, Clément Moreau, Renate Schottelius, Maria Elena Walsh und die Psychoanalytikerin Marie Langer wird.

1945/46 ist es Grete Stern, die als eine der Ersten die Werke der damals nicht anerkannten Künstlergruppe Madi (abstrakte Kunst) ausstellt. 1948/50 schließen sich Arbeiten für die fortschrittliche Stadtplanungsstelle Plan de Buenos Aires und Kooperationen mit den Architekten Kurchan, Bonet und Ferrari-Hardoy an. Von 1956-1970 arbeitet Grete Stern als Fotografin am Nationalmuseum für Bildende Künste in Buenos Aires sowie in der Abteilung für Restauration unter der Leitung von Corradini.

Im Jahr 1957 folgt eine Auftragsreise nach Nordargentinien und Fotoarbeiten in den Provinven Jujuy, Catamarca und Resistencia del Chaco. 1959/60 dann nimmt sie einen Lehrauftrag für Fotografie an der Universität in Resistencia del Chaco an, wobei sich Grete Stern besonders den sozialkulturellen Problemen der indigenen Bevölkerung widmet, deren Lebensumstände sie als Fotografin, gemeinsam mit Ethnologen der Universität, dokumentiert.

1963 nutzt die mittlerweile renommierte Fotografin ein dreimonatiges Stipendium, um die Indios des Gran Chaco-Gebietes zu fotografieren. In den Folgejahren entstehen eindrückliche Porträtfotografien.

Grete Stern arbeitet noch bis 1985 in ihrem Beruf als Fotografin und stirbt hochbetagt in Buenos Aires.


(*) Quellen:

Cordula Frowein: EMIGRIERT – Grete Stern und Ellen Auerbach. Fotografien vor und nach 1933. Herausgeber: Stadt Wuppertal mit Unterstützung der Freunde der Stadtbibliothek und der Gothaer Versicherung aus Anlaß der Ausstellung in der Zentralbibliothek (25. Okt.-29. Nov. 1988)

Grete Stern Fotográfica en la Argentina 1937-1981
© 1988 LA AZOTEA, Editorial Fotográfia de América Latina, Paraguay 1480 - P.B. "B", 1061 Buenos Aires - Argentina,
ISBN 950-9536-05-9

Grete Stern - Obra fotográfica en la Argentina
© Fondo Nacional de las Artes
Alsina 673 (1087) Buenos Aires, Argentina
Impreso en Argentina, ISBN 950-9807-12-5