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Moreau, Clément

H.A.M. 0
Clément Moreau [d. i. Karl Meffert; Pseud. in den 1930er Jahren Carlo Moreno, Carlos José]
Zeichner und Illustrator

 

Geb. 1903 Koblenz
Gest. 1988 Sirnach/Schweiz


Schwere Kindheit, Kontakte zur KAPD, 1920-23 als Jugendlicher wegen Beteiligung an den Ruhrkämpfen im Zuchthaus, nach der Entlassung in Koblenz und Köln, Lehre als Kirchen- und Dekorationsmaler, 1926-31 Berlin, Beginn der Morphiumsucht, Gelegenheitsarbeiten, u. a. in der Dekorationabteilung der Piscator-Bühne in Berlin, Kontakte mit kritisch-realistischen Künstlern wie Käthe Kollwitz, schafft zahlreiche sozialkritische Linolschnitt-Zyklen, Mitglied des ARBKD.


1925 Heirat mit Auguste Baizel († 1930 durch Suizid), 1928/29 Paris, arbeitet für „Monde“ (nicht „Le Monde“!) und „Avantgarde“, 1929 Rückkehr nach Deutschland, entwirft 1930-32 in der von Heinrich Vogeler, dem Drucker F. Jordi und ihm gegründeten sozialistischen Landkommune „Fontana Martina“ im Tessin zahlreiche Titelblätter und Illustrationen für deren gleichnamige Zweimonatsschrift, Bleischnitte für den „Basler Vorwärts“, nach kurzer Rückkehr als illegaler Kurier in Deutschland, 1933 endgültige Flucht in die Schweiz, wo er illegal und ohne Arbeitsgenehmigung unter dem Decknamen Moreau lebt, u.a. Buchillustrationen und Schutzumschläge für den Verlag Oprecht und Helbling in Zürich und für die exilierte Büchergilde Gutenberg, als Staatenloser 1935 mit Nansen-Pass nach Argentinien, 1935-37 Zeichenlehrer an der Pestalozzi-Schule in Buenos Aires, Heirat mit Nelly Guggenbühl, die ihm aus der Schweiz nach Argentinien folgt und im Exil als Kinderpsychologin die Familie ernährt, 1937 beteiligt an der Gründung des Hilfskomitees „Das andere Deutschland“, Mitarbeit bei der antifaschistischen Gruppe „Otra Alemania“ (Das andere Deutschland), Zeichnungen und Linolschnitte zum Spanischen Bürgerkrieg und zu literarischen sowie sozialen Themen, 1937-43 Anti-Nazi-Cartoons für die Presse, vor allem für „Argentinisches Tageblatt“ und „Argentina libre“; 1941 argentinische Staatsbürgerschaft, am 13.9.1943 aus Deutschland ausgebürgert (Liste 313, Nr. 58), illegale Tätigkeit, 1943 nach Peróns Machtantritt in die Provinz Jujuy als Tourismusexperte „abkommandiert“, zahlreiche Zeichnungen, Linolschnitte und Gouachen über das Leben der einfachen Landbevölkerung, 1949 Verbannung nach Patagonien, Flucht und einjähriger Aufenthalt in Montevideo (Uruguay), nach dem Sturz Peróns 1955 Rückkehr nach Argentinien, u.a. Dozent an der Univ. in Resistencia und als Psychotherapeut in der Provinz El Chaco tätig, 1961 im bildungspolitischen Auftrag Reise in die Schweiz, seit 1962 in St. Gallen und Zürich, da ein erneuter Umsturz die Rückkehr nach Argentinien vereitelt, Morphiumentzug, danach Drogenabstinenz bis zu seinem Tod, als Sozialpädagoge und Therapeut u. a. am Universitätsspital in Zürich, als Zeichenlehrer an der Kunstgewerbeschule St. Gallen, kaum mehr künstlerisch tätig, nur wenige Pressezeichnungen für deutsche und schweizerische Zeitungen sowie Theaterzeichnungen; ab 1973 wieder deutsche Staatsbürgerschaft


Arbeiten in Deutschland und der Schweiz vor der Emigration

Sozialkritische Linolschnitt-Folgen in den 1920er und 1930er Jahren, beeinflusst von Frans Masereel, Emil Orlik und Heinrich Vogeler; als Sozialist verfolgt


Im argentinischen Exil

Viele der politischen Tuschezeichnungen stehen stilistisch den Zeichnungen von George Grosz aus den späten 1920er/Anfang 1930er Jahren nahe, hat wohl nur im geringen Umfang die Möglichkeit, in der von ihm präferierten und meisterhaft beherrschten Technik des Linolschnitts zu arbeiten, zum Teil Anpassung an den üblichen schnell gezeichneten Zeitungs-karikaturen-Stil, dadurch Qualitätseinbuße, verarbeitet Volkskunstelemente, stilistische Ähnlichkeit zu den nicht politischen Graphiken aus Axl Leskoscheks brasilianischer Exilzeit, bleibt völlig unberührt von der vor allem vom französischen Kubismus beeinflussten argentinischen Moderne, hat keinen Anteil an der sich seit 1927 um die Zeitschrift „Martín Fierro“ gruppierenden Kunstszene des Landes


Nach der Rückkehr in die Schweiz

Nur noch wenige und unbedeutende künstlerische Arbeiten

Weitere Kurzbiographien

Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933, hg. vom Institut für Zeitgeschichte München und der Research Foundation for Jewish Immigration New York. 2 Bde. und 1 Reg.bd. München, New York, London, Paris 1980 und 1983: Bd. 2, II, S. 830; Kurt Flemig: Karikaturisten-Lexikon. München, New Providence, London, Paris 1993, S. 186f.; Künstlerverzeichnis der Schweiz 1980-1990, hg. vom Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft, Zürich und Lausanne. Frauenfeld 1991, S. 314; Kunst im Widerstand. Malerei, Graphik, Plastik. 1922-1945, hg. von Erhard Frommhold. Dresden 1968 und Frankfurt/Main 1968, S. 560; Lexikon der zeitgenössischen Schweizer Künstler. Frauenfeld, Stuttgart 1981, S. 249; Revolution und Realismus. Revolutionäre Kunst in Deutschland 1917 bis 1933, hg. von Christine Hoffmeister u.a. Ausstellungskatalog zum 50. Jahrestag der Gründung der Assoziation Revolutionärer Bildender Künstler Deutschlands. Berlin (DDR) 1978, Anhang, S. 63f.; Schweizer Lexikon in sechs Bänden. Bd. 4. Luzern 1992, S. 647; Verfemt • Vergessen • Wiederentdeckt. Kunst expressiver Gegenständlichkeit aus der Sammlung Gerhard Schneider, hg. von Rolf Jessewitsch und Gerhard Schneider. Ausstellungskatalog Kunstverein Südsauerland, Olpe u.a. Köln 1999, S. 458; Wem gehört die Welt – Kunst und Gesellschaft in der Weimarer Republik. Ausstellungskatalog hg. von der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst. 4. Aufl. Berlin (West) 1977, S. 353; Widerstand statt Anpassung. Deutsche Kunst im Widerstand gegen den Faschismus 1933-1945, hg. vom Badischen Kunstverein Karlsruhe. Berlin (West) 1980, S. 272; Wissenschaft und Kunst im Exil, S. 254; Rainer Zimmermann: Expressiver Realismus. Malerei der verschollenen Generation. München 1994 (d. i. die überarb. Neuausgabe von: ders.: Die Kunst der verschollenen Generation. Deutsche Malerei des expressiven Realismus von 1925 bis 1975. Düsseldorf, Wien 1980), S. 418


Sammlungen:

Deutsches Exilarchiv in der Deutschen Bibliothek Frankfurt/Main und Sammlung Exil-Literatur 1933-45 in der Deutschen Bücherei Leipzig (zahlreiche von C. Moreau illustrierte Bücher aus seiner Zeit in Fontana Martina, Tessin und Buenos Aires)

Nachlass

Schweizerisches Sozialarchiv, Zürich


Werk- und Literaturauswahl

Mein Kampf. Text von Adolf Hitler. Vorwort von Max Frisch. Zeichnungen von Clément Moreau. München: Verlag Neue Münchner Galerie 1975, enthält 56 der über 100, um 1937 entstandenen Tuschezeichnungen, die jeweils in Vierersequenz zuerst im „Argentinischen Tageblatt“, dann mit der Textzeile „»Mein Kampf«. Texto de Adolfo Hitler. Dibujos especiales para Argentina Libre de Clement Moreau“ 1940 in „Argentina Libre“ erschienen; französische Übers. der deutschen Buchausgabe: Paris: Editions Syros 1976; türkische Ausgabe: Istanbul: Havass Yayinlari 1977; die Skizzen mit Bleistift sowie die Tuschfeder-Zeichnungen im Nachlass Clément Moreau im Schweizerischen Sozialarchiv, Zürich
Moreau, Clément (d. i. Karl Meffert): Contra el nazismo y el fascismo. 30 dibujos de clément moreau del ano 1938. Buenos Aires: Argentinisches Tageblatt 1938
– -: El que siembra viento recoge tempestades (wer Wind sät, wird Sturm ernten). 31 dibujos de Clément Moreau. Próloge de Jorge Romero Brest. Buenos Aires ohne Verlag und Jahr, um 1941 – -: Nacht über Deutschland. Mein Kampf – zweiter Teil. 107 Linolschnitte aus den Jahren 1937-1938. Eingeleitet vom Künstler und von Heinrich Böll. München: Verlag Neue Münchner Galerie 1976. Dies ist der auszugsweise Nachdruck aus einer Ende 1937 und 1938 entstandenen losen Folge von über 200 Linolschnitten mit dem Titel „La comedia humana“, 20,6 x 16,6 cm; zahlreiche Blätter daraus wurden 1940 jeweils in Vierersequenz unter der Überschrift „La comedia humana“ und erläuternden Textzeilen in Spanisch als Zeitungsserie in „Argentina libre“ u.a. reproduziert und erschienen 1941 unter dem Titel „Prohibido escuchar“ (Verboten zu hören) und mit erläuternden Textzeilen in Spanisch als Broschüre; die graphischen Einzelblätter sowie die Vorzeichnungen mit Bleistift, Tuschfeder und Tuschpinsel im Nachlass Clément Moreau im Schweizerischen Sozialarchiv, Zürich
Hofmann, Karl-Ludwig: Clement Moreau und George Grosz. In: Widerstand statt Anpassung. Deutsche Kunst im Widerstand gegen den Faschismus 1933-1945, hg. vom Badischen Kunstverein Karlsruhe. Berlin (West) 1980, S. 184-190
Kollwitz – Käthe Kollwitz – Clément Moreau. Ausstellungskatalog, hg. vom Mittelrhein-Museum Koblenz. Künstlerhaus Metternich Koblenz und Käthe-Kollwitz-Museum Berlin. Koblenz 1989
Miller, Thomas: Carl Meffert alias Clément Moreau. In: Bodensee Hefte. Internationale Monatszeitschrift für Natur, Kultur und Freizeit, Nr. 10, Okt. 1988, S. 48-53
Mittenzwei, Werner: Carl Meffert = Clément Moreau. Ein Leben auf der Suche nach der Brüderlichkeit des Menschen. Berlin (DDR) 1977
Moreau – Clément Moreau. Wie man mit Bildern kämpft. Dokumentarfilm Schweiz 1977. Regie Richard Dindo. Begleitheft Filmkollektiv Zürich, hg. vom Ministerium für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf ohne Jahr (1977)
– – Clément Moreau. Carl Meffert. Grafik für den Mitmenschen. Deutschland, Schweiz, Argentinien. Ausstellungskatalog Neue Gesellschaft für bildende Kunst Berlin und Kunstamt Kreuzberg Berlin. Berlin (West) 1978 (= Werkkatalog und Nachlass-Verzeichnis)
– – Clément Moreau. Mit dem Zeichenstift gegen den Faschismus. 99 ausgewählte politische Karikaturen aus den Jahren 1935-1945. Auswahl und Einleitung von Guido Magnaguagno. Berlin (West) 1980
Müller-Strunk, Marion: Lernen mit Clément Moreau. Ästhetisches Handeln als Prozess der Solidarität. Zürich wohl 1982 (= Diss. FU Berlin 1981 unter dem Titel „Friedenserziehung in ästhetischer Praxis“)
– -: Clément Moreau: „Im Auftrag meiner Neugier“. Zürich 1987


Autorin:

Rosa von der Schulenburg


Links (deutsch):

http://www.clement-moreau.ch

http://www.ila-web.de/lebenswege/
schicksalmeffert.htm

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