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Levi, Primo

H.A.M. 0

Primo Levi (Pseudonym: Damiano Malabaila)
Schriftsteller und Chemiker


Geb. 31.7. 1919 in Turin/ Italien
Gest. 11.4. 1987 in Turin/ Italien


„Ihr, die ihr gesichert lebet
In behaglicher Wohnung;
Ihr, die ihr abends beim Heimkehren
Warme Speise findet und vertraute Gesichter:

Denket, ob dies ein Mann sei,
Der schuftet im Schlamm,
Der Frieden nicht kennt,
Der kämpft um ein halbes Brot,
Der stirbt auf ein Ja oder Nein.
Denket, ob dies eine Frau sei,
Die kein Haar mehr hat und keinen Namen,
Die zum Erinnern keine Kraft mehr hat,
Leer die Augen und kalt ihr Schoß
Wie im Winter die Kröte.
Denket, daß solches gewesen.

Es sollen sein diese Worte in eurem Herzen.
Ihr sollt über sie sinnen, wenn ihr sitzet
In einem Hause, wenn ihr geht auf euren Wegen,
Wenn ihr euch niederlegt und wenn ihr aufsteht;
Ihr sollt sie einschärfen euern Kindern.

Oder eure Wohnstatt soll zerbrechen,
Kranheit soll euch niederringen,
Eure Kinder sollen das Antlitz von euch wenden.“

(Primo Levi: Ist das ein Mensch?)


Primo Levi gehört – wie Elie Wiesel, David Rousset, Bruno Bettelheim und Robert Antelme – zu denjenigen, die über die Nazigreuel berichten und dies in ihrem – literarischen oder wissenschaftlichen – Werk verarbeiten.


Der überzeugte Antfaschist, der sich selber als „italienischer Bürger jüdischer Herkunft“ bezeichnet, studiert Chemie und wird am 13. Dezember 1943 im Alter von 24 Jahren als Jude und Mitglied der Resistenza verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Als Laborkraft in Auschwitz-Monowitz gelingt es dem Häftling Nr. 174517 zu überleben, nicht zuletzt, weil ihm ein italienischer Zivilarbeiter Teile seiner täglichen Essensration abgibt. Im Januar 1945 wird Primo Levi von der Roten Armee befreit.


„27. Januar. Morgengrauen. Auf dem Fußboden das schandbare Durcheinander verdorrter Glieder, das Ding Somogyi.
Es gab dringendere Arbeiten. Man konnte sich nicht waschen, wir konnten ihn nicht anfassen, bevor wir nicht gekocht und gegessen hatten. Und dann ».. .rien de si de-goutant que les debordements«, wie Charles richtig meinte; der Latrineneimer mußte geleert werden. Die Lebenden stellen größere Ansprüche. Die Toten können warten. Wir begaben uns an die Arbeit, wie jeden Tag.
Die Russen kamen, als Charles und ich Somogyi ein kurzes Stück wegtrugen. Er war sehr leicht. Wir kippten die Bahre in den grauen Schnee.
Charles nahm die Mütze ab. Mir tat es leid, daß ich keine hatte.
Von den elf der Infektionsabteilung war Somogyi der einzige, der in den zehn Tagen starb. Sertelet, Cagnolati, Towarowski, Lakmaker und Dorget (von ihm habe ich noch nicht gesprochen: ein französischer Industrieller, der an Bauchfellentzündung operiert worden war und dann eine Nasendiphtherie bekam) starben wenige Wochen später im provisorischen russischen Lazarett von Auschwitz. In Katowice traf ich im April Schenck und Alcalai bei guter Gesundheit. Arthur ist glücklich zu seiner Familie heimgekehrt, Charles hat seinen Lehrerberuf wieder aufgenommen; wir haben lange Briefe miteinander gewechselt, und hoffentlich kann ich ihn eines Tages wiedersehen.“

Quelle: Primo Levi: Ist das ein Mensch? Ein autobiografischer Bericht
Deutscher taschenbuchverlag, München, 12. Auflage, Oktober 2003,, ISBN: 3-423-11561-0, S. 207


Primo Levi kehrt – nach einer neunmonatigen Irrfahrt, die ihn bis weit in die Sowjetunion, durch Rumänien und Ungarn über Wien und München führt – wieder in sein Geburtsland Italien zurück.


Levis Schilderung der Zeit im Konzentrationslager wird 1947 in einer Auflage von zweieinhalbtausend Exemplaren in einem kleinem Verlag veröffentlicht, der allerdings kurz darauf seine Arbeit einstellt. Erst in den späten 50er Jahren wird Levis Buch vom Verlag Einaudi erfolgreich neu aufgelegt und in sechs Sprachen übersetzt.
Bis 1977 ist Primo Levi in der chemischen Industrie tätig und widmet sich danach völlig seiner Profession als Schriftsteller und Essayist.

Das Trauma von Auschwitz jedoch, diese Hölle des 20. Jahrhunderts, wird für ihn zum Schlüsselerlebnis. Das durchlittene Grauen wird Levi zeit seines Lebens nicht mehr loslassen. Im Alter von 67 Jahren begeht er in seinem Privathaus Selbstmord.


Literatur/Bibliografia:

Primo Levi: Die Atempause. Roman. Übersetzt von Barbara Picht und Robert Picht, Deutscher Taschenbuch-Verlag, München, ISBN 3-423-11779-6

ders.: Der Freund des Menschen. Erzählungen. Übersetzt von Heinz Riedt und Barbara Kleiner, Deutscher Taschenbuch-Verlag, München,
ISBN 3-423-12062-2

ders.: Das periodische System. Übersetzt von Edith Plackmeyer und Barbara Kleiner, Deutscher Taschenbuch-Verlag, München, ISBN 3-423-11334-0

ders.: Ist das ein Mensch? Ein autobiographischer Bericht. Aus dem Italienischen von Heinz Riedt, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2003, ISBN 3-423-11561-0


Literatur /CD:

David Dambitsch:

Stimmen der Geretteten – Berichte von Überlebenden der Shoa
3 CDs, DAV, ISBN: 3898132137


Links (deutsch):

http://www.dieterwunderlich.de/Levi_wann.htm

http://www.graswurzel.net/244/auschwitz.shtml

http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/levi.html

http://www.berliner-lesezeichen.de/lesezei/Blz99_04/text18.htm

http://www.freitag.de/1999/15/99151401.htm

http://home.eduhi.at/teacher/davogg/dossiers%20050%20garsten/dossier%20levi.htm

http://culturitalia.uibk.ac.at/GMERZ/traduz/ws01_02/p_levi.htm


International:

http://www.romacivica.net/anpiroma/antifascismo/biografie%20antifascisti22.html

http://www.italialibri.net/autori/levip.html

http://digilander.libero.it/mallor/ultimo.htm

http://www.romacivica.net/anpiroma/deportazione/deportazionelevi.htm

http://www.giotto.org/piccolomini/levi.html

http://www.kirjasto.sci.fi/primo.htm

http://www.repubblicaletteraria.net/PrimoLevi.html

http://www.litencyc.com/php/speople.php?rec=true&UID=2709

http://library.spokanefalls.edu/Survival_in_Auschwitz.htm

http://www.bostonreview.net/BR24.3/gambetta.html

http://www.inch.com/~ari/levi1.html

http://lyc-edgar-quinet.scola.ac-paris.fr/Plevi.html

http://www.ac-reunion.fr/pedagogie/lettres/TL/levi.htm

http://www.revue-texto.net/Inedits/Mesnard_Levi.html

http://www.anti-rev.org/textes/Spire96a

http://www.fmh.org.ar/revista/18/elhass.htm

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