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Jolles, Charlotte Alice Bertha Eva

H.A.M. 0

Charlotte Alice Bertha Eva Jolles
Literaturwissenschaftlerin


Geb. 5.10. 1909 in Berlin
Gest. 31.12. 2003 in London/ GB


„Sie war tatsächlich eine Dame, zierlich und auf überraschende Weise schön bis zuletzt. Ihr feiner Sinn und ihre ganz unsentimentale Art ließen eine verlorene Berliner Welt wieder auferstehen. Das Unprätentiöse ist in ihrem Theodor Fontane, Standardwerk für Generationen von Studenten, wie in den von ihr edierten Tagebüchern der englischen Jahre vielleicht am deutlichsten zu spüren. Alles, was sie schrieb, und sie hat über die Jahre Wegweisendes zu vielen Facetten des Dichters und seines Werkes geschrieben, atmet dieselbe Klarheit – und eine Liebe, die hellsichtig macht…“

(Hubertus Fischer, in: Die Welt v. 7.1.2004)


Die Tochter eines jüdischen Vaters schreibt sich 1920 an der Friedrich-Wilhlems-Universität in Berlin für die Fächer Germanistik, Geschichte, Pädagogik und Philosophie ein und beginnt 1932 mit den Vorbereitungen für ihre Dissertation über Fontane und die Politik. Ein Beitrag tur Wesensbestimmung Fontanes, die sie Anfang 1936 beendet.

Der Überreichung ihrer Promotionsurkunde am 17. Februar 1937 bleibt sie jedoch – die Probleme mit den Natioanlsozialisten vorausahnend – wohlweislich fern. Von ihrer Dissertation ist nur ein Exemplar erhalten geblieben und wird erst 46 Jahre später unter dem Titel Fontane und die Politik beim Berliner Aufbau-Verlag veröffentlicht.


Mit zehn Reichsmark in der Tasche und einer Schreibmaschine im Gepäck flieht sie im Januar 1939 nach Großbritannien, wo sie zunächst in einem privaten Heim für elternlose Kinder aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei in Watford als Sekretärin arbeitet. Sie nimmt erneut ein Studium auf, das sie 1947 mit ihrer Magister-Arbeit über Fontane und England abschließt und unterrichtet Deutsch an der Watford Grammar School.


Von 1955 bis zu ihrer Emeritierung 1977 lehrt die mittlerweile britische Staatsbürgerin als Wissenschaftlerin am Birkbeck-College der Universität London und gibt in dieser Zeit zwei Bände der Nymphenburger Fontane-Ausgabe heraus (Bd. 17: Aus England und Schottland, 1963 und Bd. 19: Politik und Geschichte, 1969). Leben und Werk Fontanes bleiben auch in den folgenden Jahren Schwerpunkt ihrer wissenschaftlichen Arbeit. Ihre Metzler-Fontane-Monografie geht 1993 in die vierte Auflage und im darauffolgenden Jahr erscheint ihre Ausgabe der englischen Tagebücher Fontanes. Und sie ist es, die immer wieder zwischen den Fontane-Forschern in der Bundesrepublik und der DDR Brücken baut. 1987 wird der großen alten Dame (oder wie Günter Grass sie genannt hat: „Miß Marple“) der Fontane-Forschung an der (damals noch) Ost-Berliner Humboldt-Universität (der vormaligen Friedrich-Wilhlems-Universität) auf Antrag der Sektion Germanistik die Ehrendoktorwürde jener Hochschule verliehen, deren Promotionsfeier sie 1937 hat fernbleiben müssen.


Die (seit 1990) Präsidentin der neugegründeten Fontane-Gesellschaft wird 1994 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und erhält 1998 den Fontane-Preis.


Quelle:

Deborah Vietor-Engländer in: Neuer Nachrichtenbrief der Gesellschaft für Exilforschung, Nr. 24, Dez. 2004, ISSN 0946-1957, S. 10/11
http://www.exilforschung.de/NNB/NNB24.pdf


Literatur: 

Charlotte Jolles: Theodor Fontane (Sammlung Metzler)
Verlag J.B. Metzler, Stuttgart 1993, ISBN: 3476141144


Links (deutsch):

http://www.hu-berlin.de/presse/zeitung/archiv/01_02/num_7/k33.html

http://www.fontane-gesellschaft.de

http://www.landshut.org/members/msagerer/f_basis.htm

http://www.welt.de/data/2004/01/07/219705.html


International:

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