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Jacobi, Lucy von

H.A.M. 0

Lucy von Jacobi (Theaterpseud.: Lucy Geldern)
Schauspielerin, Journalistin und Übersetzerin 


Geb. 1887 in Wien/ Österreich-Ungarn
Gest. 1956 in Locarno/ Schweiz


Im Dezember 1964 fand die Autorin – damals eine junge Kunstgeschichtsdoktorandin aus Deutschland  – in einem Florentiner Antiquariat Tagebücher, Briefe, Fotoalben und die  Bibliothek einer Unbekannten.  Wie sich herausstellte, stammten sie von der heute fast vergessenen Schauspielerin, Journalistin und Übersetzerin Lucy von Jacobi. Nach ihrer Flucht aus Deutschland betrieb sie von 1935 bis 1938 in Florenz eine Pension. Ihre Habe ließ sie vor ihrer Flucht ins Tessin dort zurück.


Schon mit 15 Jahren beginnt sie mit dem Schreiben eines Tagebuches – und führt dies ihr Leben lang weiter. 

Die Tochter aus gutbürgerlichen Verhältnissen heiratet sehr jung den Münchner Hofschauspieler und Literaturwissenschaftler Dr. Bernhard von Jacobi. Aus der Zeit ihrer Ehe stammen ihre ersten literarischen  Schriften, z.B.  über Pablo Picasso aus dem Jahr 1913. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wird ihr Ehemann  als Offizier eingezogen – und fällt wenig später, im Herbst 1914. Ein halbes Jahr zuvor war bereits der kleine Sohn nach schwerer Krankheit gestorben. 


1915 übernimmt Lucy von Jacobi in den Münchner Kammerspielen ihre ersten Rollen, – darunter  in Stücken zeitgenössischer Autoren wie Strindberg und Wedekind –  zuerst unter dem Theaternamen Lucy Geldern, später dann als Lucy von Jacobi. 

Zahlreiche namhafte Persönlichkeiten jener Zeit, darunter Olga und Arthur Schnitzler, Albert und Lisl Steinbrück, Heinrich Mann, Erich Mühsam, Tilly Wedekind und Else Lasker-Schüler, gehören  zu von Jacobis Bekannten- und Freundeskreis. 

Ab März 1917 ist sie am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg engagiert, wechselt im Oktober zu Max Reinhardt nach Berlin und spielt in den 20er Jahren dann mehrere Jahre wieder in Hamburg, diesmal an den Kammerspielen unter Erich Ziegel und Miriam Horwitz. Auch als Dramaturgin macht sich Lucy von Jacobi in diesen Jahren einen Namen, zuerst in der Hansestadt an der Elbe, ab 1926 dann am Albert-Theater in Dresden.


Seit 1917 veröffentlicht Lucy von Jacobi erste feuilletonistische Arbeiten in der von Siegfried Jacobsohn herausgegebenen Weltbühne, in Zeitschriften der Frauenbewegung, darunter die von Anita Augspurg herausgegebenen Publikation Die Frau im Staat, sowie in zahlreichen  regionalen und überregionalen Tageszeitungen. 

Daneben widmet sie sich zunehmend der Übersetzung von Theaterstücken – u.a. für den Kurt-Wolff-Verlag – und Büchern von französischen Schriftstellern wie  Romain Rolland, Henri Barbusse und Emile Zola (Ihre Nana-Übersetzung aus dem Jahre 1922 gab es noch in den 80er Jahren bei der Büchergilde Gutenberg).


Ab 1928 schreibt Lucy von Jacobi – eine äußerst elegante und schöne Frau, für die sich auch immer wieder Modezeitschriften interessieren – als Redakteurin u.a. Film- und Theaterkritiken für den neu gegründeten (1933 eingestellten) Tempo im Ullstein Verlag. Einer ihrer Redaktions-Kollegen ist übrigens der spätere Herausgeber des Aufbau in New York, Manfred Georg(e).


1934 emigriert Lucy von Jacobi aus Nazi-Deutschland in die Schweiz. Für einige Monate lebt sie auf dem Monte Verità bei Ascona, den sie bereits aus früheren Jahren kennt, übersiedelt anschließend nach Italien und eröffnet in Florenz eine Pension. Auch in dieer Zeit setzt sie ihre journalistische Tätigkeit fort und schreibt u.a. für das  Prager Tageblatt und Schweizer Zeitungen, vielfach unter Pseudonym. 

Ihre Publikationsmöglichkeiten schwinden jedoch zusehends, und 1938 verläßt von Jacobi endgültig das mit dem Dritten Reich verbündete Italien und geht wieder in die Schweiz. Zurück bleiben ihre  Bücher, Tagebücher, Briefe und Fotos…


Unter äußerst ärmlichen Bedingungen schlägt sie sich als Journalistin und Übersetzerin durch, zuerst in Ascona, dann in Cureglia und schließlich in Lugano und Locarno. Auch nach Ende des Nationalsozialismus verbessert sich an ihrer  beruflichen und wirtschaftlichen Situation kaum etwas. 

Die fast 70Jährige verstirbt an den Folgen eines Verkehrsunfalls.


Autorin:

Irene Below 


Literatur:  

Irene Below: Lucy von Jacobi (1887 – 1956) – Von einem Fund in einem Florentiner Antiquariat und verschiegenen Familiengeschichte. In: Inge Hansen-Schaber/Sonja Hilzinger/Adriane Feustel/ Gabriele Knapp (Hrsg): Familiengeschichte(n). Erfahrungen und Verarbeitung von Exil und Verfolgung im Leben der Töchter. Wuppertal 2006, S. 165-200.

(Eine Edition ihrer Schriften zu Theater und Film ist in Vorbereitung)

 

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