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Ilsar, Yehiel

H.A.M. 0

Yehiel Ilsar
Philosoph und Psychologe

Geb. 20.12. 1912 in Galizien/ Österreich-Ungarn


Als sich mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges russische Truppen galizischem Gebiet nähern, fliehen die meisten der dort lebenden Juden in andere Regionen der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie – Yehiel Ilsars Familie geht mit dem zweijährigen Sohn nach Deutschland und läßt sich in Dortmund nieder. Hier besucht Yehiel die Volksschule, danach das städtische Hindenburg-Realgymnasium, wechselt vorübergehend (weil die Eltern das Schulgeld nicht mehr bezahlen können) auf eine private Höhere Schule, die er allerdings auch wieder verläßt, weil er von der antisemitischen Schulleitung öffentlich diskriminiert wird und kehrt auf die öffentliche Schule zurück, wo er 1932 dann auch das Abitur ablegt und sich zum Medizinstudium an der Universität Köln einschreibt. Im Jahr darauf kommt es zur Machtübernahme der Nationalsozialisten und Ilsar wird nach zwei Semestern von der Universität verwiesen.


Er verläßt Hitler-Deutschland und nimmt 1936 an der Hebräischen Universität Jerusalem sein Studium wieder auf, entscheidet sich jedoch – da es keine medizinische Fakultät gibt – nunmehr für die Fächer Philosophie und Psychologie. Daneben arbeitet er bis – 1938 – als Erzieher in einem Jerusalemer Heim für verhaltensgestörte Jugendliche und heiratet 1937 Miriam Badt, die Tochter des ranghöchsten jüdischen Beamten der Weimarer Republik.


Nach Abschluß von vier Studiensemestern an der Hebräischen Universität wechselt Yehiel Ilsar im Jahre 1938 an die Universität Zürich. Mit Kriegsbeginn 1939 muß er sein Studium jedoch erneut unterbrechen und kehrt ins damalige Palästina zurück. Bis 1943 ist Yehiel Leiter eines Beobachtungs- und Erziehungsheim für schwererziehbare Kinder, ab 1943 bis 1944 Leiter des Jugendseminars der Histadruth in Jerusalem.


1944 wird er Beamter der Jewish Agency, von 1947 bis 1948 in der Funktion eines Sekretärs der späteren israelischen Ministerpräsidentin Golda Meir. Von 1948 bis 1978 ist er Beamter im Israelischen Außenministerium, in den Jahren 1951 bis 1953 als Konsul und Erster Sekretär an der israelischen Gesandtschaft in Rom. Als Vizedirektor leitet Ilsar dann bis 1957 die Abteilung für westeuropäische Angelegenheiten im Außenministerium, vertritt von 1957 bis 1960 sein Land als Generalkonsul in Zürich und geht 1960 für drei Jahre als Botschafter in die Philippinen.


Seine im Sommer 1958 an der Universität Zürich wieder aufgenommenen Studien muß Yehiel Ilsar dafür erneut unterbrechen. Von 1963 bis 1965 ist er Botschafter in Thailand, Laos und Ceylon – und arbeitet mittlerweile an seiner Dissertation Der Satz vom Widerspruch und der Theravädabuddhismus, die er neben seinen zahlreichen politischen Verpflichtungen (1965-1968 ist er Leiter des Ressorts für kirchliche Angelegenheiten im Außenministerium und hat in den Jahren 1968-1972 das Amt des israelischen Botschafters in Panama und Haiti inne) abschliessen und im Wintersemester 1971 an der Universität Zürich zur Begutachtung vorlegen kann.


Quelle:

http://www.juedischeliteraturwestfalen.de/index.php?valex=101&vArticle=1&author_id=00000340&id=1


Literatur:

Yehiel Ilsar, Iris Nölle-Hornkamp (Reihen-Hrsg.): Leben in Wandlungen.
Erinnerungen eines Neunzigjährigen
Hg. von Iris Nölle-Hornkamp, Reihe: Veröffentlichungen aus dem Projekt „Jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller
in Westfalen“, Mentis-Verlag, Paderborn 2004, ISBN: 978-3-89785-424-6

Yehiel Ilsar: Im Streit für die Weimarer Republik
Stationen im Leben des Hermann Badt, Transit-Buchverlag, Berlin 1992,
ISBN-10: 3887470753, ISBN-13: 9783887470753

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