Drücke „Enter”, um zum Inhalt zu springen.

Hwang Sok-yong

H.A.M. 0

Hwang Sok-yong
Schriftsteller


Geb. 1943 in der Mandschurei/ unter jap. Besatzung


Hwang Sok-yongs Werke erzählen von der bewegten Geschichte des Landes und wurden mehrfach ausgezeichnet. Zentrales Thema seiner Texte ist der Konflikt zwischen Tradition und Moderne. Der südkoreanische Schriftsteller gehört zu jenen, die gemeinsam für die Demokratie und eine Annäherung der zwei Koreas gekämpft haben, überzeugt davon, dass das eine nicht ohne das andere geht.

„Wenn ich heute einige Passagen noch einmal durchlese, sage ich: »Ah! Da habe ich die Zensur ausgetrickst, indem ich diesen Ausdruck oder jene Litotes benutzt habe. Wir haben geschrieben, wie man Billard spielt, unsere Metaphern haben wir über drei Banden laufen lassen…“

(HWANG sok-yong) *


Von 1945, dem Jahr, in dem die japanische Besatzung Koreas endet, und 1948, als das Land geteilt wird, lebt HWANG Sok-yong in Nordkorea. Danach flüchtet die Familie in den Süden. Als er sieben Jahre Jahre alt ist, beginnt 1950 der Koreakrieg. Der Sohn aus großbürgerlichem Elternhaus soll eigentlich Arzt werden, entdeckt jedoch bereits in jungen Jahren seine Leidenschaft fürs Schreiben. 1962 veröffentlicht er seinen ersten Erzählband, für den er mit einem Nachwuchspreis ausgezeichnet wird. 1964 – er studiert mittlerweile Philosophie – wird er wegen der Teilnahme an einer Demonstration verhaftet. Im Gefängnis lernt er Tagelöhner kennen, interessiert sich für deren rastloses Leben und zieht nach seiner Entlassung ein Jahr lang mit ihnen herum. 1966 wird HWANG Sok-yong zum Militärdienst eingezogen und nimmt als Soldat auf Seiten der Amerikaner bis 1969 am Vietnamkrieg teil.


„Ich habe heute noch Angst vor Ratten, denn ich erinnere mich noch gut daran, wie morgens, wenn ich aufstand, überall Leichen von Zivilisten herumlagen, die die Armee massakriert hatte und an denen die Ratten nagten. Als ich nach Vietnam kam, wurde ich mit dem ›Aufräumen‹ beauftragt, wie man es nannte. Das bedeutete, dass ich die Spuren der Massaker an Zivilisten beseitigen, Löcher graben und die Leichen hineinwerfen musste. Und während wir damit beschäftigt waren, klebten die Fliegen an dem vergossenen Blut, nahm ich meine Mahlzeiten mit Unmengen von Fliegen ein, und bei der kleinsten Armbewegung flogen sie mit einem mechanischen Brummen auf, als würde ein Bulldozer vorbeifahren. So sah das tägliche Leben aus. Die Menschen dachten, sie wären normal, ich hingegen glaube, dass wir alle durchgedreht waren“.

Quelle: »Man muss der Erinnerung Zeit lassen.« Ein Interview mit HWANG Sok-yong (aus: ›Libération‹,9. Mai 2002) Hier in: http://www.dtv.de/dtv.cfm?wohin=autor4080&dtvnr=24460


Seine Gefängnis- und Kriegserfahrungen, auch und vor allem aber die Lebens- und Alltsgsituation in seinem geteilten Land, thematisiert HWANG Sok-yong fortan immer wieder. Mit seinem Kurzroman Die Geschichte des Herrn Han gelingt dem südkoreanischen Autor 1972 in seiner Heimat der literarische Durchbruch (auf Deutsch übersetzt erscheint das Buch zur Frankfurter Buchmesse 2005, bei der Südkorea Gastland ist).

In den 70er und 80er Jahren engagiert sich der Schriftsteller aktiv in der Demokratiebewegung und im Kampf für die Rechte der Arbeiter. 1976 entsteht Der fremde Ort (1976). 1978 zieht WHANG Sok-yong aus Seoul nach Gwangju, wo er 1980 den Aufstand gegen die Militärdiktatur miterlebt, dessen blutiger Ausgang ihn für eine Weile auf die Insel Jeju zwingt. 1985 formuliert er ein Manifest der Demokratiebewegung und veröffentlicht seinen Roman Die Schatten der Waffen, der sich kritisch mit dem koreanischen Engagement im Vietnamkrieg auseinandersetzt.


1982 kehrt der Dichter nach Gwangju zurück und veröffentlicht zwei Jahre später den zehnbändigen Roman Dschang Gilsan. 1989, zur Zeit der Perestroika, reist er auf Einladung des Literatur- und Kunstverbandes zum ersten Mal – ohne offizielle Genehmigung – nach Nordkorea, gefolgt von einer weiteren Reise im folgenden Jahr zur Versammlung aller Völker nach Pjöngjang.


Die Nordkorea-Reisen des Schriftstellers führen im Süden des geteilten Landes zum Eklat. HWANG Sok-yong geht ins Exil und arbeitet 1989/90 als Gastschriftsteller an der Akademie der Künste in Berlin. Anschließend folgt von 1991 bis 1993 ein Aufenthalt an der Long Island University/ USA. Er entscheidet sich gegen ein dauerhaftes Exil und kehrt schließlich nach Südkorea zurück. Dort erwartet ihn zwar ein inzwischen moderateres Regime – aber dennoch eine Haftstrafe, die erst fünf Jahre später, mit der Machtübernahme durch Kim Dae-jung, endet.


Auch nach seiner Freilassung beschäftigt sich der Schriftsteller immer wieder mit der Frage der Arbeiterbewegung und der Teilung seines Landes, so in seinem im Jahre 2000 erschienen Werk Der Weg nach Sampoo (2000), dessen Texte bereits drei Jahrzehnte zuvor – kurz nach seiner Rückkehr aus Vietnam – entstanden sind.

WHANG Sok-yong, Schriftsteller, Dissident und Präsident der südkoreanischen Künstlervereinigung, lebt als Hochschuldozent und Autor in London.


Quelle:

*) entnommen aus: »Man muss der Erinnerung Zeit lassen.« Ein Interview mit HWANG Sok-yong (aus: ›Libération‹,9. Mai 2002)
Hier in: http://www.dtv.de/dtv.cfm?wohin=
autor4080&dtvnr=24460


Literatur:

HWANG Sok-yong:
Der ferne Garten
Aus dem Koreanischen von Oh Dong-sik,
Kang Seung-hee und Torsten Zaiak
dtv, München, 2005,
ISBN 3-423-24460-7

Ein politischer Häftling wird 1999 nach 17 Jahren aus dem Gefängnis entlassen und von den lange verdrängten Erinnerungen eingeholt: an seine große Liebe, die Zeit der regimekritischen Aufstände und das Leben im Untergrund.

ders.:
Die Geschichte des Herrn Han.
Aus dem Koreanischen von Oh Dong-sik,
Kang Seung-hee und Torsten Zaiak.
dtv, München, 2005,
ISBN 3-423-24488-7.


Links (deutsch):

http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3946&Alias=wzo&cob=203073

http://www.dtv.de/dtv.cfm?wohin=dtvnr24460

http://www.litprom.de/sites/hwang.htm

http://www.zeit.de/2005/42/L-Sok-Yong

http://www.hr-online.de/website/rubriken/kultur/index.jsp?rubrik=7714&key=standard_document_5168034

http://www.dw-world.de/dw/article/0,1564,1729450,00.html


International:

http://www.frenchpubagency.com/?fuseaction=title.main&tid=646&category_id=1&rightslist_id=4

http://ieas.berkeley.edu/events/2005.11.02-2.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.