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Horkheimer, Max

H.A.M. 0

Max Horkheimer
Soziologe und Philosoph


Geb. 14. 2. 1895 in Stuttgart
Gest. 7. 7. 1973 in Nürnberg


Max HorkheimerOb es Max Horkheimer allein zu einer der Lichtgestalten der 68er-Generation gebracht hätte, ist Spekulation. Aber nicht unwahrscheinlich. Denn erst im Dreibund mit Herbert Marcuse, vor allem jedoch mit seinem Freund Theodor W. Adorno wird der Amerika-Remigrant zur Vorbildfigur. Ist doch seine Grundhaltung mehr als die seiner Kollegen ausgeprägt pessimistisch.


Horkheimer betrachtet die Philosophie als Kulturkritik, die sich zwar an der philosophischen Tradition orientiert, sich jedoch zugleich als „Kraft des Negativen“ der unphilosophischen Gegenwart zuzuwenden. Horkheimers Pessimismus rührt aus der Erkenntnis, daß sich der aufgeklärte Geist durch sein Streben nach einem angenehmeren und gerechteren Dasein selbst zerstöre. Ein wunschlos glücklicher Mensch entledige sich des Denkens.


Ein gewisses Maß an Verständnis für die Studentenrebellion der späten 60er Jahre dürfte Max Horkheimer aus seiner eigenen Jugend abgeleitet haben. Denn das Gymnasium wollte der Sohn eines wohlhabenden jüdischen Fabrikanten nicht zu Ende machen. Das sture Lernen war nicht sein Fall. Der knapp 16jährige verlässt 1911 die Höhere Schule vorzeitig und beginnt eine Handelslehre. Praxisorientiert arbeitet er danach von 1916 bis 1919 in der Fabrik seines Vaters, unterbrochen von einer kurzen Soldatenzeit 1917/18 während des Ersten Weltkriegs. Danach besinnt er sich und holt das Abitur nach, um Psychologie und Philosophie in München, Freiburg und Frankfurt/Main zu studieren. Er promoviert bei Hans Cornelius, der auch Doktorvater von Theodor W. Adorno ist. Mit ihm beginnt in dieser Zeit eine lebenslange Freundschaft und fruchtbare Zusammenarbeit. Deren Höhepunkte sind die gemeinsam erarbeitete, ebenso berühmte wie umstrittene Dialektik der Aufklärung und die Tätigkeit am Frankfurter Institut für Sozialforschung, das Horkheimer mit Erich Fromm und Herbert Marcus 1930 gegründet hatte und dessen Direktor er 1931 bis zur Schließung durch die Nazis im Jahre 1933 war.


1925 habilitiert sich Horkheimer mit dem Thema Kants Kritik der Urteilskraft als Bindeglied zwischen theoretischer und praktischer Philosophie. Der junge Privatdozent heiratet 1926 Rosa Riekher und wird 1932 Herausgeber der Zeitschrift für Sozialforschung, eine Tätigkeit, die er bis 1939 ausübt, also auch nach Flucht und Vertreibung aus Deutschland, das er 1933 verlassen muß. Nach einem einjährigen Aufenthalt in der Schweiz emigriert Horkheimer in die USA, wo er seine Herausgeberschaft von 1940 bis 1942 mit den Studies in Philosophiy and Social Science in englischer Sprache fortsetzt. Von 1943 bis zu seiner Rückkehr nach (West-)Deutschland 1949 leitet er als Direktor der wissenschaftlichen Abteilung des American Jewish Committee ein Forschungsprogramm über Antisemitismus.


Die Erfahrung der Verfolgung als Juden und die der Emigration in Amerika verbindet Horkheimer und Adorno. Horkheimer hat 1934 an der Columbia University in New York das Institut für Sozialforschung neu errichtet, erhält 1940 die US-Staatsangehörigkeit und schreibt zwischen 1942 und 1944 mit Adorno in Kalifornien die Dialektik der Aufklärung, die 1947 in den Vereinigten Staaten und erst 1969 in Deutschland veröffentlicht wird. Darin versuchen die Verfasser eine Antwort auf die im Vorwort formulierte anscheinend ewig aktuelle Frage, „warum die Menschheit, anstatt in einem wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art von Barbarei versinkt“.


Der Remigrant Horkheimer wird erneut zum Ordinarius für Sozialphilosophie an der Universität Frankfurt ernannt und wiederum Herausgeber eines Periodikums, diesmal unter dem Titel Studies in Prejudice. Bereits ein Jahr später wird 1950 das Institut für Sozialforschung wiedereröffnet und Horkheimer einer seiner prägenden Köpfe. Von 1951 bis 1953 amtiert er als Rektor der Frankfurter Universität: Die Stadt zeichnet ihn 1953 mit ihrer Goethe-Plakette und 1960 mit der Ehrenbürgerschaft aus. Hamburg ehrt ihn 1971 mit dem Lessing-Preis, doch Max Horkheimer scheint sich nicht ganz zu Hause zu fühlen. Zumindest lebt er in zwei Welten: Er hält ab 1954 bis 1959 wieder Vorlesungen in Amerika, und zwar an der Universität von Chicago und zieht nach seiner Emeritierung 1959 nach Montagnola in der Schweiz.

Der Tod ereilt ihn 1973 in Deutschland.


Veröffentlichungen (Auswahl):

The lesson of Fascism (1949); Ideologie und Wertgebung (1951); Invarianz und Dynamik, Zum Begriff der Vernunft und Survey of the Social Sciences in Western Germany (alle 1952); Schopenhauer und die Gesellschaft (1955); Soziologische Exkurse (1956, zusammen wieder mit Theodor W. Adorno); Zum Begriff des Menschen heute (1961); Soziologica II – Reden und Vorträge (1962); Theismus – Atheismus (1963); Über die Freiheit (1965).

An Erfolg und Aufsehen der Dialektik der Aufklärung kann keine dieser Arbeiten anknüpfen.


Autor:

Hajo Jahn


Literatur: 

Theodor W. Adorno / Max Horkheimer:
Briefwechsel. Band II. 1938-1944
Hrsgg. von Christoph Gödde und Henri Lonitz.
Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 2004.
ISBN 3518584235

dies.:
Briefwechsel 1927 – 1969
Band 1: 1927-1937
Hesgg. von Christoph Gödde und Henri Lonitz.
Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. Main 2003
ISBN 351858362X


Quelle:

http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/HorkheimerMax


Links (deutsch):

http://www.ub.uni-frankfurt.de/archive/horkheimervita.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Horkheimer

http://www.nadir.org/nadir/aktuell/2002/01/26/8308.html

http://www.zeit.de/archiv/1984/11/Zt19840309_048_0079?page=all

http://www.perlentaucher.de/buch/19015.html

http://www.perlentaucher.de/buch/13387.html

http://www.perlentaucher.de/buch/14904.html

http://www.perlentaucher.de/buch/14977.html

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=8016&ausgabe=200504


International:

http://www.tasc.ac.uk/depart/media/staff/ls/Modules/Theory/Horkheimer.htm

http://www.marxists.org/reference/archive/horkheimer/1963/theism-atheism.htm

http://www.marxists.org/reference/archive/horkheimer/1964/customer.htm

http://www.chez.com/patder/horkheim.htm

http://construct.haifa.ac.il/~ilangz/Utopia4.html

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