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Pohl, Sieghard

H.A.M. 0

Sieghard Pohl

Maler, Grafiker und Publizist

Geb. 11.09. 1925 in Breslau

Gest. 13.06. 1994 in Berlin

 

“Man hat ihn den »Verlorenen Sohn der Leipziger Schule« genannt, doch eigentlich war er einer ihrer Protagonisten.“ *)


Nach dem Besuch der Rudolf Steiner-Schule in seiner schlesischen Geburtsstadt (dem heutigen polnischen Wrocław) wird der kaum 18jährige Sieghard Pohl 1943 erst zum Reichsarbeits-Dienst und danach zur NS-Wehrmacht eingezogen. Nach Verwundung und anschließender Gefangenschaft holt er 1947 sein Abitur in Leipzig nach, arbeitet danach vorübergehend als Neulehrer (in Kursen außerhalb eines Studiums ausgebildete Lehrkräfte, die von den Alliierten in den vier Besatzungszonen in Deutschland 1945 bis 1949 eingesetzt werden. Damit soll sichergestellt werden, dass an den deutschen Schulen fortan keine durch ihre Nazi-Vergangenheit belasteten Lehrer unterrichten und die deutsche Jugend somit eine demokratische Erziehung erhält) und studiert von 1951 bis 1955 am Institut für Kunsterziehung der Karl-Marx-Universität Leipzig bei Elisabeth Voigt und Prof. Dr. Hans Schulze. Anschließend arbeitet er als Kunsterzieher und freischaffender Künstler und hat 1958 eine erste Einzel-Ausstellung seiner Werke in der privaten Leipziger Galerie Engewald: “Die brisantesten stellte er unterhalb der ausgehängten Bilder mit der Frontseite zur Wand, wohl wissend, dass gerade diese die Neugierde der Besucher wecken würden“ (Hier zitiert aus:  {ln:nw:http://www.berlin.friedparks.de/such/gedenkstaette.php?gdst_id=3645}) Hier lernt er dann u.a. auch den Malerkollegen, Grafiker, Fotomontage-Künstler, Bühnenbildner und DDR-Nationalpreisträger {ln:Heartfield, John ‚John Heartfield} kennen, der außerordentliches Interesse an Pohls Werken zeigt.

 

In der Folgezeit macht sich der Maler mit seiner regimekritischen Kunst bei den Verantwortlichen in der DDR zunehmend unbeliebt. Mehrmals werden Werke von Sieghard Pohl in Ausstellungen abgehängt und beschlagnahmt, darunter auch “Der Spucknapf des Volkes“, dessen Original seitdem verschollen ist und nur noch als Fotografie existiert. Das Negativ findet der Künstler später in seinen Stasi-Akten.

 

1961​ wird er zum ersten Mal verhaftet und wegen “Passvergehens in schwerem Fall“ (gemeint sind unerlaubte Reisen im Rahmen eines Besuches bei seinen in West-Berlin lebenden Eltern mit einem BRD-Pass nach Italien und in andere westliche Länder) und Anfertigung “staatsfeindlicher Bilder“ verurteilt. Nach seiner Entlassung 1962 kann Sieghard Pohl nun auch im Schuldienst nicht mehr tätig sein und widmet sich ganz der Malerei. Es folgt eine weitere Ausstellung in der Galerie Engewald. 1963 wird er erneut festgenommen und wegen “staatsgefährdender Propaganda und Hetze“ vom Bezirksgericht Leipzig zu einer mehrjährigen Haft verurteilt, die er im Zuchthaus Waldheim nördlich von Karl Marx-Stadt (heute: Chemnitz) verbringt. Durch Zufall fällt ihm hier Homers “Odyssee“ in die Hände und nicht zuletzt sie ist es, die dem Maler die Einzelhaft erleichtert. Die in dieser Zeit entstandenen Bilder mit mythologischen Motiven kann er aus dem Gefängnis herausschmuggeln.

 

1965 wird der “dissidentische“ Künstler von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft. Pohls bisheriges künstlerisches Werk geht verloren. In West-Berlin ist er bis 1987 als Kunsterzieher tätig und arbeitet in seinen letzten Lebensjahren als freischaffender Maler (der sich auch weiterhin gegen totalitäre Strukturen und für bedrängte Künstlerkollegen engagiert) und Publizist für diverse Medien.

 

Quellen:

*) Das Eingangszitat wurde der folgenden Quelle entnommen: “Ein Schelm, der etwas wagte“. Günter Feist, Kunsthistoriker, zur Ausstellungseröffnung Roger Loewig – Sieghard Pohl / GEGEN DEN STROM/ {ln:nw:http://sieghardpohl.de/kategorie/portrait}

{ln:nw:http://sieghardpohl.de/leben }

{ln:nw:https://de.wikipedia.org/wiki/Sieghard_Pohl }

{ln:nw:https://de.wikipedia.org/wiki/Neulehrer }

{ln:nw:https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/wer-war-wer-in-der-ddr-%2363%3b-1424.html?ID=2684 }

{ln:nw:http://www.berlin.friedparks.de/such/gedenkstaette.php?gdst_id=3645 }

 

Links (deutsch):

{ln:nw:https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=109044460 }

{ln:nw:http://gedenkbibliothek.de/download/Sieghard_Pohl_extra_muros_vom_13_01_1994.pdf }

{ln:nw:https://www.bildatlas-ddr-kunst.de/person/gnd/109044460 }

{ln:nw:https://www.welt.de/print-welt/article554427/Die-Illusion-von-der-Nische-Kunst.html }

{ln:nw:http://www.tagesspiegel.de/kultur/briefe-von-christa-wolf-sind-sie-des-teufels/14900466-all.html }

{ln:nw:http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezension-sachbuch-die-partei-die-partei-die-sieht-immer-schlecht-11267971.html }

{ln:nw:https://www.berlin.de/ba-marzahn-hellersdorf/aktuelles/pressemitteilungen/2012/pressemitteilung.306254.php }

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