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Vrettakos, Nikiforos

H.A.M. 0

Nikiforos Vrettakos

Schriftsteller, Lyriker, Journalist und Übersetzer

Geb. 01.01. 1912 in Krokees/ Griechenland

Gest. 04.08. 1991 in Ploumitsa bei Krokees/ Griechenland

 

“Jeden Morgen, wenn die Sonne emporsteigt über Trogen und über dem Kinderdorf, sind alle Dinge so einfach wie überall und immer auf dieser Erde. Doch sind die Gesichter der Kinder – hier – Heimatländer. An jedem Montagmorgen versammeln sie sich unter demselben Versprechen der Liebe. Gemeinsam sind sie ein Erdball, der betet“ *)

 

Nikephoros Vrettakos wächst in einer Kleinstadt auf der griechischen Halbinsel Peloponnes, unweit von Sparta,  auf, besucht hier auch die Grundschule und kann danach – mit Unterstützung von Verwandten – auf das Gymnasium von Gythio wechseln. 1929 übersiedelt er nach Athen, wo er sich an der dortigen Universität immatrikuliert – im selben Jahr wird mit dem Titel “Unter Schatten und Lichtern“ eine erste Gedichtauswahl des gerade erst einmal 17Jährigen veröffentlicht. Bereits 1930 muss der junge Student aus finanziellen Gründen die Hochschule  wieder verlassen.  Er heiratet, wird kurz darauf Vater und verdient vorübergehend den Unterhalt für seine junge Familie mit Arbeiten als Bauer und in einer Seidenfabrik. 1937 erhält Vrettakos eine feste Stelle im Ministerium für öffentliche Arbeiten. Unterbrochen wird die Berufstätigkeit durch seine Teilnahme am Griechisch-Italienischen Krieg 1940/ 41 und die Besetzung Griechenlands durch die Hitler-Armee, die ihn dazu bewegt, 1942 der Nationalen Befreiungsfront EAM (Εθνικό Απελευθερωτικό  Μέτωπο) beizutreten.

 

Nach dem Krieg setzt er seine Karriere im öffentlichen Dienst fort, muss aber 1947 aufgrund seiner politischen Haltung von Athen nach Piräus wechseln, wo er ab 1954 dem örtlichen Stadtrat angehört. Zu diesem Zeitpunkt ist der überzeugte Kommunist schon einige Jahre nicht mehr Partei-Mitglied: bereits 1949 hat die Kommunistische Partei Griechenlands ihn ausgeschlossen, da der Dichter in einem seiner Essays für die die Versöhnung zwischen den beiden Supermächten USA und Sowjetunion  plädiert: ein schwieriges Unterfangen in Zeiten des Kalten Krieges. 1957 – das Jahr, in dem Nikiforos Vrettakos erstmals die Sowjetunion besucht – gewinnt er den Staatspreis für Dichtung und beginnt als Journalist, Übersetzer und Literaturredaktor verschiedener Zeitschriften und Zeitungen zu arbeiten.

 

In der Putschnacht vom 21. April 1967 gelingt es ihm, der Verhaftung durch die Militärs zu entgehen und fasst daraufhin den Entschluss, Griechenland zu verlassen (so wie er gehen auch zahlreiche andere Künstler und Intellektuelle ins Ausland, unter ihnen  – nach vorheriger Inhaftierung – der Komponist {ln:Theodorakis, Mikis ‚Mikis Theodorakis} und die Schauspielerinnen {ln:Farantouri, Maria ‚Maria Farantouri} und {ln:Mercouri Melina ‚Melina Mercouri}). Vrettakos geht ins Exil in die Schweiz und anschließend nach Italien, von wo aus er als Schriftsteller die Unfreiheit in seinem Land anprangert, u.a. mit einem Gedicht über den Studenten Kostas Georgakis, der sich in Genua aus Protest gegen die Griechische Junta selbst anzündet.

 

“Mich nehmen immer wieder die Züge mit und fahren mich umher,

wie einen Verbannten, von dem sie nicht wissen, wo sie ihn lassen sollen,

wie einen Gefangenen, den sie keinem Gefängnis überlassen

– einen Gefangenen, der seinen Fehler nicht kennt,

es sei denn, daß Trauer um das Leben Mord wäre, es sei denn, das Herz, das liebt, hätte seinen Verstand verloren.“ **)

 

Von 1967 bis 1970 findet Vrettakos jeweils mehrere Monate im griechischen Kinderhaus “Kypseli“ im Kinderdorf Pestalozzi im Schweizer Trogen Zuflucht, beteiligt sich am täglichen Leben und Arbeiten mit den Kindern und verfasst einen Zyklus von sechzehn Gedichten, der zur 50Jahr-Feier des Kinderdorfes 1996 als Text- und Bildband aufgelegt wird. Nach dem Ende der Militärdiktatur  1974 kehrt der Schriftsteller nach Griechenland zurück und wohnt vorerst bei seinem Onkel in Krokees. 1987 kommt es zu erheblichen Irritationen in linken Kreisen, als er die Nomination für die als sehr konservativ geltende Akademie von Athen annimmt. Der führenden Trägerin außeruniversitärer akademischer Forschung und zentrale wissenschaftliche Einrichtung in Griechenland gehört Vrettakos gegen alle Proteste nun als erstes linkes Mitglied an.

 

Der mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen geehrte und für den Literatur-Nobelpreis nominierte Präsident des griechischen P.E.N-Clubs, Ehrenpräsident der Gesellschaft der griechischen Dichter und der Piräus-Gesellschaft für Kunst und Literatur kehrt Ende der 1980er Jahre zu seinen Wurzeln zurück, baut ein  kleines Haus in Lakonien, im Süden der Halbinsel Peloponnes und unweit der Ruinen von Ploumitsa und verfasst hier, im Angesicht des von ihm so geliebten Taygetos-Gebirges, einen großen Teil seines literarischen Œuvres. Im Alter von 79 Jahren stirbt Nikiforos Vrettakos. Die Bevölkerung nimmt in der orthodoxen Kathedrale von Athen Abschied von einem ihrer wichtigsten modernen  Dichter. Am 7. August 1991 wird er auf dem Nationalfriedhof der griechischen Hauptstadt beigesetzt. Anlässlich seines 100. Geburtstag erklärt das griechische Kulturministerium 2012 zum “Nikiforos-Vrettakos-Jahr“.

 

Quellen:

*) Nikiforos Vrettakos: Pestalozzidorf, hier zitiert in:  {ln:nw:https://de.wikipedia.org/wiki/Nikiforos_Vrettakos }

{ln:nw:http://wiki.phantis.com/index.php/Nikiforos_Vrettakos }

**) ders.: “Τα τραίνα – Die Züge“, hier zitiert aus: www.textus.de/stin_piatsa/Vrettakos.htm }

 

Links (deutsch):

{ln:nw:https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=118899333 }

{ln:nw:https://books.google.de/books?id=41QuDQAAQBAJ&pg=PT145&lpg=PT145&dq=Nikiforos+Vrettakos&source=bl&ots=19TUtjQaht&sig=nIMlwjUEztf2Ugpk1lrCO0-y0co&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjsxqDzrdjQAhXUFsAKHYp4Bj44HhDoAQghMAE#v=onepage&q=Nikiforos%20Vrettakos&f=false }

 

International:

{ln:nw:http://www.nytimes.com/1991/08/07/obituaries/nikiforos-vrettakos-poet-79.html }

{ln:nw:http://wiki.phantis.com/index.php/Nikiforos_Vrettakos }

{ln:nw:https://notborninenglish.wordpress.com/tag/nikiforos-vrettakos/ }

film{ln:nw:http://www.nikiforos.edu.gr/ }

film{ln:nw:http://www.krokeai.com/vrettakosframes.htm }

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