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Siebert, Oskar

H.A.M. 0

Oskar Siebert

Musiker und Komponist

Geb. 20.06. 1923 in Neukirchen vorm Wald

Gest. 28.05. 2009 vermutl. in Berlin

 

Sein Vater, Erwin Siebert, ist Rom und Geigenbauer in der vierten Generation, die Mutter, Katarina Aleksandra Gutkina, eine jüdische Russin. Der junge Oskar, zur Welt gekommen im Gasthof “Zur Post“ in Neukirchen im Bayrischen Wald, wächst in Preußen, im Berliner Bezirk Wedding, auf und erhält ab 1927 Violin-Unterricht bei Richard Goldmann, einem Geiger an der Staatsoper. Zu seiner Einschulung 1929 spielt der Sechsjährige den ersten Satz des Violinkonzertes a-moll von Antonio Vivaldi. Ab 1933 besucht er ein musisches Gymnasium und wechselt 1937 auf die Musikhochschule, die der musisch Hochbegabte als sogenannter “Mischling Ersten Grades“ und “Nicht-Arier“ aufgrund der NS-Rassegesetze dann allerdings bereits im folgenden Jahr wieder verlassen muss.

 

Fortan spielt Oskar Siebert nachts Geige oder Gitarre in Bars und Clubs und kann schließlich auch seine Studien (Geige und Komposition) am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium in Berlin fortsetzen. Bis zu seiner Verhaftung 1941. Der knapp 18Jährige kommt zur Rassehygienischen Forschungsstelle in Dahlem, später zum Arbeitsdienst in Wuppertal. Es folgt der Transport ins östlich von Linz gelegene KZ Mauthausen (wo u.a. auch {ln:Burger, Adolf ‚Adolf Burger, {ln:Edel, Peter ‚Peter Edel} und {ln:Wiesenthal, Simon ‚Simon Wiesenthal} inhaftiert sind),  wo er mit der dortigen Musikkapelle für die Wachmannschaft “Alpenland“ spielen muss. 1943 wird Siebert mit seinem Bruder Egon über die NS-Organisation Todt beim Bau von Bunkern und Raketen-Abschussrampen und an der französischen Atlantikküste einsetzt. Mit dem Rückzug der Hitler-Wehrmacht aus Frankreich im Sommer 1944 wird der Musiker erneut nach Mauthausen deportiert. 1945 gelingt Oskar Siebert die Flucht mit einem Kohlentransport Richtung Berlin.

 

Nach dem Ende von Nazigräuel und Krieg hat er 1946 als Musiker unter dem Künstlernamen Bob Siebert erste Auftritte mit einem eigenen Sextett in Alliiertenklubs sowie beim RIAS, dem Rundfunk im amerikanischen Sektor.  Zu den beeindruckenden Begegnungen im Leben des jungen Musikers gehört zweifellos im Jahr 1947 jene mit dem weltberühmten Gitarristen, Bandleader und Begründer des europäischen Jazz, dem französisch-sprachigen Sinto Django Reinhardt. Von nun an geht es auch mit Sieberts Karriere aufwärts – jenseits des Atlantiks, in den USA. Hier spielt er von 1950 bis 1954 in verschiedenen Bands und Tanzorchestern, unter anderem bei Tommy Dorsey und Les Paul, und nimmt daneben im kalifornischen Los Angeles Kompositionsunterricht beim Mitbegründer der Zwölfton-Musik, {ln:Schönberg, Arnold ‚Arnold Schönberg}.

 

Zurück in West-Berlin lebt Siebert mit seiner Familie in Reinickendorf, spielt beim RIAS Tanzorchester unter der Leitung von Kurt Edelhagen und in diversen  Fernsehorchestern. Ab den 1980er-Jahren widmet er sich verstärkt dem Komponieren und es entsteht eine Reihe von Liedern und kammermusikalischen Werken. Kurz vor seinem Tod erscheint 2008 Oskar Sieberts Autobiografie im Eigenverlag unter dem Titel “Ich spielte um mein Leben. Von der illegalen Musikkapelle in Mauthausen zum Berliner Tanzorchester“.

 

Quellen:

{ln:nw:https://de.wikipedia.org/wiki/Oskar_Siebert_%28Musiker%29 }

{ln:nw:http://www.musica-reanimata.de/de/komponisten.bio/0090.komponisten.bio.php?id=oskar.siebert }

volume_up{ln:nw:http://www.tonworte.de/publikationen-musikalisches/oskar-siebert-ich-spielte-um-mein-leben/ }

 

Links (deutsch):

{ln:nw:http://www.jg-berlin.org/beitraege/details/jazzklub-und-mauthausen-i30d-2008-03-01.html }

 

International:

{ln:nw:http://learning-from-history.de/taxonomy/term/1451/all }

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