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Auerbach, Johannes I.

H.A.M. 0

Johannes I. (Ilmari) Auerbach (auch: Johannes Ilmari-Auerbach, Jean/ Joannès Ilmari/ John Ivor Allenby)

Bildhauer, Maler, Kunstgewerbler und Schriftsteller

Geb. 24.05. 1899 in Breslau

Gest. 07.02.1950 in Oxford/ GB

 

Der Sohn eines Pianisten und einer Lehrerin wächst in einer vom Juden- zum Christentum konvertierten Familie auf. Als Johannes sieben Jahre alt ist, trennen sich die Eltern, die Mutter geht mit den beiden jüngsten Söhnen nach Jena, während Johannes und seine Schwester Cornelia vorerst beim Vater bleiben. Der kinderlose Onkel, Felix Auerbach, seines Zeichens Professor an der Universität Jena, wird jedoch bald zum Ersatzvater aller Kinder. Nach Deutschlandreisen mit der Mutter bis 1915 machte Johannes Auerbach im Kriegsjahr 1917 sein Notabitur und hört Vorlesungen in Straßburg, bevor er zum Fronteinsatz nach Frankreich einberufen wird. Ein Lazarettaufenthalt aufgrund einer Bronchitis wird ihm das Leben retten – seine gesamte Kompanie bleibt auf dem Schlachtfeld.

 

Nach Kriegsende tritt Johannes Auerbach 1918 in die Kommunistische Partei Deutschlands ein, studiert bis 1919 an der Hochschule für bildende Künste in Weimar bei Richard Engelmann und gehört danach mit zu den ersten Schülern am Weimarer Bauhaus. In Weimar freundet sich Johannes Auerbach u.a. mit dem Künstler Ernst Fuhrmann an, dem Begründer einer organisch-ökologischen Denkweise, von ihm “Biosophie“ genannt. Der Dichter, Schriftsteller und Philosoph macht sich nicht zuletzt auch als Fotograf und  Pionier der Neuen Sachlichkeit einen Namen.

Seine Teilnahme an einem kommunistischem Siedlungsprojekt endet sehr bald schon mit persönlichen und finanziellen Differenzen, in deren Gefolgte Johannes Auerbach am 21. September 1921 einen Suizidversuch unternimmt, den er kurz danach in seiner Groteske “Der Selbstmörderwettbewerb“ literarisch verarbeitet. Der Künstler kehrt nach Berlin und Jena zurück und erhält 1921 in Meran den Auftrag für das Grabmal des Kunstmäzens und -sammlers Karl Ernst Osthaus. 1922 heiratet er seine Jugendliebe Ingeborg Harnack (die Tochter der Jenaer Malerin Clara Harnack und Schwester der späteren Widerstandskämpfer Arvid und Falk Harnack) und zieht mit ihr auf das Jagdschloss Kranichstein bei Darmstadt, wo 1925 der gemeinsame Sohn Wulf geboren wird.

 

1924 befreundet sich Johannes Auerbach in Hamburg mit dem Maler Paul Bollmann und geht mit Unterstützung eines Kunstmäzens nach Paris. Hier lernt er Charles Despiau und Aristide Maillol kennen und befreundet sich mit (den in der NS-Zeit als „entartet“ bezeichneten) Künstlern Moissey Kogan und {ln:Freundlich, Otto ‚Otto Freundlich}. Von 1925 bis 1928 finden in Paris Auerbach-Ausstellungen statt. Obgleich mehrfach für sein Schaffen ausgezeichnet, bleibt der finanzielle Erfolg aus und der bildende Künstler muss sich seinen Lebensunterhalt als Maurer und Gelegenheitsarbeiter verdienen.

 

1930 wird die Ehe mit Ingeborg Harnack geschieden. Während sie mit dem älteren Sohn Wulf von Paris nach Berlin zurückkehrt (und später den Musiker Gustav Havemann heiratet), bleibt Johannes Auerbach in Frankreich. Aufgrund seiner weiterhin finanziell angespannten Situation kann er jedoch seinen Sohn Claus  nicht allein versorgen, und so wachsen beide Söhne schließlich bei den Havemanns auf. Johannes Auerbach bleibt bis 1930 in Paris, flieht dann allerdings  aufgrund eines tragischen Todesfalles unter abenteuerlichen Umständen aus Frankreich und trifft schließlich Ende Dezember 1932 in Hamburg ein.

 

Im Januar 1933 erfolgt im Deutschen Reich die Machtübergabe an die Nationalsozialisten. Für drei Monate schließt sich der überzeugte Kommunist Auerbach einer Widerstandsgruppe an, wird verhaftet,  gefoltert und verbringt von April 1933 bis Ende 1935 mehrmals in KZ-Haft (wobei er in Hamburg-Fuhlsbüttel, wo er seit April 1934 inhaftiert ist, aufgrund guter Führung in seiner Zelle zeichnen darf und später als Schriftzeichner eingesetzt wird). Wieder auf freiem Fuß betätigt sich Johannes Auerbach 1935/ 36 im Jüdischen Kulturbund Hamburg, wo er sich mit der Kunsthistorikerin und -sammlerin {ln:Schapire, Rosa ‚Rosa Schapire} und dem Maler Kurt Löwengard anfreundet. Finanziell über Wasser hält er sich in diesen Zeiten durch Unterstützung des Kulturbundes und mit Unterrichtskursen. 1936 nimmt Johannes Auerbach an der Reichsausstellung jüdischer Künstler in Hamburg teil. Seine finanzielle Situation bleibt dennoch weiterhin angespannt, und über Gelegenheitsaufträge kommt er nicht hinaus. Im selben Jahr heiratet er die Kunsthistorikerin Inge Fraenckel, die er durch Rosa Schapire kennengelernt hat und emigriert mit seiner zweiten Frau im Frühjahr über Großbritannien nach Capri. Auch dies aber ist nur eine Zwischenstation für das Ehepaar: 1937 reist man über Malta in die damalige britische Kronkolonie Zypern weiter. Auch hier ist die angespannte finanzielle Situation allgegenwärtig. Das karge Leben erlaubt noch nicht einmal die Anmietung eines Atelierraumes. Schließlich kehrt das Paar im Oktober 1938 wieder nach London zurück.

 

Auerbachs Versuche, seine Söhne noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges aus Hitler-Deutschland zu sich zu holen, scheitern an bürokratischen  Hürden. Bis 1946 dient Johannes Auerbach beim britischen War Office und erhält auch die  britische Staatsbürgerschaft. Obgleich der Künstler ab September 1946  Bildhauerei an der Kunstakademie in Oxford lehrt, bleiben seine  Lebensverhältnisse weiterhin äußerst bescheiden, und noch 1949 lebt er mit seiner Frau in einem einzigen Zimmer. Im Alter von nur 50 Jahren erliegt er einem Herzschlag.

 

Quelle:

{ln:nw:https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Ilmari_Auerbach }

 

Links (deutsch):

{ln:nw:https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=118891723 }

{ln:nw:http://www.kunst-in-der-krise.de/ }

{ln:nw:http://www.tagesspiegel.de/kultur/wir-sterben-um-die-wette/524914.html }

{ln:nw:http://www.filmladen.de/dokfest_alt/programm2004/monitoring/selbstmoerder.html }

 

International:

{ln:nw:https://dareonmh.wordpress.com/2014/02/26/modernism/ }

 

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