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Bacon, Jehuda

H.A.M. 0

Jehuda Bacon (auch Yehuda Bacon oder Jehuda Bakon)

Grafiker, Zeichner und Autor

Geb. 28.07. 1929 in Ostrava/ Tschechoslowakei

 

“Wer in der Hölle war, weiß, dass es zum Guten keine Alternative gibt.“ (Yehuda Bacon)

 

Der Sohn aus einem chassidischem Elternhause wird im Herbst 1942 mit seiner Familie ins Ghetto Theresienstadt (wo u.a. auch {ln:Klingsberg, Greta, ‚Greta Klingsberg} und der Komponist der Kinderoper “Brundibár“, {ln:Krása, Hans ‚Hans Krása}, inhaftiert sind) deportiert. Ebenso wie Greta Klingsberg, die die weibliche Hauptrolle der Aninka im “Brundibár“ singt, spielt auch Bacon in dem später weltweit berühmten Stück. Wie viele seiner kindlichen Mitspieler wird auch er später ins KZ Auschwitz gebracht: Im Dezember 1943 schicken die Nazis den Jungen ins Vernichtungslager, wo er mit anderen inhaftierten Kindern im sogenannten “Familienlager“ den Vertretern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz eine heile Scheinwelt vorführen muss. Tatsächlich werden die Birkenau Boys im Lageralltag für Transportarbeiten im gesamten Komplex Auschwitz II-Birkenau eingesetzt. Im Juni 1944 wird der damals 16Jährige Zeuge, wie sein Vater in die Gaskammer von Birkenau geht. Zu diesem Zeitpunkt werden seine Mutter und die Schwester Hanna ins Konzentrationslager Stutthof deportiert, wo sie wenige Wochen vor der Befreiung ums Leben kommen.

 

Am 18. Januar 1945 wird Jehuda Bacon auf den Todesmarsch geschickt, der zunächst drei Tage dauert und nach Mauthausen führt. Im März 1945 folgt ein weiterer Marsch, diesmal nach Gunskirchen, einem Nebenlager des KZ  Mauthausen. Hier, inmitten eines Waldes, müssen die Todgeweihten unter schrecklichsten Bedingungen ihr Leben fristen – bis zu ihrer Befreiung am 5. Mai 1945. Bacon und sein Freund Wolfie Adler (der später in Israel als Rabbiner wirkt) stoßen nach Verlassen des Lagers auf US-amerikanische Truppen, die sie in ein Krankenhaus nach Steyr bringen. Nach seiner Genesung in einem von katholischen Nonnen geführten Kloster kehrt Jehuda Bacon in seine tschechische Geburtsheimat zurück und macht sich in Prag auf die Suche nach Mutter und Schwester, von deren Tod er bis dahin noch nichts ahnt. Er lebt vorerst in einem im Schloss Štiřín bei Prag eingerichteten Kinderheim, geführt von dem tschechischen Pädagogen und Humanisten Přemysl Pitter, und in diesem Heim lernt er u.a. auch den Schriftsteller H. G. Adler kennen, der ihm – ebenso wie Pitter – ein Freund und Wegbegleiter zurück ins Leben wird.  Die Kunst ist es schließlich, die ihm diesen Weg ebnet und die Verarbeitung des erlittenen Leides ermöglichen wird. Bacon will das, was er gesehen und selber erlebt hat, der Nachwelt mitteilen, seine Geschichte erzählen, und dies auch und vor allem jungen Menschen in Deutschland. Ein Anliegen, das er mit anderen Überlebenden der Shoa teilt, unter ihnen {ln:Burger, Adolf, ‚Adolf Burger} und {ln:Bejarano, Esther ‚Esther Bejarano}. Mit letzterer steht der Zeitzeuge Bacon auch Jahrzehnte später in dem von Thomas Gonschior und Christa Spannbauer realisierten Filmprojekt “Mut zum Leben“, vor der Kamera, ebenso wie die Holocaust-Überlebenden Éva Pusztai-Fahidi und Greta Klingsberg. Dieser Film, als pädagogisches Angebot und gekoppelt mit einem Workshop, soll vor allem junge Menschen befähigen, sich gegen jede Form von Intoleranz, Rassenhass und Ausgrenzung einzusetzen, denn, so das Autorenteam: “In der Beschäftigung mit den Lebensgeschichten der vier Shoah-Überlebenden…können Jugendliche erkennen, wie wichtig es ist, sich im eigenen Alltag engagiert für andere einzusetzen und gegen Vorurteile und Ausgrenzung Stellung zu beziehen. Der Workshop macht jungen Menschen Mut zur Menschlichkeit, stärkt ihre Bereitschaft zur Zivilcourage und unterstützt sie darin, die Tapferkeit des Herzens einzuüben.“ (Hier zitiert aus: {ln:nw:http://www.mut-zum-leben-filmprojekt.org/seminare–workshops/index.html})

 

1946 wandert Jehuda Bacon mit Hilfe der Jugend-Alijah ins damalige Palästina aus. In Jerusalem studiert er an der Bezalel-Kunstakademie, an die er nach mehreren Studienreisen, die ihn nach Europa (Paris und London) führen, 1959 dann auch als Professor für Grafik und Zeichnen berufen wird. Bacons Zeichnungen, die er noch als Jugendlicher kurz nach der Befreiung vom Konzentrationslager Auschwitz anfertigt, werden, ebenso wie seine  Zeugenaussagen, in Prozessen gegen NS-Verbrecher (u.a. im Jerusalemer Verfahren gegen Adolf Eichmann und in den Frankfurter Auschwitzprozessen) als Beweismittel verwendet. Auch der britische Holocaust-Leugner David Irving wird vor Gericht mit Bacons Beweisen konfrontiert.

 

Das künstlerische (Erinnerungs-)Werk Jehuda Bacons wird in den Folgejahren weltweit präsentiert, seine Erlebnisse und Kunstwerke finden in Büchern und Ausstellungen (unter anderem in Israel, Deutschland, den USA und Großbritannien) ihren Niederschlag und sind im Israel Museum Jerusalem, der nationalen Gedenkstätte Yad Vashem, im US Congress in Washington, D.C., in London und in zahlreichen Privatwohnungen zu sehen. Ausstellungen führen den Künstler auch nach Deutschland, in die USA und Großbritannien. Sein Œuvre, in dem er einerseits die Erlebnisse seiner Kindheit und Jugend in den Konzentrationslagern verarbeitet, will andererseits eine künstlerische Brücke der Versöhnung, Vergebung und Völkerverständigung sein, über ethnische und religiöse Grenzen hinweg. Und nicht zuletzt dies ist dem Menschen und Künstler Jehuda Bacon Anstoß und Auftrag, sich mit ganzem Herzen im „jüdisch-christlichen Dialog“ zu engagieren.

 

Quellen:

{ln:nw:https://de.wikipedia.org/wiki/Jehuda_Bacon }

{ln:nw:http://www.mut-zum-leben-filmprojekt.org/seminare–workshops/index.html }

 

Links (deutsch):

{ln:nw:http://www.erinnern.at/bundeslaender/oberoesterreich/termine/vernissage-mit-jehuda-bacon-an-der-kz-gedenkstaette-mauthausen/Bacon_Begleitbroschure_Ausstellung_2016.pdf }

film{ln:nw:http://www.mut-zum-leben-filmprojekt.org/ }

film{ln:nw:http://www.leo-kestenberg.com/deutsch/multimedia-dokumentation/jehuda-bacon/ }

volume_up{ln:nw:http://www.spiegel.de/einestages/kz-auschwitz-holocaust-ueberlebende-berichten-jehuda-bacon-a-1012237.html }

volume_up{ln:nw:http://www.auschwitz-prozess-frankfurt.de/index.php?id=61 }

{ln:nw:http://www.auschwitz-prozess.de/download.php?file=Bacon-Jehuda.pdf }

{ln:nw:http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/auschwitz-birkenau-ueberlebender-yehuda-bacon-ueber-holocaust-a-945791.html }

{ln:nw:http://www.faz.net/aktuell/politik/jehuda-bacon-sonst-haette-hitler-gewonnen-13391535.html }

{ln:nw:http://yehudabacon.net/?l=de }

{ln:nw:http://www.hagalil.com/archiv/2004/09/bacon.htm }

{ln:nw:http://www.dienste-in-israel.org/fileadmin/downloads/wegbegleiter/jehuda_bacon-l.pdf }

film{ln:nw:http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=28829 }

film{ln:nw:http://auschwitzundich.ard.de/auschwitz_und_ich/TestimonialBaconmov,bacon116.html }

 

International:

{ln:nw:http://yehudabacon.net/ }

film{ln:nw:https://www.youtube.com/watch?v=zidNvLUPSt0 }

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