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Motesiczky, Marie-Louise von

H.A.M. 0

Marie-Louise von Motesiczky

Malerin

Geb. 24.10. 1906 in Wien/ Österreich-Ungarn

Gest. 10.06. 1996 in London/ GB


Ihre Familiengeschichte spiegelt ein Stück Historie der Habsburger Doppelmonarchie: Der Vater (der noch mit Brahms musiziert hat) entstammt einer ungarischen Adelsfamilie, die Mutter Henriette ist die Tochter einer jüdischen Wiener Bankiersfamilie (und Schwester des Erfinders der Radioröhre, Robert Hermann von Lieben). Marie-Louises Großmutter, Anna von Lieben, geht als eine der ersten Patientinnen {ln:freud-sigmund ‚Sigmund Freuds} (unter dem Namen “Cäcilie M.“) in die Medizingeschichte ein. Und bereits im Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts führt die Urgroßmutter Sophie von Todesco im monumentalen Palais Todesco einen namhaften Künstlersalon, zu dessen Gästen u.a. Johann Strauss, Anton Rubinstein, Hugo von Hofmannsthal und Henrik Ibsen gehören. Marie-Louises Bruder Karl Motesiczky, seines Zeichens Psychoanalytiker, überzeugter Sozialist, NS-Gegner und Gründer einer Widerstandsgruppe, stirbt 1943 im KZ Auschwitz.


Die seit ihrem 3. Lebensjahr vaterlose Marie-Louise verlässt bereits im Alter von 13 Jahren die Schule, besucht anschließend Kunstklassen in Wien, Den Haag, Frankfurt, Paris und Berlin und studiert ab 1927 in Frankfurt am Main an der Städelschule bei {ln:Beckmann, Max ‚Max Beckmann}, dessen großer künstlerische Einfluss sie fortan prägen und mit dem sie eine lebenslange Freundschaft verbinden wird. Nach dem sogenannten ‘Anschluss‘ von Österreich an Hitlerdeutschland  im März 1938 flieht die junge Malerin mit ihrer Mutter zuerst in die Niederlande (hier hat sie im darauffolgenden Jahr auch ihre erste Einzelausstellung) und von dort weiter über London ins nordwestlich der britischen Hauptstadt gelegene Amersham. Nach Kriegsende wählt sie den Londoner Stadtteil Hampstead zu ihrem endgültigen Wohn- und Arbeitssitz.


Während ihres Exil-Aufenthaltes in London vertieft sich ihre aus Jugendtagen in Wien herrührende Bekanntschaft zum Malerkollegen {ln:Kokoschka, Oskar ‚Oskar Kokoschka}. Der ebenfalls vor den Nazis geflohene Dichter {ln:Canetti, Elias ‚Elias Canetti} wird zum Freund  – und für die folgenden vier Jahrzehnte zum Geliebten der Malerin, deren Canetti-Bildnis heute in der Londoner ‘National Portait Gallery‘ hängt. Der spannungsreiche Briefwechsel der beiden Künstler erscheint 2011 unter dem Titel „Liebhaber ohne Adresse“ im Münchener Carl Hanser Verlag.


Bei einer Mexiko-Reise Mexiko trifft Marie-Louise von Motesiczky 1958 einen alten Kinderfreund wieder, den Surrealisten {ln:Paalen, Wolfgang ‚Wolfgang Paalen}. Ihr Versuch, den ebenfalls vor den Nazis geflohenen Künstler zur Rückkehr nach Europa zu bewegen, scheitert. Paalen nimmt sich am 24. September 1959 in Taxco das Leben.


Nach mehreren Einzelausstellungen in Europa wird der lange wenig beachteten  österreichischen Malerin 1966 in der ‘Wiener Secession‘ die erste große Ausstellung in ihrer ehemaligen Heimat gewidmet. Anlässlich ihres 100. Geburtstages 2006 würdigt eine große Wanderausstellung (Tate Liverpool, Museum Giersch Frankfurt, Wien Museum, Southampton City Art Gallery) das Werk der im Alter von fast 90 Jahren verstorbenen Marie-Louise von Motesiczky, nach der 2009 im 21. Wiener Bezirk Floridsdorf auch ein Weg benannt wird.


Literatur:

Elias Canetti und Marie-Louise von Motesiczky: „Liebhaber ohne Adresse. Briefwechsel 1942-1992“, Herausgegeben von Ines Schlenker und Kristian Wachinger. München: Carl Hanser Verlag, 2011. 385 Seiten, 24,90 Euro


Quellen:

{ln:nw:http://de.wikipedia.org/wiki/Marie-Louise_von_Motesiczky }

{ln:nw:http://www.zeit.de/2011/49/L-B-Canetti }

{ln:nw:http://www.motesiczky.org/biography/ }

{ln:nw:http://www.deutschlandfunk.de/liebe-des-lebens.700.de.html?dram:article_id=85335 }


Links (deutsch):

 

{ln:nw:https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=119225859 }

volume_up{ln:nw:http://www.oesterreich-am-wort.at/ausstellungen/exil/kunst-und-wissenschaft-im-exil/} 

{ln:nw:http://www.european-cultural-news.com/marie-louise-von-motesiczky-max-beckmanns-unbekannte-schuelerin/54/ }

{ln:nw:http://www.perlentaucher.de/buch/elias-canetti-marie-louise-von-motesiczky/liebhaber-ohne-adresse.html }

{ln:nw:http://www.welt.de/print/die_welt/vermischtes/article13555468/Der-Papst-und-das-Muli.html }

{ln:nw:http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/kultur/ausstellung-das-loewenmutige-fraeulein-1383353.html }


International:

 

{ln:nw:http://www.tate.org.uk/node/236982/guide/default.shtm }

{ln:nw:http://www.tate.org.uk/whats-on/tate-liverpool/exhibition/marie-louise-von-motesiczky/marie-louise-von-motesiczky/marie-4 }

{ln:nw:http://www.deborahfeller.com/news-and-views/?p=818 }

{ln:nw:http://www.bbc.co.uk/arts/yourpaintings/artists/marie-louise-von-motesiczky }

{ln:nw:http://weimarart.blogspot.fr/2010/08/marie-louise-von-motesiczky.html }

{ln:nw:http://www.independent.co.uk/news/people/obituary-marielouise-von-motesiczky-1337146.html }

{ln:nw:http://larepubliquedulivrenumerique.com/ni-avec-elias-canetti-ni-sans-par-marie-louise-motesiczky/ }

{ln:nw:http://www.20minutes.fr/livres/1227715-20130925-amant-adresse-correspondance-1942-1992-alerte-elias-canetti-marie-louise-von-motesiczky-chez-albin-michel-paris-france }

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