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Hahn, Kurt Martin

H.A.M. 0
Kurt Martin Hahn
Pädagoge

Geb. 5.6. 1886 in Berlin
Gest. 14.12. 1974 in Salem


Der „Vater der Erlebnis-Pädagogik“ begründet 1920, zusammen mit seinem Freund und Vertrauten, dem letzten deutschen Reichskanzler Prinz Max von Baden, sowie dem Pädagogen  und Schulreformer Karl Reinhardt das Internat Schloss Salem am Bodensee.

Im Frühjahr 1933 wird Hahn von den kurz zuvor an die Macht gelangten Nationalsozialisten festgenommen. Aus seiner „Schutzhaft“ wird er jedoch nach kurzer Zeit durch Intervention des britischen Labour-Premierministers Ramsay MacDonald sowie des Markgrafen von Baden wieder entlassen und emigriert im Sommer 1933 nach Großbritannien. Im schottischen Gordonstoun gründet Kurt Hahn 1934 die British Salem School, in die er sein erlebnis-pädagogisches Konzept einbringt und damit auch spätere Generationen von Pädagogen nachhaltig beeinflusst.

In der Nachkriegszeit ist Hahn massgeblich an der Gründung der Stiftung Louisenlund beteiligt, einem staatlich anerkannten Gymnasium mit Internat für Jungen und Mädchen in der Nähe von Schleswig. 1956 folgt er einer Einladung ans NATO Defense College und ist von dem friedlichen Zusammenleben von Menschen unterschiedlichster Nationalitäten, die einander im Zweiten Weltkrieg noch befehdet hatten, tief beeindruckt. Hier und jetzt reift der Plan des deutschen Pädagogen, junge Menschen auf ähnliche Weise zusammenzubringen, um auf diese Weise die Feindseligkeiten des Kalten Krieges zu überwinden. Kurt Hahn entwickelt mit seinen  United World Colleges  ein internationales Schulkonzept, bei dem junge Menschen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren durch internationale Bildung und soziales Engagement zu Toleranz und sozialer Verantwortung erzogen werden sollen. 1962 wird an der walisischen Küste, unweit von Cardiff, das Atlantic College als erstes von mittlerweile 12 Schulen dieser Art weltweit gegründet. Das ungewöhnliche pädagogische Unterfangen, bei dem sogar die Ausbildung in Seenotrettung fester Bestandteil des schulischen Lebens ist, wird von der renommierten britischen Times als das „aufregendste Experiment auf dem Gebiet der Bildung seit dem Zweiten Weltkrieg“ bezeichnet. Ebenfalls 1956 ruft der deutsche Erlebnispädagoge gemeinsam mit Herzog Prinz Philip von Edingburg, The Duke of Edingburgh’s Award, ins Leben. Daraus haben sich  mittlerweile in fast 60 Staaten weltweit organisierte nationale Programme entwickelt, die den Jugendlichen neben persönlichen Erfahrungen im Bereich Natur und Umwelt auch und vor allem Qualifikationen  wie Eigeninitiative, Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit und Planungskompetenz vermitteln sollen.

Erziehung, so Hahns Überzeugung, hat  nicht zuletzt die Aufgabe, jeden jungen Menschen zu seiner persönlichen Leidenschaft finden zu lassen. Und auf diesen Weg will er sie einerseits durch das Angebot sozialer Dienste bringen, ihnen andererseits aber auch mit einer Vielzahl von erlebnis-pädagogischen Freizeitangeboten (wie Zeltlager und Übernachtung im Freien)  bei ihrer „inneren Talentsuche“ helfen und  bislang ungeahnte Fähigkeiten und Begabungen aufzeigen.

Zur Ironie des Schicksals des aus Deutschland Vertriebenen gehört aber nicht zuletzt eben jener Umstand, dass die Konzepte des jüdischen Pädagogen von den herrschenden Nationalsozialisten sehr schnell ideologisch geschickt vereinnahmt und für ihre eigenen Zwecke mißbraucht werden. Kritiker seiner Pädagogik machen dies dem Nazi-Opfer Kurt Hahn zeitlebens zum Vorwurf.

Quellen:

Links (deutsch):

International:

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