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Dachinger, Hugo

H.A.M. 0

Hugo (Puck) Dachinger
Werbegrafiker, Zeichner und Maler


Geb. 1908 Gmunden/Oberöster.
Gest. 1997 London


Studium an der Staatlichen Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig, finanziert sich durch Hausierertätigkeit, Schaufensterdekorationen und eigenen Erfindungen, wie klebendes Fliegenpapier oder die Entwicklung eines Systems mit selbstklebenden Abziehbuchstaben, dem „Reklamograph“ (Vorläufer von Letraset), 1932 Wien, als Selfmademan erfolgreich, vermarktet „Reklamograph“ gewinnträchtig in anderen europäischen Ländern, Austritt aus der KPÖ 1934.


Wird als Jude und Sozialist massiv bei seiner Arbeitsausübung behindert, emigriert 1938 über Dänemark nach England (1939), wo er die Lizenz für sein Letternsystem an eine englische Firma vergibt, ab Juli 1940 Internierung in Huyton bei Liverpool, von Sept. 1940 bis April 1941 im Camp Mooragh in Ramsey, Isle of Man interniert, nach der Entlassung kunstgewerblich (u.a. für einen Lederfabrikanten) und als Erfinder für die Werbeabteilung (Geschenkideen) von Kaufhäusern wie Woolworth tätig, die eigene Firma „Transposter Advertising“ wird wegen kriegsbedingten Materialmangels geschlossen und nach dem Krieg unter dem Namen „Transposter Display“ wieder ins Leben gerufen, weiter als Erfinder auf dem Gebiet der Werbung tätig, entwickelt u.a. einen Klebestift, nebenbei künstlerische Arbeiten, an deren Vermarktung er wenig Interesse zeigt, 1983 Tod der ebenfalls künstlerisch tätigen Ehefrau Meta Dachinger-Gutmann, vorübergehende Schaffenskrise.


Arbeiten in Österreich und Deutschland vor der Emigration

Angewandte Arbeiten, vor allem Werbegraphik; als Jude und Sozialist verfolgt.


Im britischen Exil

Im Internierungslager Zeichnungen auf unüblichen Zeichen-gründen, etwa mit Zahnpasta grundiertem Zeitungspapier, und mit Malmitteln aus Asche, Blütensaft u.a.; neben den angewandten Arbeiten freie Malerei und Zeichnung, beeinflusst von der französischen Moderne (Picasso, Matisse, Derain), kein dezidiert eigener Stil, stattdessen stilistische Vielfalt, jedoch keinerlei Anklänge an eine deutsche oder österreichische Tradition, entwickelt keine „Corporate identity“; Schwerpunkt ist die menschliche Figur im Raum, wobei der Mensch oft als ausgesparter Raum, als Leerstelle im Bildganzen erscheint, in den 1950er Jahren sehr dunkle Ölmalerei; in den späten 1980er und 1990er Jahren zahlreiche in Londoner Kaffeehäusern angefertigte Zeichnungen (typisch österreichisches Sujet, statt typisch englischer Pubszenen), als Künstler kaum Verkaufsambitionen, mäßig erfolgreich.


Weitere Kurzbiographien

Kunst im Exil in Großbritannien 1933-45. Ausstellungskatalog der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst Berlin. Berlin (West) 1986 (englische Übersetzung: Art in Exile in Great Britain. Ausstellungskatalog Camden Art Centre, London. London 1986), S. 121f.; Uwe Westphal: Werbung im Dritten Reich. Berlin 1989, S. 106.


Nachlass

Peran Dachinger, London


Werk- und Literaturauswahl

Dachinger – Hugo (Puck) Dachinger. An Exhibition of Oils, Pastels and Drawings, 1940s to 1989. Ausstellungskatalog John Denham Gallery, London. London 1989
– – Hugo (Puck) Dachinger. An Exhibition of Oils and Work on Paper. Ausstellungskatalog John Denham Gallery, London. London 1997
Wehner, Charles Douglas: Biography Hugo („Puck“) Dachinger. Unveröff. Typoskript. London ohne Jahr, 26 Seiten


Autorin:

Rosa von der Schulenburg

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