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Bernstein, Elsa

H.A.M. 0

Elsa Bernstein (Pseud. Ernst Rosmer)
Schriftstellerin und Schauspielerin


Geb. 28.10. 1866 in Wien/ Österreich-Ungarn
Gest. 12.7.1949 in Hamburg


Die geborene Wienerin wächst in München auf, nachdem ihrem Vater, dem Musiker, Dirigenten und Musiktheoretiker Heinrich Porges, auf Veranlassung König Ludwig II. und Richard Wagners in der bayerischen Metropole eine Stelle als Kapellmeister zugesagt worden ist. Heinrich Porges, ursprünglich jüdischer Herkunft, konvertiert in München mit seiner Frau und seiner Tochter Elsa zum Protestantismus.


Bereits in jungen Jahren beginnt Elsa Bernstein mit dem Schreiben von kleinen Versen und Theaterstücken. Fasziniert von der Theaterwelt, die sie durch zahlreiche Wagneraufführungen (ihr Vater engagiert sich auch und vor allem für die Werke Richard Wagners, was ihm sehr bald den Namen Johannes des Wagnertums einträgt) kennen lernt, couragiert genug, um aus der bürgerlichen Welt des Elternhauses auszubrechen, entscheidet sich Elsa Bernstein mit sechzehn Jahren, eine Karriere als Schauspielerin einzuschlagen und erhält bereits im Mai 1883 ihr erstes Engagement am Magdeburger Stadttheater. Ein Jahr später wechselt Elsa Bernstein ans Herzogliche Hoftheater in Braunschweig, muß aber aufgrund einer schweren Augenerkrankung im Frühjahr 1885 ihre Karriere aus Schauspielerin aufgeben.


Während ihrer Krankheit beginnt sie erneut, Verse, Geschichten und Stücke zu schreiben und einige ihrer Werke können mit Hilfe ihres Freundes Max Bernstein veröffentlicht werden, den sie im Oktober 1890 auch heiratet. Trotz seines Berufes als Rechtsanwalt ist ihr zwölf Jahre älterer Mann außerdem als Theaterkritiker und Schriftsteller tätig und hat bereits einige kurze Erzählungen sowie mehrere Lustspiele veröffentlicht. Sein größeres Verdienst gilt allerdings der Förderung der modernen Literatur, und nicht zuletzt der norwegische Dramatiker Henrik Ibsen wird durch Max Bernstein in Deutschland bekannt.


Ab 1891 verfasst Elsa Bernstein neben Gedichten und Novellen vor allem Theaterstücke. Vom Naturalismus ihrer ersten Dramen Wir Drei (1893), Dämmerung (1893) sowie der Komödie Tedeum (1896) wendet sie sich fortan auch anderen literarischen Strömungen zu, insbesondere dem Symbolismus und Impressionismus, wie etwa in dem Legendendrama Mutter Maria (1900). In ihren Stücken Johannes Herkner (1904) und Maria Arndt (1908) greift Bernstein nochmals naturalistische Tendenzen auf, bevor sie bei der Dramatisierung von Stoffen aus der griechischen Mythologie, z.B. in Nausikaa ((1906) und vor allem Achill (1910), strengere Dramenformen nach dem Vorbild der deutschen Klassik bevorzugt.


Ihr Märchenspiel Die Königskinder aus dem Jahr 1894 gilt zahlreichen Experten als die Kunstmärchen-Oper par excellence. Die jüdische Dichterin erzählt darin – unter dem Pseudonym Ernst Rosmer – die Geschichte zweier sozial extrem unterschiedlich angesiedelter Liebender, denen nur gesellschaftliche Außenseiter und Kinder den Rang eines geistigen Königtums einräumen. Das 1897 am Münchner Hoftheater als Melodram und 1910 an der Metropolitan Opera – in der Vertonung von Engelbert Humperdinck – als durchkomponierte Oper uraufgeführte Königskinder-Märchen ist für eine Reihe von Komponisten im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts Vorbild und Anreiz. Besondere Popularität erlangt z.B. Franz Schrekers Vertonung Der Schatzgräber, die 1920 in Frankfurt am Main uraufgeführt wird.


Elsa Bernstein, Ehrenmitglied der Münchner Gesellschaft der Literaturfreunde, unterhält ab Ende der neunziger Jahre, zusammen mit ihrem Ehemann Max, einen literarisch-musikalischen Salon. Nicht nur angesehene Münchner Familien, etablierte Künstler, Literaten und Musiker sind hier willkommen, sondern auch und gerade viele junge, unbekannte Schriftsteller, Musiker, Schauspieler und Künstler aus der Avantgarde-Bewegung. Nach dem Tode von Max Bernstein 1925 führt seine Witwe, nun gemeinsam mit ihrer unverheirateten Schwester, die Tradition fort. Erst nachdem im Jahre 1939 im Zuge zunehmender Judenpogrome von den Nationalsozialisten ihre Zwangsumsiedlung in eine wesentlich kleinere und weniger repräsentative Wohnung in einem Hinterhaus angeordnet wird, ist sie gezwungen, ihren Salon aufzugeben.


Im Sommer 1942 werden beide Frauen ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo bereits wenige Monate darauf Elsa Bernsteins Schwester stirbt. Sie selber darf – aufgrund ihrer literaischen Tätigkeit – im sogenannten Prominentenhaus unter erleichterten Bedingungen wohnen. In Theresienstadt trifft sie die dort ebenfalls inhaftierte Pädagogin Gerty Spies, mit der sie sich befreundet und die von Bernstein ermutigt wird, sich mit ihren Gedichten an einem von den Gefangenen organisierten Dichterwettbewerb teilzunehmen.


Elas Bernstein überlebt, mittlerweile bereits völlig erblindet, die Nazi-Gräuel. Nach ihrer Befreiung zieht die Schriftstellerin im Juni 1945 zu ihrer Tochter nach Hamburg, nimmt von dort ihre alten brieflichen Kontakte mit Freunden und Freundinnen wieder auf und arbeitet mit Hilfe einer Blindenschreibmaschine an der Niederschrift ihrer Lebenserinnerungen für die in den USA lebenden Angehörigen. Ihr Manuskript gilt lange als verschollen und wird erst Ende der neunziger Jahre wiederentdeckt und veröffentlicht.


Links (deutsch):

http://www.solana-theater.de/essays/bernstein_rosmer.htm

http://www.edition-ebersbach.de/seiten/lebenals.htm

http://www.tour-literatur.de/sekundlit_autoren/rosmer_ernst_sekundlit.htm

http://www.nmz.de/nmz/nmz2001/nmz06/rez-buch-humperdinck.shtml

http://www.theaterszene-koeln.de/stueck.php?id=16563

http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/tha/8988.html

http://www.bayerische.staatsoper.de/c.php/spielplan/v_werk.php?id=829&termin=3512&l=de&dom=dom1

http://www.literaturhaus.at/buch/fachbuch/rez/wlaschek

http://mitglied.lycos.de/mwiener/ullmann/schwerin.html


International:

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