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Spira, Bil

H.A.M. 0

Bil Spira [d. i. Wilhelm Spira, Künstlername bil[l]; 1938ff. Deckname Willy Freier, weitere Pseud. fifty, Capra]
Zeichner

Geb. 1913 Wien/ Österreich-Ungarn
Gest. 1999 Puteaux bei Paris/ Frankreich


Liefert bereits mit 16 Jahren humoristische Pressezeichnungen für das „Sieben Groschen Kleine Blatt“ (Theaterzeichnungen, vor allem Schauspieler-Karikaturen), ca. 1932-1934 humoristische Polit-Karikaturen für die sozialdemokratische „Arbeiter-Zeitung“, 1932-35 Kunstgewerbeschule Wien, daneben Pressezeichner und Umbruchredakteur, außerdem Bühnen-bildner für das Kabarett ABC.


Zusammenarbeit mit dem Dichter Jura Soyfer, nach dem Umsturz 1934 arbeitslos, ab 1935 humoristische Karikaturen für die Sonntagsbeilage des „Wiener Tag“ (sign. mit „Sp“), 1935 in Paris mit dem Auftrag für einen Zeichentrickfilm, 1938 in Wien zusammen mit seinem politisch aktiven Vater (Sozialdemokrat) inhaftiert, 1938/39 unter dem Decknamen „Freier“ illegal in Paris, lernt hier seine spätere Frau Mina, eine Wiener Emigrantin kennen, Porträtkarikaturen von den Emigranten in Paris, unter dem Pseud. „bill“ oder „bil“ 1938-40 und ab 1945 bis in die 1970er Jahre humoristische Zeichnungen für „Le Rire“, unter dem Pseud. „fifty“ 1939/40 für „Die österreichische Post“ (Pariser Emigrantenzeitung), 1939-42 mit kurzen Unter-brechungen in verschiedenen französischen Internierungslagern (Damigny, Meslay du Maine, Montlucon, Le Vernet), Mai 1940 vor den heranrückenden deutschen Truppen Flucht nach Marseille, als Passfälscher für Varian Fry, den Leiter des American Emergency Rescue Committees tätig, 1942 Heirat, 1942 Deportation nach Oberschlesien, bis 1945 in verschiedenen KZs (Laurahütte, Blechhammer, Groß-Rosen, Buchenwald, Theresienstadt), die in Blechhammer entstand-enen Zeichnungen werden von den sowjetischen Befreiern Theresien-stadts im Rahmen einer Entlausungsaktion konfisziert und wah-rscheinlich vernichtet, Rückkehr nach Frankreich zur Ehefrau, lernt jetzt erst seinen dreijährigen Sohn kennen, 1946 Geburt der Tochter, 1953 Freitod seiner Frau, in den 1960er Jahren Heirat mit Colette Barreau, Umbruchredakteur u.a. für „Jours de France“, daneben seit 1938 (mit Unterbrechung durch die Internierungen und die KZ-Zeit) bis 1977 humoristisch-satirische Pressezeichnungen für den Schweizer „Nebelspalter“, außerdem humoristische Illustrationen für den Zsolnay Verlag u.a.


Arbeiten in Österreich vor der Emigration

Humoristisch satirische Pressezeichnungen (politische Cartoons); als Jude und Sozialist verfolgt


Im französischen Exil

Anfangs weiterhin humoristische Zeichnungen für die Presse sowie während der Internierungszeit über das Leben im Lager, dort aber auch realistisch ernste Porträtzeichnungen mit düsteren Lavuren, nach dem Krieg vor allem humoristische Cartoons, teils mit leicht frivoler Note, kaum mehr politische Cartoons, fertigt vergrößerte Kopien seiner in der französischen Internierungszeit entstandenen Zeichnungen auf Kartons an, seit den 1960er Jahren auch Ölmalerei, vor allem persiflierende Gemälde zu Werken „Großer Meister“ sowie traditionelle Landschaftsmalerei im Stile des Impressionismus, als humoristischer Cartoonist erfolgreich


Weitere Kurzbiographien

Bil (d. i. Wilhelm Spira): Ein kleiner Lebensbericht. In: Die Welt des Jura Soyfer, hg. von der Jura-Soyfer-Gesellschaft. Wien 1991, S. 36- 43; Bil: Kurze Selbstdarstellung. In: Mit der Ziehharmonika. Zeitschrift der Theodor Kramer Gesellschaft, 8. Jg., Nr. 2, Juni 1991, S. 20; Kurt Flemig: Karikaturisten-Lexikon. München, New Providence, London, Paris 1993, S. 23f.


Nachlass

Colette Spira, Puteaux (bei Paris)


Werk- und Literaturauswahl

Bil (d. i. Willi Spira): „Bratislava“, 1936, Skizzenblock, lose Blätter im Pappband, ca. 19,8 x 16,2 cm, Nachlass, Puteaux
– -: „Prag“, 1937, Skizzenblock, lose Blätter im Pappband, ca. 19,8 x 16,2 cm, Nachlass
– -: „Paris“, 1935-39, Skizzenblock, lose Blätter im Pappband, ca. 20,7 x 16,7 cm, Nachlass
– -: „Au Camp d’Internement du Damigny“, 1939, Folge von Füllfederzeichnungen mit schwarzer Tinte, Skizzenblock, lose Blätter in Pappband, ca. 19,8 x 16,2 cm, Nachlass (enthält auch Blätter aus Meslay)
– -: „Pour Ceux Qui Souffrent“, „au camp du Vernet“, 1941 Mars, Avril, Mai, Juin“, Folge von Füllfederzeichnungen mit schwarzer Tinte, lose Blätter im Pappumschlag, ca. 27 x 20,8 cm, Nachlass
– -: „bill 41 Vernet“, Zeichnungsfolge, lose Blätter im Pappband, ca. 27 x 20,8 cm, Nachlass
– -: „Vernet 42 (…)“, Skizzenblock, lose Blätter im Pappband, ca. 27 x 20,8 cm, Nachlass
Spira, Bil: Die Legende vom Zeichner, hg. von Konstantin Kaiser in Zusammenarbeit mit Vladimir Vertlib. Wien 1997 (= Antifaschistische Literatur und Exilliteratur – Studien und Texte, 17); Rezensionen: Vladimir Vertlib: Wien – Paris: mit Umwegen und Zwischenstationen. Über den Zeichner, Cartoonisten, Bühnenbildner und Redakteur Bil Spira. In: Mit der Ziehharmonika, 14, Nr. 2, Aug. 1997, S. 22-24; Rosamunde von der Schulenburg: Ein Dreigroschendasein. Es ist keine Lust, im zwanzigsten Jahrhundert zu leben: Der Zeichner Bil Spira erzählt wahre Legenden. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5.3.1998; Erich Hackl: Die Sonne als letzter Freund. In: Die Presse (Wien), 14.3.1998
Winkler-Bessone, Claude (Hg.): Bil Spira. Pariser Impressionen (1935-1939). Zeichnungen und Karikaturen. München, Salzburg, Rom 1998


Autorin:

Rosa von der Schulenburg

 

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